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Die doppelte Kandidatin: Viera Horch steht auf der Gemeinderatsliste der Gräfelfinger SPD – und einer Liste parteifreier Bürger für den Slowakischen Nationalrat. 

Gräfelfingerin kandidiert für Slowakischen Nationalrat

Aus der Heitmeiersiedlung ins Parlament

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Viera Horch bewirbt sich in Reihen der SPD für den Gräfelfinger Gemeinderat. Doch sie kandidiert auch für einen Nationalrat - in der Slowakei 

Gräfelfing– Viera Horch aus Gräfelfing blickt den Wahlen erwartungsfroh entgegen. Die Frau des ehemaligen SPD-Ortsvorsitzenden Dieter Horch kandidiert auf Listenplatz 14 der Sozialdemokraten für den Gräfelfinger Gemeinderat – eine wenig aussichtsreiche Bewerbung, wie sie selbst weiß. Doch ihr Augenmerk richtet sich ohnehin auf eine ganz andere Liste, bei einer anderen Wahl.

Platz 122 belegt Viera Horch auf der Liste einer parteifreien Bürgerbewegung in ihrer alten Heimat, der Slowakei. Dort findet bereits am 29. Februar,noch vor der bayerischen Kommunalwahl, die Nationalratswahl statt. Und Viera Horch (72), die seit über 40 Jahren in Gräfelfing lebt und beide Staatsbürgerschaften besitzt, möchte Mitglied des neuen Parlaments von Bratislava werden.

Es ist kein politischer Eifer, dem sie diese Kandidatur verdankt; dazu neigt die nüchterne Wirtschaftswissenschaftlerin ohnehin nicht. Vielmehr erreichte eines Tages eine E-Mail die Gräfelfingerin, mit dem Angebot, die Bewegung „Gewöhnliche Menschen und unabhängige Persönlichkeiten“ (OLANO), die aktuell drittstärkste Kraft im Nationalrat ist, bei der Wahl 2020 zu unterstützen.

Vorsitzende des Vereins „Slowakisch-deutscher Kulturklub e.V.“

Dieser Ruf kam gleichwohl nicht von ungefähr. Zwar ist Viera Horch häufig in der Slowakei, doch einem größeren Publikum ist sie dort nicht bekannt. Das gilt allerdings nicht für die geschätzt 40 000 Slowaken, die in Bayern leben. Denn viele von ihnen kennen Viera Horch als emsige Vorsitzende des Vereins „Slowakisch-deutscher Kulturklub e.V.“ (SDKK) mit Sitz in München.

Der Verein kümmert sich im weiteren Sinne um die soziokulturelle Betreuung der slowakischen Gemeinschaft hierzulande. Das Angebot reicht vom Operetten- und Volksliederabend über Lesungen, Diskussionen und Ausflüge bis hin zu praktischen Beratungen zu Themen wie „Wie erbe ich richtig in der Slowakei bei zwei Staatsangehörigkeiten“ oder „Wie versichere ich mich richtig“.

Das Erlernen der slowakischen Sprache fördern

Persönlich am wichtigsten ist für Viera Horch jedoch das Erlernen der slowakischen Sprache für zwei Personenkreise: Zum einen sollen die Kinder hier lebender Slowaken ihre Muttersprache beherrschen, um bei einer eventuellen Rückkehr der Familie in die alte Heimat Fuß fassen zu können. Zum anderen sollen nicht slowakische Ehepartner oder Freunde Slowakisch als Fremdsprache lernen können. Bei dem Slowakisch-Unterricht unterstützt das Sozialreferat der Landeshauptstadt München den Verein von Viera Horch finanziell und mit Räumlichkeiten. „Ich bin dafür sehr dankbar, empfinde es jedoch zugleich als bitter, dass deutsche Behörden mehr für die slowakische Sprache und Kultur leisten als der slowakische Staat bereit ist zu tun“, sagt Horch. Damit ist einer ihrer politischen Schwerpunkte beschrieben: Darauf hinzuwirken, dass die Slowakei, die – wie viele osteuropäische Länder – unter der Abwanderung vieler Intellektueller leidet, deren Rückkehr leichter und damit wahrscheinlicher gestalten hilft.

Engagement für Bildungspolitik

Das zweite Thema von Viera Horch betrifft ebenfalls die Bildungspolitik. Die Gräfelfingerin, die von 1977 bis 2012 im Planungsstab der Münchner Ludwig-Maximilans-Universität (LMU) tätig war, beklagt Mängel in der Anerkennung slowakischer Studienabschlüsse in Deutschland. Bei ganzen Fächergruppen wie Rechtswissenschaften, Soziologie, Philologie und Wirtschaftswissenschaften fehle es an entsprechenden Abkommen. Dies widerspreche nicht zuletzt bildungspolitischen Zielen der Europäischen Union.

Bei ihren Chancen, in den Nationalrat einzuziehen, gibt Viera Horch sich keinen falschen Hoffnungen hin – „sie liegen statistisch bei 0,04 Prozent“, sagt sie und lacht. Andererseits: Würde allein ein Viertel der Slowaken, die in Bayern leben, sie wählen, würde das locker reichen.

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