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Der Name bleibt, der Betreiber wird wechseln: Die Gemeinde führt das Lochhamer Rudolf- und Maria-Gunst-Haus ab Herbst in Eigenregie – zumindest vorübergehend.

Rotes Kreuz ab Oktober aussen vor

Gräfelfing gründet eigenen Pflegebetrieb

Gräfelfing - Die Gemeinde Gräfelfing betreibt das Rudolf- und Maria-Gunst-Haus vorerst selbst. Auf die Bewohner des Pflegeheims kommt eine mehrjährige Übergangszeit zu.

Seit 2009 hatten Gemeinde Gräfelfing und Bayerisches Rotes Kreuz (BRK) über die Zukunft des Rudolf- und Maria-Gunst-Hauses verhandelt. Jetzt steht das Ende der Jahrzehnte währenden Partnerschaft endgültig fest. Die Gemeinde, Eigentümerin des Seniorenheims in Lochham, wird den Betreibervertrag mit dem BRK-Kreisverband München nicht verlängern. Der Gemeinderat hat die Gründung eines kommunalen Unternehmens mit dem Namen „RMG gemeinnützige Betriebsgesellschaft“ beschlossen, das die Führung des Hauses im Herbst übernimmt.

Der Beschluss sei in einer nicht-öffentlichen Sondersitzung einen Tag vor Heiligabend einstimmig gefallen, sagte Bürgermeisterin Uta Wüst dem Münchner Merkur. Den Bewohnern könnten nun in einigen Tagen Kündigungsschreiben ins Haus flattern. Das habe das BRK gegenüber der Gemeinde mit Verweis auf geltende Kündigungsfristen angedeutet, sagte Wüst. Sie versichert aber: „Niemand wird gezwungen sein auszuziehen.“

In einer Mitteilung auf der Internetseite der Gemeinde heißt es, durch die Gründung einer eigenen Betreibergesellschaft könne die Gemeinde „künftig wesentlich stärker Einfluss auf Art und Weise der Dienstleistungserbringung im Seniorenheim ausüben als bisher“. Man könne auf in Pflegeheimen übliche Beschwerden besser reagieren, erklärte Wüst auf Nachfrage, etwa wenn zu wenig deutschsprachiges Personal oder Probleme bei der Verabreichung von Medikamenten angemahnt würden.

Auf die Bewohner kommt in den nächsten Jahren wohl nicht nur dieser eine Betreiberwechsel zu. Denn im Kern geht es bei der Übernahme des Betriebes in Gemeindehand wohl weniger um Qualitätsfragen im täglichen Betrieb als um die künftige Gestaltung des Hauses. Und die von der Gemeinde gewünschten Maßnahmen ziehen scheinbar unweigerlich Veränderungen nach sich.

Der Gemeinderat hatte im Juli nach mehrjährigen Überlegungen entschieden, das renovierungsbedürftige Gebäude umfangreich zu sanieren. Damit wird sich die Struktur aber so stark verändern, dass der Betrieb der Einrichtung wohl neu ausgeschrieben werden muss. Das habe eine rechtliche Prüfung ergeben, die die Gemeinde schon vor einem Jahr habe vornehmen lassen, sagte Wüst. Das künftige Konzept des Hauses ist noch nicht durchgeplant. Umbau und Ausschreibung könnten wohl erst 2017 erfolgen. Der Vertrag mit dem BRK läuft aber im Oktober 2016 aus. Man hätte die Übergangszeit zwar auch mit dem BRK gestalten können. Doch habe man sich nicht über die Bedingungen einigen können, sagte Wüst. Um diese zeitliche Lücke zu überbrücken, wurde die RMG-Betriebsgesellschaft gegründet, die das Heim bis zum Umbau auch ohne Ausschreibung betreiben darf.

Im Aufsichtsrat der Gesellschaft sollen neben Gemeinderäten auch Verwaltungsmitarbeiter und externe Experten sitzen. Mit der Organisation des Übergangs sowie der Gründung und dem Management der GmbH wird die Oberhachinger Beratungsfirma Schwan & Partner beauftragt. Dass sich sein Unternehmen langfristig im Rudolf- und Maria-Gunst-Haus engagiert, kann sich Geschäftsführer Hartmut Joithe nicht vorstellen. „Das ist nicht unser Kerngeschäft“, sagte er dem Münchner Merkur. Die derzeige Vereinbarung sei auf zwei Jahre befristet. Unklar ist bislang auch, ob sich die gemeindeeigene Gesellschaft an der anstehenden Ausschreibung beteiligen soll oder sich nach der Übergangszeit auflöst.

Den Bewohnern will Joithe neue Verträge anbieten, falls die aktuellen gekündigt werden müssten. In jedem Fall blieben die Bedingungen gleich. Ab 4. Januar gibt es eine Auskunft für besorgte Bewohner (Telefon 85 82 70). Vom BRK, dessen Geschäftsstelle über die Feiertage geschlossen ist, war keine Auskunft zu bekommen.

Stefan Reich

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