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Brautechnologe Philipp Götz prüft im Meistersud-Kurs der Gräfelfinger Doemens-Akademie das Ergebnis. Braumeistern stehen heute aufgrund breit gefächerter Ausbildung zahlreiche Einsatzgebiete im Berufsleben offen.

Bayerischer Tag des Handwerks

Von Braumeistern als Multitalente mit Zukunft

Über das Klischee vom bärtigen Mann mit Schürze kann Gerrit Blümelhuber nur lächeln. Der Ausbilder bei Doemens weiß: Braumeister sind Multitalente mit Zukunft.

Gräfelfing – Auf die Braumeisterkurse erhebt die Doemens-Fachakademie sogar eine Studiengebühr, und dennoch gibt es eine Warteliste: „Für die beiden Kurse, die im Herbst starten, haben wir nach 58 Anmeldungen einfach zumachen müssen“, sagt Gerrit Blümelhuber. Die Beliebtheit der Kurse hat ihren Grund: Die Qualifikation ist mittlerweile so vielseitig, dass Braumeister quasi von jetzt auf gleich eine Stelle finden.

„Die höchste Braumeister-Anzahl in einem einzigen Betrieb findet man heute im Pharmaunternehmen Roche in Penzberg“, sagt der Doemens-Fachmann. Sie würden in Laboren beschäftigt, in denen es um Fermentation geht. „Und Braumeister bringen schon mal ein mikrobiologisches Verständnis mit.“

Sogar im Anlagenbau gebe es Bereiche, in denen Braumeister gesucht sind, nämlich besonders bei den Zulieferern der Brauereien. Blümelhuber nennt Produzenten von Getränke-Abfüllanlagen, die ihre Maschinen nur mit Hilfe von Branchen-Experten zur Marktreife bringen.

Auch im Kernbereich des Berufs haben sich die Einsatzbereiche deutlich ausgeweitet. „Größere Brauereien brauchen ihre Abteilungsleiter“, sagt der Doemens-Ausbilder und weiß, dass Braumeister die Idealbesetzung sind. Sie kennen nicht nur das Handwerk, sondern auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen – von steuerlichen Vorschriften über die Fertigpackungsverordnung und bis hin zur Berechnung der Energie-Effizienz von Kühlanlagen, nicht zu vergessen die Personalverantwortung.

Und wenn ein Absolvent nun doch ganz „einfach“ beim Bierbrauen bleibt, so ist mittlerweile auch hier die Beherrschung von Mess-, Steuer- und Regeltechnik nötig, um die in vielen Brauereien computergesteuerten Anlagen bedienen und einstellen zu können. „Ein Braumeister muss heute sogar auch die Speicherprogrammierung in Grundzügen verstehen.“

Bleibt das Ethos des Handwerks an sich: Das Wissen um die Bierherstellung. Fragt man, ob nicht der sinkende Bier-Absatz die Stellen im Beruf verringere, kann der promovierte Diplom-Ingenieur in Getränketechnik und Brauwesen nur mit dem Kopf schütteln. Zum einen sei der Braumeister auch in der Herstellung weiterhin sehr gefragt: „Weniger Mengen-Absatz beim Bier bedeutet nicht unbedingt ein Ende der Brauereien, denn es gibt immer mehr Spezialprodukte.“ Diese reichten von den trendigen fermentierten Limonaden bis hin zu aufwendigen Spezialbieren, die man dann auch entsprechend teurer anbieten könne.

Ein Feld also, das auch Craftbier-Hersteller beackern – ganz ohne Meistertitel. Sei dies denn keine Konkurrenz zu den etablierten Brauereien? Nicht wirklich, findet Blümelhuber. Denn oft komme vom Craftbier-Freak ein eher zufällig gelingendes Bier. „Die Internet-Tipps unter den Craftern lesen unsere Braumeister ab und zu, um sich abends zu amüsieren.“

Denn ein richtig guter Braumeister, das sei jemand, der auch mit veränderten Rohstoffen – Stichwort: neue Ernte im Herbst – ein qualitativ und geschmacklich gleichbleibendes Bier brauen könne. Ein Getränk noch dazu, das garantiert als Lebensmittel einwandfrei sei. „Man würde ja auch eher ungern seinen Fleischsalat vom Hobbymetzger kaufen“, zieht Blümelhuber eine Analogie.

Die Attraktivität des Berufes werde zunehmen, meint das Mitglied des Doemens-Vorstandes. Dies gelte inhaltlich, denn der Trend zum besonderen Bier zum feinen Essen etabliere sich gerade erst. Dies gelte aber auch strukturell, denn die mit der Handwerkskammer (HWK) oder mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) koordinierten Kurse hätten auch international einen hervorragenden Ruf, so Gerrit Blümelhuber. Regelmäßig nehmen auch Schweizer und Österreicher teil, wenn in Gräfelfing die einjährigen Braumeisterklassen beginnen oder wenn der zweijährige Kurs „Brau- und Getränketechnologie“ startet.

amb

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