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Ex-Gemeinderätin Irma Neugebauer kam mit der besuchslosen Zeit im Altenheim Rudolf- und Maria-Gunst-Haus gut zurecht.

Rudolf- und Maria-Gunst-Haus

Corona-Krise: Wie geht es Senioren im Altenheim?

  • Victoria Strachwitz
    vonVictoria Strachwitz
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Monatelang nicht hinaus, monatelang kein Besuch. Wie geht es den Bewohnern von Altenheimen – und ihren Angehörigen?

Gräfelfing – Irma Neugebauer (89) hat den Besuch nicht vermisst. Seit drei Jahren wohnt die ehemalige Gemeinderätin im Gräfelfinger Rudolf- und Maria-Gunst-Haus. Ihre drei Söhne kamen sonst immer wieder vorbei, doch der Coronavirus sorgte jetzt dafür, dass sie wochenlang nicht kommen durften. Der Geburtstag von Irma Neugebauer, der in diese Zeit fiel, änderte daran nichts. „Wir telefonieren“, sagt Neugebauer. Und damit scheint sie zufrieden. „Es geht mir ja gut und denen auch.“ Sie fühle sich nicht eingesperrt, „das verdanke ich auch dem Fernseher, der ist in dieser Situation eine große Hilfe“.

Andere Bewohner der Einrichtung nahmen die Zeit der Isolation nicht ganz so gelassen. Die 89-jährige Cäcilie Gräcmann durfte Mitte Mai erstmals seit über zwei Monaten in den Garten des Altenheims. Als sie dort ihren Sohn Robert Gräcmann traf, musste sie eine Maske tragen, die sie schwitzen ließ. Doch die Maske konnte ihr diesen Moment nicht vermiesen. „Es ist immer noch besser, als immer nur drinnen zu sein“, sagt sie. Auf der Station habe man von der Aufregung um das Virus wenig mitbekommen. „Hätten die Schwestern den Mundschutz nicht gehabt, hätten wir es gar nicht gemerkt“, meint sie. Da sei alles normal weiter gelaufen.

Abgeschnitten von der Welt

Außer der Sache mit dem Besuch. „Das war schlimm.“ Kein Besuch, abgeschnitten von der Welt. Es sei ihr nicht einmal möglich gewesen, im schönen Garten spazieren gefahren zu werden. Den zweiten Stock des Rudolf- und Maria-Gunst-Hauses konnte Cäcilie Gräcmann wochenlang nicht verlassen. „Da sind die Wochen lang. Sie kann sich ja nicht mehr beschäftigen“, erklärt ihr Sohn. Früher habe sie viel gebastelt. Das sei jetzt nicht mehr möglich. „Fernsehen ist keine Ablenkung, sondern Anstrengung.“ Wolken und Vögel zählen, sei das Einzige gewesen, was ihr geblieben sei – und das nur durch ein Fenster, erzählt ihr Sohn.

Durch ein solches hatten sich die beiden auch zweimal während der Zeit der strengen Abschottung sehen können. „Aber das war komisch“, findet sie. Und auch Robert Gräcmann konnte dem Fensterln wenig abgewinnen. Ein Gespräch habe da kaum stattfinden können. „Da waren dann auch andere da. Das war wirklich komisch.“

Nach Öffnung war der Sohn gleich zur Stelle

Als am Tag vor Muttertag dann die Heime für die Angehörigen geöffnet wurden, war ihr Sohn gleich zur Stelle. Doch wieder sei kein persönliches Gespräch möglich gewesen. Er habe sie auch dann nicht in ihrem Zimmer besuchen können, sondern nur im Foyer und damit wieder im Kreise vieler anderer. Da habe er sie nicht fragen wollen, wie es ihr gehe. „Es war demütigend. So nah und doch so fern“, sagt er. Die täglichen Anrufe der Familie hätten das persönliche Gespräch auch nicht ersetzen können.

Aber jetzt endlich, bei dem Besuch im Garten, war bei Sonnenschein nach langen Wochen ein privates Gespräch von Angesicht zu Angesicht möglich. Und die Freude auf beiden Seiten ist groß. Es sei immer noch nicht so wie früher. „Es gibt jetzt ein Zeitfenster und eine feste Örtlichkeit. Früher bin ich nach der Arbeit noch schnell vorbeigefahren, habe schnell etwas abgegeben“, sagt Robert Gräcmann. Aber es ist für die beiden ein Schritt in die richtige Richtung. Die Notwendigkeit der Abstands- und Hygieneregeln stellt er dabei keineswegs infrage. „Die Älteren haben es verdient, dass man sich um sie sorgt.“

Irma Neugebauer nehmen die Regeln die Angst, sich mit dem Virus anzustecken. „Ich bin davon überzeugt, dass ich das nicht bekomme“, sagt sie. „Da müssen vielmehr die Leute Angst habe, die beruflich unterwegs sind.“

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