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Die Reise geht los: Gerhard Regensburger (r.) von der Gräfelfinger Feuerwehr händigt Wolfgang Knöfel von der Auto-Obermann GmbH die Fahrzeugschlüssel aus.

Freiwillige Feuerwehr Gräfelfing

Alter Rüstwagen auf dem Weg nach Chile

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„Gräfelfing 61/1“ wurde der alte Rüstwagen der Freiwilligen Feuerwehr Gräfelfing über Funk gerufen – 26 Jahre lang. Seit gestern ist er auf dem Weg nach Los Ángeles in Chile.

Gräfelfing– „Rollende Werkzeugkiste“ nennt Thomas Hickel, Sprecher der Gräfelfinger Feuerwehr, den Rüstwagen, der 1992 angeschafft wurde und seitdem 29 732 Kilometer im Dienste der Gräfelfinger ansammelte. „Für einen Lkw, der eine Million runterspult, ist das gar nichts, aber Richtwert für Feuerwehrfahrzeuge sind 25 Jahre“, so Hickel. Dann steige die Reparaturanfälligkeit, manches korrodiere oder verschleiße. Zudem werde es schwieriger, Ersatzteile zu bekommen. Also finanzierte die Gemeinde ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug, das im Mai geweiht wurde. Und der Rüstwagen wurde zum Verkauf angeboten.

Dass er künftig seinen Dienst in Chile leisten wird, hat er Daniel Buck zu verdanken. Buck, der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Hohenschäftlarn ist, arbeitet wie Markus Fuchs, Kommandant der Gräfelfinger Wehr, bei einer in Planegg ansässigen Firma für Feuerwehrbedarf. Die beiden sind nicht nur Kollegen, ihre Feuerwehren pflegen „seit Jahrzehnten freundschaftliche Beziehungen“, wie Buck sagt. Und der Hohenschäftlarner wiederum unterhält seit vier Jahren Verbindungen zur 6. Deutschen Feuerwehrkompanie in Los Ángeles.

Damals kamen eines Tages zwei Chilenen in den Showroom der Planegger Firmenzentrale und wollten Zubehör kaufen. Buck, der Englisch spricht und Spanisch gut versteht, beriet sie. „Sie waren zur Wiesn in München und haben sich informiert, wo Feuerwehrzubehör angeboten wird“, erzählt Buck. Visiere, Nackenschutzleder und Handschuhe kauften sie und tauschten Handynummern mit Buck. Vergangenes Jahr war der Hohenschäftlarner als Ausbilder zu einem Techniktreffen der Deutschen Kompanien in Los Ángeles eingeladen und konnte feststellen, dass die 6. Deutsche Feuerwehrkompanie keine Ausnahme ist. „Die Kompanien tragen deutsche Uniform und auf den Autos steht auf Deutsch Feuerwehr“, so Buck. Deutsche Einwanderer gründeten in Chile die ersten Freiwilligen Feuerwehren, an diese Tradition knüpfen die heutigen Wehren an. Da es laut Buck nur am Flughafen Berufsfeuerwehren gibt, teilen zum Beispiel neun solcher Kompanien das Gebiet der 150 000-Einwohner-Stadt Los Ángeles unter sich auf. Finanziert werden die durchaus modernen Gerätschaften vom Staat, allerdings, so Buck, nicht jedes Jahr. Bei akuten Ersatzbeschaffungen seien die Kompanien auf Gebrauchtfahrzeuge angewiesen, die sie selbst bezahlten.

Bucks chilenischer Freund Eduardo Solis, inzwischen Kapitän der 6. Kompanie, meldete sich in den vergangenen Monaten bei ihm. Er benötige einen gebrauchten Rüstwagen, ob Buck weiterhelfen könne. Er konnte, wusste er doch von dem ausrangierten Gräfelfinger Fahrzeug für technische Hilfeleistung, ausgestattet unter anderem mit Seilwinde und hydraulischen Geräten. „Das war reiner Zufall. Solche Rüstwagen stehen nicht häufig zum Verkauf“, so Buck. Die Gräfelfinger hatten von einem Händler ein Angebot für 8900 Euro erhalten, die Chilenen waren bereit, den gleichen Preis zu zahlen und die Überführung selbst zu organisieren.

Am Montag fuhr nun ein Tieflader vor dem Feuerwehrgerätehaus in Gräfelfing vor und lud den Rüstwagen auf. Er bringt ihn nach Bremerhaven, wo er an Bord eines Frachters geht. Die Reise um Kap Hoorn herum, dem Südzipfel Südamerika, dürfte etliche Wochen benötigen. Im Rüstwagen reisen 30 gebrauchte Feuerwehrhelme mit, ein Geschenk der Hohenschäftlarner Kameraden. Alle zehn bis 15 Jahre müssen Helme laut Herstellervorschrift aus dem Einsatzdienst entfernt werden. Die Hohenschäftlarner haben inzwischen neue Helme. Buck: „Aber die alten sind ja nicht schlecht.“

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