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„Bier genießen, aber in Maßen“: Die Doemens-Geschäftsführer Wolfgang Stempfl (r.) und Werner Gloßner stoßen im Abfüllraum der Gräfelfinger Brauakademie an.

Doemens-Chef weist Kritik der Drogenbeauftragten zurück

„Bier-Lohn hat nichts Verwerfliches“

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung will mit einer Tradition brechen. Sie kritisiert, dass Brauerei-Mitarbeiter Anspruch auf Freibier haben. In Gräfelfings Brauakademie stößt sie damit auf Unverständnis.

Gräfelfing – Wer in einer Brauerei arbeitet, bekommt einen Teil seines Lohns in Naturalien. Bedeutet: Für Brauerei-Mitarbeiter gibt es jede Menge Freibier. Deputatlohn heißt das Fachwort. Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, kritisierte diesen Brauch, der Teil des Tarifvertrags ist. Alkohol darf kein Lohnbestandteil sein, findet die CSU-Bundestagsabgeordnete: „Das Zahlungsmittel in Europa ist der Euro, und das ist auch richtig so“.

Die Brauer wollten sich den sogenannten „Haustrunk“ sicherlich nicht nehmen lassen, vermutet Wolfgang Stempfl, Geschäftsführer der Gräfelfinger Brauakademie Doemens. Und auch er zeigt kein Verständnis für die Kritik. „Es ist eine schöne Tradition und nichts Verwerfliches.“ Er fände es schade, wenn diese schöne Geste abgeschafft würde. „Ich glaube, dass in der Branche im Durchschnitt mehr getrunken wird als sonst üblich. Aber ich glaube nicht, dass die Anzahl der Alkoholiker größer ist“, sagt er. Teil der Ausbildung der Braumeister an seiner Schule sei die Suchtprävention. „Wir stellen ein alkoholhaltiges Getränk her, da gehört das mit dazu.“ Er versuche zu vermitteln, dass man Bier genießt, aber eben nicht über alle Maße.

Eine Abschaffung des Deputats aus gesundheitlichen Gründen kann Stempfl nicht nachvollziehen. „Für mich ist das Argument an den Haaren herbeigezogen. Der Deputatlohn seit nicht nur in der Bierbranche üblich. Stempfl kennt es von Molkereien, in denen sich die Mitarbeiter für den Eigenbedarf mit Milcherzeugnissen eindecken dürften. Auch in anderen Lebensmittelbetrieben gebe es Vergleichbares. Und in der Autoindustrie bekämen die Mitarbeiter Rabatte auf Fahrzeuge.

„Die Brauer trinken gerne ihr eigenes Bier“, weiß Stempfl. Sein Großvater sei Braumeister gewesen. „Die haben damals noch ein gewaltiges Deputat bekommen“, erinnert er sich. Seiner Erinnerung nach sind es täglich fünf Mass gewesen. „Ich glaube nicht, dass das heute so noch jemand trinken möchte.“

Bei Doemens selbst wird zwar gebraut, einen Deputatlohn gibt es aber nicht. „Wir verschenken beispielsweise Bier, wenn in der Gemeinde gefeiert wird“, berichtet Stempfl. Sollte Flaschenbier im Haus sein, dürften die Mitarbeiter es mitnehmen, bevor es weggeschüttet werde. Das sei aber selten. Meist werde das Bier in Fässern abgefüllt. „Ansonsten trinken wir das bei Seminarabenden“, sagt Stempfl. Die einzigen, die bei Doemens Bier in großen Mengen mit nach Hause nehmen dürften, seien die Studenten. Wenn sie zum Ende ihrer Ausbildung ihren Meistersud brauen und in Flaschen abfüllen, dann bekommen sie die 500 Liter nach bestandener Prüfung. Stempfl: „Die können dann eine größere Fete feiern.“

Victoria Strachwitz

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