Markus Stadler mit dem mobilen Notstromaggregat der Gräfelfinger Feuerwehr.
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Markus Stadler mit dem mobilen Notstromaggregat der Gräfelfinger Feuerwehr: Für den Strombedarf einer Anlaufstation im Ernstfall reicht es bei weitem nicht aus.

Notstromversorgung

Gräfelfing investiert in Katastrophenschutz

  • Martin Schullerus
    VonMartin Schullerus
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Die Gemeinde Gräfelfing will über eine halbe Million Euro in besseren Katastrophenschutz investieren. Namentlich soll die Notstromversorgung für zwei Anlaufzentren im Ort gesichert werden.

Gräfelfing – Am Pfingstwochenende waren nach einem Anschlag einige Stadtteile von München bis zu 36 Stunden ohne Strom. Am 14. April fiel der Strom in Bereichen von Gräfelfing für eine Stunde aus. „Wir wollen keine Schreckenszenarien zeichnen, aber bei zuständigen Stellen wird mit Stromausfällen gerechnet. Das sind keine Hitchcock-Phantasien“, sagte Bürgermeister Peter Köstler. Und: „Je länger der Ausfall dauert, umso nervöser wird die Bevölkerung.“ Medizinische Geräte, Kommunikation, Heizung und das Betanken von Fahrzeugen – alles hänge nun mal am Strom.

Feuerwehr gab den Anstoß

Aus diesem Grund ging von der Gräfelfinger Feuerwehr die Initiative aus, sich für den Ernstfall besser zu wappnen. Die Feuerwehr verfügt zwar über ein mobiles Notstromaggregat, doch ist es bei weitem nicht leistungsfähig genug für die eigentliche Zielsetzung im Ernstfall: Die Einsatzbereitschaft der Hilfsorganisationen aufrecht zu erhalten und im Ortsgebiet Anlaufzentren für die Bevölkerung zu schaffen. Dort soll es Informationen, Wärme, Licht und die Möglichkeit geben, Geräte aufzuladen.

Zwei Zentren geplant

Nach Untersuchung durch ein Fachbüro empfahl der Hauptausschuss dem Gemeinderat nun, zwei solcher Zentren sowie die Tankstelle am Betriebshof mit genügend Notstrom zu versorgen. Das erste davon ist der Bereich von Feuerwehr, Maltesern und Grundschule. Hier würden die Hilfsorganisationen versorgt, und die Schule könne als Anlaufzentrum dienen, mit genügend Platz und Infrastruktur wie Sanitäranlagen. Das zweite Zentrum soll der Schulcampus Lochham sein, wo vor allem die Mehrzweckhalle mit Notstrom und Wärme versorgt werden soll.

Blockheizkraftwerk wird größer dimensioniert

Bürgermeister Peter Köstler wies darauf hin, dass es auf Ebene der Regierung von Oberbayern zwar ebenfalls diesbezügliche Überlegungen gebe. Doch das gehe alles sehr langsam voran. Köstler: „Dieses Thema ist uns so wichtig, dass wir nicht auf eine flächendeckende Lösung warten wollen, sondern es schrittweise selbst angehen.“ Auch wenn die Gemeinde Gräfelfing es sich leisten kann – billig wird das Vorhaben nicht. Das Anlaufzentrum Feuerwehr/Malteser/Schule soll ein 250 kWh starkes Diesel-Notstromaggregat erhalten, eingehaust in einem Beton-Gebäude wie einer Garage. Kostenpunkt: bis zu 375 000 Euro. Für den Lochhamer Campus ist ohnehin ein Blockheizkraftwerk geplant, das Strom als Nebenprodukt erzeugt; dieses reicht indes nicht aus und soll für Mehrkosten von rund 170 000 Euro größer dimensioniert werden.

Nur eine Gegenstimme

Im Hauptausschuss herrschte weitgehende Einigkeit, dass es sich hier, wie bei jeder Versicherung, um eine Vorsorge handle, von der man hoffe, sie nie in Anspruch nehmen zu müssen. Sinnvoll sei sie gleichwohl. Nur Petra Schmid (CSU) mochte den Bedarf nicht erkennen und wollte wissen, für wie viele Bürger diese Versorgung kalkuliert sei. Bürgermeister Köstler erklärte, es gehe keineswegs um eine Unterbringung Tausender, sondern um vorübergehende Anlaufzentren. Gegen die entsprechende Empfehlung an den Gemeinderat, der die Entscheidung treffen wird, stimmte nur Petra Schmid.

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