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Das von außen noch schmucke Vereinsheim ist ein Sanierungsfall. Auch ein Abriss steht mittelfristig zur Diskussion.

Brandschutzsanierung beim TSV Gräfelfing

Feuer unterm Dach

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Der TSV Gräfelfing muss Sofortmaßnahmen zum Brandschutz ergreifen. Oder sein Vereinsheim zusperren. Die Gemeinde stellt jetzt 300000 Euro bereit.

Gräfelfing – Die großen Fragen zur Zukunft des TSV Gräfelfing stehen immer noch unbeantwortet im Raum. Werden die Gebäude an der Hubert-Reißner-Straße nur umfangreich saniert oder wird dort neu gebaut? Oder bekommt der TSV gar eine ganz neue Anlage an anderer Stelle im Gemeindegebiet? Bis darüber entschieden ist, wird noch einige Zeit vergehen. So lange aber können bestimmte Sanierungsmaßnahmen nicht mehr warten. Beim Brandschutz ist bereits Feuer unterm Dach. Der TSV muss dringend handeln. Andernfalls droht die Schließung der Vereinsgebäude.

Der Gräfelfinger Gemeinderat hat dem Verein nun im Ferienausschuss knapp 300000 für Sofortmaßnahmen zum Brandschutz und zur Schadstoffsanierung bewilligt. Bis Ende September sollen die wichtigsten Maßnahmen durchgeführt und so die Betriebserlaubnis gesichert werden. Angebote von Handwerkern hat der Verein bereits eingeholt. „Damit ist es aber noch nicht getan“, sagt Vereinspräsident Christoph Göbel.

Ein erstes Brandschutzgutachten hat im vergangenen Jahr eine lange Liste mit Mängeln am Vereinsheim ergeben. In vielen Punkten entspricht das Gebäude aus den 1980er Jahren nicht mehr heutigen Vorschriften. „Damals hatte man auch nicht 3000 Mitglieder, die hier heute ein und aus gehen“, sagt Göbel, „sondern lediglich 800.“ Die laut Gutachten fällige Sanierung hätte wohl knapp drei Millionen Euro gekostet, schätzt Göbel. Eine Summe, die angesichts der offenen Fragen zur Zukunft der Liegenschaften an der Hubert-Reißner-Straße nicht vertretbar schien, zumal sie mutmaßlich voll umfänglich von der Gemeinde getragen worden wäre.

Ende 2016 beschloss man daher, ein zweites Brandschutzgutachten in Auftrag zu geben. Das habe zwar kein anderes Ergebnis gebracht als das erste, sagte Gräfelfings Bauamtsleiterin Elisabeth Breiter in der Sitzung des Ferienausschusses. Es weise aber zumindest jene Mängel separat aus, die unbedingt zeitnah beseitigt werden müssten. Sie wären auch im Rahmen des Bestandsschutzes für das Vereinsheim nicht mehr tolerierbar.

Das Gebäude muss nun zunächst durch den Einbau neuer und den Austausch bestehender Türen in Brandabschnitte eingeteilt werden. Dort, wo Leitungen für Heizung, Wasser oder Lüftung die Wände durchbrechen, müssen Brandabschottungen eingebaut werden. Zudem muss für die Wirtewohnung wieder ein zweiter Fluchtweg geschaffen werden. Der war ursprünglich einmal über eine Treppe von der Empore in der Gaststätte gegeben. Diese Treppe sei aber nach diversen Stürzen und der Aufgabe der Empore als Teil des Gastraums schon bald nach dem Bau des Vereinsheims wieder entfernt worden, sagt Göbel. Des Weiteren fordert das Gutachten das Anbringen von Panikschlössern, die Anhebung von Durchgangshöhen auf Fluchtwegen und die Entfernung von Brandlasten, vereinfacht gesagt, eine Entrümpelung.

Durch die meisten der jetzt anstehenden Maßnahmen werde der Sportbetrieb kaum eingeschränkt, sagt Göbel. „Nicht ganz banal“ sei allerdings die fällige Schadstoffsanierung im Schießstand der Würmtaler I Gräfelfing. Dort muss heute nicht mehr zulässiges Dämmmaterial aus Mineralwolle, dessen Fasern die Lunge schädigen können, hinter einer neuen, dichten Verkleidung verborgen werden. Diese Arbeiten, die auch in der Kegelbahn fällig sind, haben bereits begonnen. Bis zur Fertigstellung seien beide Anlagen nicht nutzbar.

Über die weitere Zukunft des TSV-Vereinsheims hatte der Gemeinderat zuletzt im Dezember ohne Ergebnis beraten. Eine Architektin, die das Vereinsheim untersucht hatte, ging damals von Kosten von knapp zehn Millionen Euro für einen Neubau des Vereinsheims und der zugehörigen Turnhalle aus dem Jahr 1957 aus. Bauamtsleiterin Breiter hält inklusive Abbrucharbeiten und neuer Außenanlagen wie einem zweiten Kunstrasenplatz sogar Kosten von bis zu 20 Millionen Euro für möglich.

Göbel hatte damals gesagt, aus Sicht des TSV würde eine Sanierung reichen. Dann würden rund fünf Millionen Euro anfallen, inklusive Turnhallenneubau (ca. zwei Millionen Euro), den auch Göbel für unumgänglich hält. Er sagt, auch wenn Baulandfragen jetzt nicht mehr in seiner Zuständigkeit lägen, könne er sich nach wie vor einen Umzug des TSV vorstellen.

Bevor er aus dem Gräfelfinger Bürgermeisterbüro auf den Stuhl des Landrats wechselte, hatte er unter anderem angeregt, den Gräfelfinger Autobahntunnel zu Lärmschutzzwecken zu verlängern und das Vereinsgelände auf die Tunneldecke zu verlegen. „Dann könnte man den frei werdenden Grund als Bauland verwerten.“ Das sei aber auch bei einem Umzug an andere Standorte möglich. Theoretisch kämen etwa der Neunerberg infrage, wo es ohnehin schon Sportstätten gebe, oder auch die Umgebung der Heitmeiersiedlung.

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