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Das Sonnenhaus in Gräfelfing versorgt sich selbst und das Wohnhaus dahinter mittels Solarenergie über weite Teile des Jahres mit Strom.

Angestrebte Autarkie

Ein Sonnenhaus gegen den Klimawandel

Er nennt es Sonnenhaus: Der Gräfelfinger Ingenieur Gerhard Mengedoht konnte dank eigener Solarzellen auf seinem Neubau seinen Energieverbrauch halbieren.

Gräfelfing – „Energie von der Sonne“ – der schwungvolle Schriftzug auf dem schmalen Haus am Gräfelfinger Gstaller Weg erzählt sofort seine Daseinsberechtigung. Ein Blick auf das lang gezogene Dach – und damit auf die 33 Quadratmeter große Solarthermie-Anlage und eine kleinere Fotovoltaik-Anlage – verdeutlichen es noch.

Das Sonnenhaus von Gerhard Mengedoht, Professor an der Universität Ulm im Bereich Energie- und Antriebstechnik, wurde 2013 nicht nur gebaut, um zusätzlich zum bestehenden Familienhaus mehr Wohnfläche zu erhalten, sondern vor allem, um beide Häuser über weite Teile des Jahres autark mit Heizwärme und Warmwasser zu versorgen. „Wir konnten durch unser Sonnenhaus den Energieverbrauch für Strom und Heizung halbieren“, berichtet Eigentümer Mengedoht stolz.

Der Ingenieur erfüllte sich einen Traum

Er habe sich, wie er sagt, damit einen Traum erfüllt. Das sei seine realisierte Energiewende mit einem Konzept, das zeige, wie die Energiewende „mit am Markt verfügbarer und nachhaltiger Technik umgesetzt“ werden könne. Genau diese Symbiose zwischen Bestands- und Neubau brachte dem Ingenieur auch 2014 den mit 5000 Euro dotierten Energiepreis in der Kategorie „Haushalt“ des Landkreises München ein.

Die energetische Koppelung zwischen den beiden Gebäuden sei das Konzept-Highlight, erläutert Mengedoht. Durch den im Sonnenhaus integrierten 7500-Liter-Warmwasser-Schichtspeicher, der als reiner Heizpuffer fungiert, wird neben dem Sonnenhaus selbst das große Wohnhaus über ein Nahwärmenetz versorgt. Bei den Vor-Frühlingstemperaturen im März misst Eigentümer Mengedoht angenehme 59 Grad Celsius im Wärmespeicher. „Das ändert sich jedoch im Sommer“, weiß er. Da könne der Speicher bis zu 95 Grad heiß werden. Aus Energie- und Kostengründen existiere jedoch keine separate Kühlung im Sonnenhaus.

Tatsachen, die dem engagierten Fürsprecher für die Energiewende jedoch nicht die Schweißperlen auf die Stirn treiben. „Durch die spezielle Schachtlüftung im Treppenhaus mit kleinen Fenstern zum Be- und Entlüften herrscht hier freie Konvektion und die Räume bleiben gut temperiert“, erläutert Gerhard Mengedoht, der sein Büro im Erdgeschoss des Sonnenhauses hat. Wenn der Winter kalt und lang ist und der Speicher im Sonnenhaus leer, dann übernehme allerdings der im Altbau vorhandene Gasbrenner das Heizen.

Mengedoht: Es war die günstigste Lösung für den Neubau

Das Sonnenhaus-Konzept geht so für seinen Ideengeber Gerhard Mengedoht vollständig auf: eine handfeste Energiereduktion, obwohl die eigentliche Wohnfläche durch den Neubau vergrößert und der Altbau selbst nicht energetisch durch Dämmung verbessert wurde. Diese Lösung sei auch die finanziell günstigere gewesen, sagt Mengedoht. Eine Dämmung des Bestandsbaus hätte an die 60 000 Euro gekostet, während die gesamte Technik des Sonnenhauses bei 38 000 Euro lag.

Der Journalist Franz Alt findet lobende Worte

Eigentümer und Gast: Journalist Franz Alt (r.) übernachtete im Rahmen des Energietags bei Gerhard Mengedoht.

Lob für diese Pionierarbeit bekam Professor Mengedoht von Franz Alt. Der bekannte Journalist und jahrelange Moderator des Politmagazins Report (SWR) übernachtete als Gast des Würmtaler Energietages im Sonnenhaus. „Das Haus als Strom- und Wärmeproduzent ist wirklich vorbildlich“, sagte Alt, dem der Klimawandel und die Energiewende Herzensangelegenheiten sind und der bereits Mitte der 1990er-Jahre über die erste Solarsiedlung in Freiburg eine Fernsehsendung machte. Trotz dieser Vorbildlichkeit im Kleinen stocke für ihn die Energiewende jedoch im Großen. Und die kann nach Alts Meinung nur gelingen, wenn drei Faktoren zusammenspielen: eine erfolgreiche Wärme-, Verkehrs- und Stromwende. Alt setzt, wie er sagt, auf die sogenannte Bauwende im Jahr 2021. Die verspricht, dass nur noch neue Häuser mit energetischen Maßnahmen gebaut werden dürfen.

Die aktuellen Messdaten der Solarthermie-Anlage des Gräfelfinger Sonnenhauses sind unter www.sonnenhaus-gräfelfing.de jederzeit nachzulesen.

Carolin Högel

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