Der beschrankte Bahnübergang wirkt wie eine Verkehrssperre, zum Wohl der Lochhamer.
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Der beschrankte Bahnübergang wirkt wie eine Verkehrssperre, zum Wohl der Lochhamer.

Am Übergang Brunhamstraße Schranke deutlich weniger unten

Bahn soll mit falschen Zahlen arbeiten

  • Nicole Kalenda
    vonNicole Kalenda
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Der Gräfelfinger Gemeinderat lehnt die Pläne der Landeshauptstadt München für eine Bahnunterführung an der Brunhamstraße ab. Eine von ihm in Auftrag gegebene Untersuchung zeigt, dass der große Nachbar von falschen Zahlen ausgeht.

Gräfelfing – Das Vorhaben, den beschrankten Bahnübergang an der Brunhamstraße durch eine Unterführung zu ersetzen, ist Jahrzehnte alt. Die Gemeinde Gräfelfing sieht es seit jeher kritisch, weil sie eine starke Verkehrszunahme auf der Aubinger, aber auch anderen Straßen fürchtet. Die Landeshauptstadt nahm die Planungen mit Blick auf die inzwischen auf 2032 verschobene Inbetriebnahme der zweiten S-Bahn-Stammstrecke wieder auf. Laut Deutscher Bahn AG sollen sich dann die Schrankensperrzeiten von 26 auf 46 Minuten pro Stunde erhöhen. „Der Verkehr würde sich bis in die Bodenseestraße hinein stauen, und es wäre nicht mehr gewährleistet, dass sich der Stau nach der Öffnung auflöst“, sagte Robert Adam vom Mobilitätsreferat der Stadt München am Dienstag im Gemeinderat. Schleichverkehr durch die Wohngebiete wäre die Folge. Die Alternative, den Bahnübergang für Kfz-Verkehr zu schließen und den Verkehr durchs östlich der Brunhamstraße gelegene Gewerbegebiet zu lotsen, lasse sich nicht verwirklichen. „Wir haben die Grundstücke nicht.“

Untersuchung auf Antrag der Grünen

Die Gemeinde hatte auf Antrag der Grünen das auf Bahnfragen spezialisierte Büro Vieregg-Rössler mit einer Untersuchung der Auswirkung der zweiten Stammstrecke auf den Übergang sowie Möglichkeiten der Optimierung ohne Unterführung beauftragt. „Wenn die Schrankensperrzeiten sich wirklich von 26 auf 46 Minuten erhöhen würden, würde einiges für eine Beseitigung des Übergangs sprechen“, sagte Martin Vieregg. Sein Büro war aber zu anderen Schlüssen gekommen, auch durch einen Ortstermin mit Stoppuhr. Aktuell ist die Schranke in der Normalverkehrszeit 9,25 Minuten pro Stunden heruntergelassen, in der Hauptverkehrszeit mit Zehn-Minuten-S-Bahn-Takt 18,5 Minuten. Am Bahnübergang kreuzen sich keine Züge, was Zeit sparen würde. Mit Inbetriebnahme der zweiten Stammstrecke sei allerdings mit Überlappungen zu rechnen. Dann wird die Schranke voraussichtlich 14,7 Minuten pro Stunde unten sein, ohne Überlappungen 17,9. „Eisenbahnplanung ist wahnsinnig kompliziert“, so Vieregg zu den von ihm korrigierten Informationen der Bahn. Helmuth Ammerl vom Büro Obermeyer, das sich mit dem zu erwartenden Verkehrsaufkommen auseinandergesetzt hatte, kam ebenfalls zu dem Schluss: „Die Schließzeiten betragen mit Sicherheit heute nicht eine knappe halbe Stunde. Sonst würde der Verkehr gar nicht bewältigt werden können.“

„Wenn die Bahn die Aussage tätigt, dass es zu Schließzeiten von 46 Minuten kommen wird, dann glauben wir das erst mal“, sagte Adam vom Münchner Mobilitätsreferat. Und zu Viereggs Untersuchung: „Wenn das stimmt, ist alles gut.“ Die Gemeinde stellt die Gutachten der Landeshauptstadt zur Verfügung. Sie wird ihre ablehnende Haltung mit den zu hoch angesetzten Schrankensperrzeiten sowie den Verkehrauswirkungen begründen. Sollte die Unterführung dennoch kommen, so ist laut Büro Obermeyer mit einer Zunahme des Kraftfahrzeugverkehrs um 40 Prozent in der Aubinger und um 20 Prozent in der Lochhamer Straße zu rechnen.

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