Gräfelfing hält an Mobilfunkkonzept fest

Ausschuss votiert für 35-Meter-Mast am Neunerberg

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Der Gräfelfinger Gemeinderat hält trotz Bedenken und Protesten aus Planegg an seinem Mobilfunkkonzept fest. Er weiß die Naturwissenschaft auf seiner Seite.

Gräfelfing– Hans Ulrich, Ingenieur vom Umweltinstitut München e.V., hat vermutlich aufgehört zu zählen, wie oft er im Würmtal über Mobilfunk referiert hat. Er musste sich wiederholen, ein ums andere Mal, seit über zehn Jahren. An den Fakten hat sich nichts geändert, denn sie fußen schlicht auf der Physik.

Am Dienstag legte der Experte im Gräfelfinger Umweltausschuss das Grundprinzip des Gräfelfinger Mobilfunkkonzeptes einmal mehr dar: Dass die Strahlung schädlich ist, sei so wenig bewiesen wie das Gegenteil. Deshalb seien die Grenzwerte in Deutschland recht hoch. Gesundheitsvorsorge auch unterhalb dieser Grenzwerte als planerisches Argument sei indes höchstrichterlich anerkannt. Wer Immissionen, das heißt die Strahlenbelastung der Bevölkerung, minimieren wolle, müsse von den gängigen Dach-Standorten weg zu wenigen Großmasten: Aus 30 bis 40 Metern Höhe haben die Antennen häufig freie Bahn zu den Endgeräten und müssen weit weniger intensiv strahlen als zwölf Meter hohe Dachantennen, die benachbarte Hauswände durchdringen müssen, um das gesetzlich verankerte flächendeckende Angebot sicherzustellen. Gleiches gilt übrigens für die variable Sendeleistung der Handys. Und die haben oft Tuchfühlung zum Gehirn.

Dagegen wendet sich das psychologische Moment: Dass ein großer Mast ungefährlicher sein soll als die unscheinbare Antenne auf Nachbars Dach, ist schwer vermittelbar. Im Gräfelfinger Umweltausschuss rannte Hans Ulrich offene Türen ein, als er sagte: „Sie entscheiden zwischen Immissionsminimierung und Gestaltung“, also zwischen Gesundheitsvorsorge und Optik. Doch die zahlreiche Zuhörerschaft, vor allem aus dem Bereich Neunerberg, wo ein 35-Meter-Mast an der Ortsgrenze zu Planegg enstehen soll, murrte vernehmlich.

Immerhin haben zwischenzeitlich die Gemeinden Krailling, Planegg und Gräfelfing eine gemeinsame Untersuchung durchführen lassen – freilich mit dem erwarteten Ergebnis. Die Gräfelfinger jedenfalls sehen sich in ihrem Vorgehen bestätigt. BVGL-Gemeinderat Günter Roll sagte: „Jeder hat ein Handy, keiner will die Antennen. Die Sichtverbindung zu Großmasten ist nun mal das Beste; wir können die Physik nicht verändern.“

Auch Mathias Pollok (IGG) wies darauf hin, der Verzicht auf die Großmasten bedeute unweigerlich eine Mehrbelastung anderer Personengruppen. Pollok: „Wir würden das Problem nur verschieben. Und es geht auch um das Gemeinwohl.“

Ähnlich sah das Jörg Scholler (FDP), der feststellte: „Alle Bürger wollen Versorgungssicherheit und Minimalimmission. Es gibt keine eierlegende Wollmilchsau.“ Doch bei Großmasten sei die Strahlung einfach geringer.

Nachdem Hans Ulrich den Standort Neunerberg als unverzichtbar erklärt hatte, sofern man die Antennen auf Dächern etwa in der Bahnhofstraße entfernen wolle, lehnte der Umweltausschuss eine weitere Untersuchung zu kleineren Standorten als Alternative ab. Zugleich beschloss das Gremium einstimmig, gestalterische Entwurfsvarianten für den Mast ausarbeiten zu lassen, Stichwort: „Camouflage-Mast“.

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