An der Bahnhofstraße 105 in Gräfelfing will die Gemeinde ein Wohn- und Geschäftshaus errichten. Der Erhalt der Villa von 1922 auf demselben Grundstück (re.) steht in Frage.
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An der Bahnhofstraße 105 in Gräfelfing will die Gemeinde ein Wohn- und Geschäftshaus errichten. Der Erhalt der Villa von 1922 auf demselben Grundstück (re.) steht in Frage.

Neubauprojekt Bahnhofstraße 105

Alte Villa steht auf der Kippe

  • Martin Schullerus
    VonMartin Schullerus
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Beim großen Neubauprojekt in Gräfelfings Ortsmitte ist eine Zäsur eingetreten. Die alte Villa auf dem Grundstück Bahnhofstraße 105, die eigentlich erhalten bleiben sollte, steht nun zur Disposition. Dafür gibt es gute Gründe.

Gräfelfing – Der Gedanke war schön, und eine Machbarkeitsstudie des Büros Molenaar bescheinigte ihm Realisierbarkeit: Auf ihrem Grundstück Ecke Bahnhofstraße 105 / Prof.-Kurt-Huber-Straße wollte die Gemeinde Gräfelfing in Fortführung der Gebäudezeile (dm-Drogerie) ein Wohn- und Geschäftshaus errichten. Zugleich sollte das oben auf dem Hanggrundstück stehende, ungenutzte Haus von 1922 saniert und mit einem Anbau versehen werden, um als Domizil einer integrativen Wohngruppe zu dienen.

Das Münchner Architekturbüro WGP machte sich auf dieser Grundlage an die Planung. Am Donnerstag trugen Architekt Oliver Glück und ein Kollege die Ergebnisse im Bauausschuss vor. Sie entwarfen ein Gebäude mit Tiefgarage, Läden im Erdgeschoss und 18 Wohnungen in den beiden Obergeschossen sowie dem Dachgeschoss. Es wäre technisch und regelkonform umsetzbar und würde gut 9 Millionen Euro kosten.

Allerdings, und das ergab die anschließende Diskussion unzweideutig, wäre es bei gleichzeitigem Erhalt des Bestandsgebäudes im Süden eine suboptimale Lösung. Die Balkone von Neubau (südwärts) und Bestand würden aufgrund der Enge auf dem Grundstück auf bis zu 3,5 Meter aneinanderrücken. Den Neubau schmaler zu gestalten, wäre wirtschaftlich und planerisch mit Blick auf die Wohnungen ungut. Beengt ginge es auch in der Tiefgarage mit 25 % steiler Rampe und Duplex-Stellplätzen zu. Fahrradstellplätze müssten auf dem Grundstück angesiedelt werden und damit den Freiraum reduzieren, der Müll-Raum käme direkt an die Prof. Kurt-Huber-Straße zu liegen. Die Erschließung und gemeinsame Nutzung des Gartens ließe Konfliktpotenzial befürchten. Überdies würde der Erhalt der alten Villa massive Stützkonstruktionen in Form von Betonwänden und Ankern im Untergrund bedingen – mit entsprechenden Mehrkosten.

Aus all diesen Gründen schlug die Verwaltung vor, den Planungsauftrag um eine radikale Variante zu erweitern: Dem Abriss der alten Villa und der Vergrößerung des Neubaus um einen Schenkel oder ein bis zwei Solitärgebäude entlang der Prof.-Kurt-Huber-Straße. Hier könnte auch die integrative Wohngruppe unterkommen – und das mit besserer Barrierefreiheit, wie Bauamtsleiter Markus Ramsauer betonte.

Die Fachleute stimmten dem einhellig zu. Bauberater und Architekt Bertold Ziersch sagte unverblümt: „Wir versenken Unmengen Beton in den Boden, bloß um diese alte Kiste aufzubocken, die kein besonderes Baudenkmal ist.“ Auch Architekt Oliver Glück sagte, er verstehe den „nostalgischen Gedanken“, das alte Gebäude zu erhalten. Doch sei es von „miserabler Bauqualität, geringem Wert und nichts Besonderes“. Gemeindearchitekt Allen Schmitz fügte an, die Sanierung des Altbaus und der Anbau würden wohl 2,5 Millionen Euro kosten.

Auch die Gemeinderäte fanden es mehrheitlich sinnvoll, diese Variante zumindest einmal zu untersuchen. „Das zu prüfen heißt ja nicht, dass wir es auch umsetzen müssen“, sagte Florian Ernstberger (BVGL). Genau das befürchtete allerdings Wolfgang Balk (IGG), der sagte: „Diese Planung wäre der Abschied vom Bestandsgebäude.“ Marion Appelmann (CSU) könnte damit gut leben, sie forderte: „Abreißen und neu bauen, statt für so schlechte Bausubstanz weiteres Geld zu verbraten.“

Bei der Abstimmung nahm das Gremium die bisherigen Planungen zustimmend zur Kenntnis. Gegen den erweiterten Planungsauftrag stimmten Balk und seine Fraktionskollegin Ute Sturm.

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