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18 Kilo in zehn Monaten zugenommen: Nancy-Rosa Tundis leidet an einer Fettverteilungsstörung. Sie zeigt ein Foto, das sie vor ihrer Krankheit zeigt.

Ihr Kampf für eine Operation

Nancy (20) leidet unter schwerer Krankheit - doch die Krankenkasse lässt sie im Stich

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Nancy Tundis leidet unter einer schweren Krankheit. Dennoch will die Krankenkasse die Kosten für eine Operation nicht übernehmen. Jetzt kämpft die 20-Jährige dagegen.

Würmtal – Sie wird dicker und dicker. In den vergangenen zehn Monaten nahm Nancy-Rosa Tundis 18 Kilogramm zu. Vor zwei Monaten bekam sie die Diagnose Lipödem. Das ist eine Fettverteilungsstörung.

Nancy leidet unter Lipödem: Krankenkasse will Operation nicht zahlen

Die 20-Jährige ist krank. Vor allem an ihren Beinen und Armen nimmt Tundis stark zu – so stark, dass ihre Haut bereits in Mitleidenschaft gezogen wurde. Das Gehen falle ihr schwer. Treppen versucht sie zu meiden. „Ich habe starke Schmerzen in den Knien.“ Und ein Ende der Gewichtszunahme ist nicht in Sicht. Ihre gesetzliche Krankenkasse, die AOK, übernimmt die Kosten für Lymphdrainagen und Kompressionsstrümpfe, diese können den Verlauf der Krankheit verlangsamen.

Doch das reicht Rosa Tundis nicht. Sie will die Heilung. Und dafür brauche es eine Operation, die Liposuktion. Mit anderen Worten eine Fettabsaugung, bei der die beschwerdeauslösenden Fettzellen entfernt werden. Dafür aber übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten nicht – obgleich es sie langfristig günstiger kommen könnte, so Tundis.

Fast 20 Kilo in 10 Monaten: Lipödem lässt Nancy stark zunehmen - Krankenkasse hilft kaum

Für die Bankangestellte aus Gräfelfing war damit sehr schnell klar: Sie kämpft. Sie ist 20 Jahre alt und will keine Angst vor der Zukunft haben. „Die Krankheit schreitet voran. Man schämt sich irgendwann.“ Es könne passieren, dass sie so sehr an Gewicht zunehme, dass sie irgendwann im Rollstuhl sitzt. Das will sie um jeden Preis verhindern.

Am Anfang wunderte sich Nancy-Rosa Tundis über die plötzliche Gewichtszunahme. Sie ist sportlich aktiv. Bis vor zehn Monaten wog sie 52 Kilogramm. Sie konnte essen, was und wie viel sie wollte, ohne zuzunehmen. Dann wurde alles anders.

Jetzt wiegt sie 70 Kilogramm. Zahlreiche Mediziner konnten ihr nicht helfen, bis eine Venenärztin vor zwei Monaten ihr Problem erkannte. Wer die Diagnose Lipödem bekommt, falle oft in eine Depression, sagt Tundis und kann das gut verstehen. „Ich kam mir auf einmal so hilflos vor.“ Auch sie sitze immer wieder heulend auf dem Sofa. Aber unterkriegen lässt sie sich nicht. Sie will aufklären und erreichen, dass die Krankenkassen die Fettabsaugung für Menschen mit ihrer Diagnose in ihr Leistungsspektrum aufnehmen.

Social Media als Hilfe: Nancy will gegen Ungerechtigkeit kämpfen

Unter dem Hashtag #lipödemistkeineausrede hat sie ein Video auf YouTube hochgeladen. Sie hat sich vernetzt und sie plant einen Stand auf der Kaufingerstraße in München, an dem sie gemeinsam mit zehn anderen Patientinnen – es trifft fast nur Frauen – auf ihre Krankheit aufmerksam machen will. Nur vor September geht das nicht. „Jetzt ist es viel zu warm für uns.“ 

Obwohl Nancy-Rosa Tundis erst seit kurzem von der Existenz der Krankheit weiß, ist sie stark engagiert. Und damit unterstützt sie andere, die schon länger kämpfen. Das Anliegen der Betroffenen ist der Politik in Berlin bekannt. „Es schaut so aus, als ob da was in Gang käme“, meint der Kraillinger Experte Helmut Aichberger, der langjährige ehrenamtliche Verwaltungsrat der DAK. Sein Gremium entscheidet darüber, was die Kasse bezahlt und was nicht. Er macht Tundis Hoffnung. Aber er sagt auch: „Wie lange es dauert, weiß ich nicht.“

Krankenkasse übernimmt Operationskosten nicht: Nancy nimmt Kredit auf

Nancy-Rosa Tundis aber will nicht warten. Sie will nicht zuschauen, wie sie immer dicker wird. Sie will die Operation so bald als möglich. Und sie will sie so sehr, dass sie bereit ist, dafür einen Kredit aufzunehmen. Nach aktuellem Stand muss sie für die Fettabsaugung rund 14 000 Euro zahlen. „Das Geld habe ich nicht unter dem Kopfkissen liegen.“

Helmut Aichberger warnt, dass die Kosten von der Kasse vermutlich nicht rückwirkend übernommen werden. Doch Nancy-Rosa Tundis sagt: „Ich habe mir geschworen, das zu machen.“ Den Kampf um die Erweiterung des Leistungsspektrums der Krankenkassen will sie auch nach ihrer Operation weiterführen. Denn: „Ich mache es nicht nur für mich selber, sondern für alle von der Krankheit Betroffenen.“

Bei einem Konzert in Spanien begeisterte dagegen auch eine Aktion des Publikums: Metal-Fans hoben einen Rollstuhlfahrer über ihre Köpfe, um ihm eine bessere Sicht zu ermöglichen. Das Video geht aktuell viral.

Passend zum Thema: Viele Frauen leiden unter den Folgen eines Lipödems. Doch Krankenkassen wollen eine Fettabsaugung nicht bezahlen. Wir erklären warum die Kassen nicht zahlen und was Sie dagegen tun können.

von Victoria Strachwitz

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