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Drillinge starten mit Abitur in die Welt

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Von: Victoria Strachwitz

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Nach dem Abitur geht es bald gemeinsam durch die USA: Die Lochhamer Drillinge (v.li.) Irma, Markus und Clara Schwilling gehen aber auch ihre eigenen Wege.
Nach dem Abitur geht es bald gemeinsam durch die USA: Die Lochhamer Drillinge (v.li.) Irma, Markus und Clara Schwilling gehen aber auch ihre eigenen Wege. © Michael Schönwälder

Markus ist für den Unfug zuständig, Irma ist eher ruhig. „Ich bin das Mittelfeld“, sagt Clara Schwilling. Klare Rollenaufteilung gibt es in jeder Familie. Doch diese ist besonders. Die drei Geschwister aus Lochham sind alle 18 Jahre alt und haben alle gleichzeitig ihr Abitur in der Tasche. Sie sind Drillinge.

Gräfelfing – Genau genommen sind Clara und Irma eineiige Zwillinge und Markus ist ihr Drillingsbruder. Lange Zeit sahen sich die Mädchen sehr ähnlich – zum Verwechseln ähnlich. Ausgetrickst haben die Mädel ihre Lehrer aber nur einmal in der vierten Klasse, sie trugen das gleiche Outfit, tauschten die Plätze – und ihr Religionslehrer merkte es sofort, erzählt Clara. Danach haben sie es nie wieder versucht. „Hätte ich einen Zwillingsbruder gehabt, hätte ich das mit dem Vertauschen viel öfter gemacht“, sagt Markus. Überhaupt sagt er: „Ich hätte mir einen Zwillingsbruder gewünscht.“

Clara ist froh, dass sie eine Zwillingsschwester bekommen hat. Auch wenn sie sagt, dass sie sich oft mit ihr vergleicht. Meist freuen sich die Drei aber daran, dass sie Drillinge sind. „Das ist etwas Besonderes“, sagt Irma. Im Alltag sind sie noch nie anderen Drillingen begegnet.

Im Alltag begegnen sie sich allerdings auch gegenseitig wenig. „Wir sind alle unterschiedlichen Hobbys nachgegangen“, sagt Irma. „Ich hatte meinen Sport.“ Sie, die älteste der Drei, spielt Hockey – und außerdem Cello. Clara erklärt: „Ich lese viel.“ Früher spielte sie Klavier, heute ist sie öfter mit Freunden unterwegs. Und der Jüngste, Markus, sagt: „Ich mache Kraftsport.“ Seit dem Alter von drei Jahren spielt er Geige, seit der Oberstufe fotografiert er zudem gerne. Freunde zu treffen sei aber seine Hauptaktivität.

Die drei haben im Abstand von wenigen Minuten das Licht der Welt erblickt. Sie spielten viel zusammen, streiten auch gerne. In der Grundschule waren die drei in einer Klasse. Doch mit dem Übertritt auf das Gymnasium trennten sich die Wege ein wenig. Markus wechselte nach München aufs musische Pestalozzi-Gymnasium, seine Schwestern besuchten das nahegelegene Gräfelfinger Kurt-Huber-Gymnasium, doch in unterschiedlichen Klassen. „Ich hatte eine Freundin, mit der ich gut zurecht kam, daher habe ich den Kontakt zu meiner Schwester nicht mehr gebraucht“, sagt Clara. Es sei gut gewesen, eigene Wege zu beschreiten. „Sonst hängt man nur so zu dritt herum“, meint sie.

In der Oberstufe zeigte sich allerdings, dass die beiden Schwestern ähnliche Interessen verfolgten. Sie saßen auf einmal wieder gemeinsam in Kursen, lernten zusammen und fragten sich gegenseitig ab. Schließlich gehörte Irma mit der Note 1,0 zu den besten Abiturienten des Gräfelfinger Kurt-Huber-Gymnasiums in diesem Jahr. Ihre Schwester Clara schloss ebenfalls mit einer Eins vor dem Komma ab (1,7). „Ich finde nicht schlimm, dass sie ein besseres Abi gemacht haben als ich“, sagt Markus gelassen. Auch seine 2,2 kann sich sehen lassen. Die Wege der Drillinge sind also nicht immer gleich. Ihren 18. Geburtstag feierten sie alle zusammen, aber jeder brachte unterschiedliche Freunde zur Party.

Die Drei hatten schon in der Vergangenheit regelmäßig Gelegenheit, sich alleine auszuprobieren. Jede Ferien durften sie sich abwechselnd fühlen wie ein Einzelkind. Dann durfte einer von ihnen für ein paar Wochen alleine die Großeltern in Thüringen besuchen. „Es ist schön, wenn man die volle Aufmerksamkeit bekommt und sich alles um einen selbst dreht“, findet Clara. Diese Reisen wollen die Drillinge auch künftig beibehalten. Erstmals wird es diesen Sommer aber anders laufen als bislang: Erstmals werden Clara und Irma zusammen dorthin fahren. „Mal sehen, wie es dann da wird“, sagt Clara.

Wie es nach dem Sommer für die Drillinge insgesamt weitergeht, steht noch nicht bei allen fest. „Von Markus weiß ich gar nicht, was der machen will“, sagt Irma. Und tatsächlich: Markus will künftig studieren, hat aber noch keinen konkreten Plan. Clara will Medizin studieren, „da sind meine Schwester und ich uns ein bisschen ähnlich“. Sie hat auch schon feste Vorstellungen, wie sie einen Studienplatz ergattern will. Irma hingegen will erstmal ein Semester in den Vereinigten Staaten studieren, bevor sie sich der Medizin widmet. Bevor Besuche bei den Großeltern oder die Studien die Drillinge trennen werden, feiern sie mit einer großen Reise ihr Abitur. Drei Wochen lang werden sie gemeinsam Amerika erkunden. Zusammen entdecken sie also die Welt – jede und jeder auf seine Weise.

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