+
Bürgermeisterin Uta Wüst fühlt sich wohl in ihrem Rathaus. 

Geschichte, Architektur, Entwicklung

50 Jahre Gräfelfinger Rathaus: Ausstellung zum Jubiläum

Zum Jubiläum findet eine Ausstellung im Rathaus Gräfelfing statt. Eine kleine Geschichte zum Gebäude - und Informationen zur Ausstellung. 

Gräfelfing - „Beton – es kommt nur darauf an, was man daraus macht.“ Wer kennt es nicht, dieses geflügelte Wort, das sich viele Baufirmen auf ihre Fahnen schreiben? Betonbauten sind ganz bestimmt nicht jedermanns Sache – auf den ersten Blick. Ähnlich erging es Uta Wüst, der Bürgermeisterin von Gräfelfing, als sie „ihr“ Rathaus zum ersten Mal sah. Heute, vier Jahre nach ihrer Wahl zur Rathauschefin, kann sie dem Beton-Gebilde an der Ruffiniallee 2 mehr Positives als Negatives abgewinnen – und das im Jubiläumsjahr. Die Fertigstellung des Gräfelfinger Rathauses jährt sich 2017 zum 50. Mal (Baubeginn war der 26.5.1966, am 8.12.1966 war Richtfest, die Fertigstellung 1967). Die Gemeindeverwaltung war noch in der der nahegelegenen Volksschule untergebracht. Ein Provisorium, das damals schon nach einem Neubau schrie. Peter Biedermann und Werner Böninger vom gleichnamigen Münchner Architekturbüro nahmen die Herausforderung an und traten in einem Architektenwettbewerb gegen 72 Planungsbüros an. Böninger und Biedermann kamen mit vier weiteren Büros in die engere Wahl, aus der sie schließlich als Sieger hervorgingen. Zu Recht, denn Biedermann und Böninger konzipierten zwar einerseits ein Rathaus, das ausschließlich in Beton gegossen war und nicht allen Bürgern gefiel. Andererseits schufen sie eine Gemeindeverwaltung, die heute noch (fast) allen Ansprüchen eines modernen Verwaltungsgebäudes entspricht.

Sichtbeton ist zeitlos! Die Gräfelfinger haben sich längst an ihr „modernes“ Rathaus gewöhnt.

Architektur mit Weitblick

Beide Herren hatten damals schon den nötigen Weitblick bewiesen. Will heißen: Man entschied sich zum Beispiel für Fenster aus Sipo-Mahagoni. Eine Holzart, die immer noch so edel wirkt wie vor fünf Jahrzehnten. Die anstehende energetische Ertüchtigung der Fenster bezieht sich deshalb ausschließlich auf neue Scheiben. „Die Fensterrahmen sind unverwüstlich und halten noch einmal 50 Jahre“, freut sich Uta Wüst. Das gilt auch für die Stühle im Sitzungssaal, die so alt sind wie das Rathaus selbst. Die massiven Eingangsportale bringen es ebenfalls auf fünf Jahrzehnte. Lediglich die sanitären Anlagen, Wasserrohre und Abwasserleitungen werden derzeit erneuert. Nach 50 Jahren ganz bestimmt kein Luxus! So stabil wie das Rathaus scheint auch die Gemeinde selbst zu sein. Die Würmtal-Kommune sollte nach dem Willen des Gemeinderates nicht innerhalb von wenigen Jahren aus allen Nähten platzen. Staad und behutsam wollte man sich entwickeln. Ortsplaner würden heute von „organischer Entwicklung“ sprechen. Ein Blick auf die Statistik beweist, dass die Ratsmitglieder ihre Hausaufgaben diesbezüglich gemacht haben – damals wie heute. Man glaubt es kaum, aber Gräfelfing war vor 50 Jahren kaum kleiner als heute. „Damals hatten wir knapp 13 000 Einwohner, heute sind es gut 13 000 Bürgerinnen und Bürger“, so Uta Wüst. Ein Phänomen, auf das nicht nur die Bürgermeisterin stolz ist. Ein derart moderates Wachstum sorgt dafür, dass die Infrastruktur (Schulen, Kindergärten, Feuerwehrhaus, Wasserleitungen, Kanalisation und vieles mehr) nach und nach gebaut werden können. Auch wenn das Rathaus mit seinen 50 Beschäftigten (noch) nicht aus allen Nähten platzt, denkt man bereits über die eine oder andere Erweiterung nach. Übereilen will man auch in dieser Hinsicht nichts. Typisch Gräfelfing eben . .

Die Ausstellung - Informationen

„50 Jahre Rathaus Gräfelfing“: Unter diesem Motto steht die Ausstellung von Rathausmitarbeiterin Birgit Doll (Wirtschaftsförderung und Öffentlichkeitsarbeit). Dabei werden vor allem die Aspekte Geschichte, Architektur und Entwicklung beleuchtet. Historische und aktuelle Fotos bereichern die Ausstellung, die vom 18. September bis 27. Oktober im Rathaus Gräfelfing, Ruffiniallee 2, stattfindet. Öffnungszeiten: Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag, jeweils von 8 bis12 Uhr sowie Mittwoch, von 8 bis 18 Uhr. Die Bevölkerung aus Gräfelfing und Umgebung ist herzlich eingeladen.

Johannes Danner

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Ruf nach effektivem Lärmschutz wird lauter
Die Pläne für eine von der Gemeinde bezahlte Geschwindigkeitsmessanlage an der A 96 in Gräfelfing sind vom Tisch.
Ruf nach effektivem Lärmschutz wird lauter
Krimi um Kraillinger Öl geht weiter
Der Streit um das tschechische Öl geht in die nächste Runde. Dieses hat Krailling zwar verlassen, ob es aber Tschechien gehört, ist weiter fraglich. Die Diskussion um …
Krimi um Kraillinger Öl geht weiter
Gemeinde erhöht die Grabgebühren
Die Bürger Kraillings müssen sich im kommenden Jahr auf höhere Friedhofsgebühren einstellen.
Gemeinde erhöht die Grabgebühren
Der Wirt als Goggolori
Es ist eine Teufelsg’schicht. Wenn es im Forsthaus Kasten weihnachtet, dann gibt es nicht nur Punsch und Stollen. Dann rücken die Perchten an – von nah und fern. Und …
Der Wirt als Goggolori

Kommentare