Pläne für Radaranlage an A 96 sind vom Tisch

Ruf nach effektivem Lärmschutz wird lauter

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Die Pläne für eine von der Gemeinde bezahlte Geschwindigkeitsmessanlage an der A 96 in Gräfelfing sind vom Tisch.

Gräfelfing– Der Gemeinderat beschloss am Dienstag mit großer Mehrheit, dieses Vorhaben „mangels Effektivität“ nicht weiter zu verfolgen. Zugleich warfen mehrere Gemeinderäte der Bürgermeisterin Untätigkeit beim Thema Lärmschutz vor.

Praktisch nicht hörbare 2 dB(A) Lärmminderung durch Temporeduzierung wären von einer Blitzanlage zu erwarten gewesen – bei Kosten von 570 000 Euro. Da war es eine eher akademische Frage, ob man von einem schlechten Kosten-Nutzen-Verhältnis überhaupt sprechen könne oder, mangels jeglichen Nutzens, eben nicht. Die Ratsmehrheit votierte für letztere Antwort, was sich in der Formulierung des Beschlusses niederschlug. Für eine Blitzanlage stimmten nur Peter Köstler und Marion Appelmann von der CSU.

Die Christsozialen zeigten sich bei dem Thema auffallend gespalten. Hatte Fraktionschef Peter Köstler im überörtlichen Ausschuss noch vehement für die Anlage gekämpft, sagte seine Fraktionskollegin und CSU-Ortsvorsitzende Petra Schmid nun im Gemeinderat: „Auch wenn die Anlage null Euro kosten würde, wäre kein Nutzen da. Das ist ein Schmarrn.“

Auf Merkur-Anfrage erklärte Köstler, es handle sich nicht um einen parteiinternen Affront gegen ihn, sondern um unterschiedliche, jeweils legitime Meinungen. Er könne damit gut leben, dass die Mehrheit der Fraktion diesen Punkt anders sehe als er.

Einig war sich die CSU in der Feststellung, dass für den Lärmschutz an der A 96 „in dieser Legislaturperiode“ insgesamt wenig bis nichts geschehe. Thomas Heidenreich sagte: „Das Problem ist: Es passiert überhaupt nichts.“ Die Empfehlungen der Machbarkeitsstudie lägen in der Schublade und würden auch nicht in Abschnitten angegangen. Auf Untersuchungsergebnisse zu Parabolwänden warte man seit Langem. Heidenreich: „Wir müssen mal entscheiden, was wir machen, nicht was wir nicht machen.“

Petra Schmid sagte: „Wir brauchen eine Übertunnelung.“ Laut Machbarkeitsstudie verblieben für die Gemeinde nach Gegenfinanzierung durch Baugrund überschaubare 66 Millionen Euro an Kosten. Das sei nicht unmöglich zu stemmen.

Bürgermeisterin Uta Wüst widersprach: „Wir sind ständig an dem Thema dran; ich bin gespannt, was die Parabolwände bringen würden.“ Die Tätigkeit der Gemeinde belegte sie mit einer Auflistung von Beschlüssen und Untersuchungen über zwei Seiten – darunter allerdings keine umgesetzte Maßnahme. Bei der Gegenfinanzierung durch Baugrund gab sie zu bedenken, dass damit „sämtliche freien Flächen“ im Gemeindegebiet verloren wären. Auf das Drängen der CSU sagte die Bürgermeisterin: „Wir können eine Grundsatzentscheidung gerne treffen.“ Allerdings würde sie zuvor auf die Ergebnisse der Voruntersuchung zu Parabolwänden warten.

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