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Ideenskizze der möglichen Nutzungen auf dem Schmidbauer-Gelände: vorne das automatische Parkhaus mit Dachterrasse und Restaurant, links und oben Bürogebäude, rechts die Seilbahn-Station mit Bus-Umstieg. 

Schmidbauer-Gelände als Umsteigeknoten der Zukunft

Eine Seilbahn-Station in Gräfelfing

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Im Gräfelfinger Gewerbegebiet bahnt sich ein Großprojekt an, das die Mobilität der Zukunft ermöglichen will. Die Firma Schmidbauer plant eine Neugestaltung ihres Gewerbegrundstücks als Umsteigeknotenpunkt zwischen Verkehrsmitteln – einschließlich Seilbahn.

Gräfelfing – „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“, wird Helmut Schmidt zitiert. Man könnte hinzufügen: Und wenn er will, dass seine Visionen Wirklichkeit werden, kann er zum Gräfelfinger Bauausschuss gehen. Dort stießen Werner Schmidbauer und seine Architektin Elisabeth Stürzer jetzt auf offene Ohren, als sie ihre Variante einer Vision für die Zukunft des Grundstücks an der Pasinger- und Seeholzenstraße präsentierten. Der Sitz des im Kran-Geschäft traditionsreichen Familienunternehmens soll neu überplant werden. Ausgangspunkt war im Frühsommer die Einsicht, mehr Bürofläche zu benötigen, ein Anbau jedoch keine optimale Lösung wäre.

Kräne werden am Firmensitz keinen Platz mehr haben

„Es ist ohnehin ein Luxus, auf wertvollen Gewerbeflächen Kräne zu parken“, sagt Bürgermeisterin Uta Wüst. Dafür wird die Firma andernorts eine rund 10 000 m2 große Fläche suchen. Am Firmensitz werden die Kräne wohl keinen Platz mehr haben. Aktuell sehen die Pläne vor, im Osten entlang der Straße Am Kirchenhölzl Bürogebäude in Form eines langen Riegels zu errichten, ebenso an der Seeholzenstraße. Die Ecke Pasinger Straße/ Autobahnzubringer soll ein automatisiertes Park-Hochhaus markieren, bei dem die Autos in Boxen gestellt und dann platzsparend mit einem Aufzugsystem auf mehreren Ebenen verräumt werden. Das Dach dieses Parkhauses soll eine Gastronomie und Terrasse tragen.

Der Clou des Vorhabens soll jedoch an der Westflanke entlang der Pasinger Straße liegen: Dort sehen die Planskizzen die Gräfelfinger Seilbahn-Station einer zukünftigen Seilbahnlinie zwischen U-Bahn Martinsried und Pasing vor. Unter ihrem Dach führt auch eine Busspur durch, sodass der Umstieg trockenen Fußes erfolgt.

Insgesamt soll hier mit den Elementen Parkhaus, Seilbahn, Busse, Carsharing-Elektroautos und MVG-Fahrräder ein Mobilitätsknotenpunkt vor allem des Umweltverbundes entstehen. Angedacht ist auch eine über die Würm geschwungene Fußgänger- und Radfahrerbrücke, die das Ortsgebiet Gräfelfings anbinden soll.

Strecke Teil einer Machbarkeitsstudie

Die Seilbahn-Verbindung zwischen Martinsried und Pasing über das Gewerbegebiet am Lochhamer Schlag ist auch eine der Strecken, die aktuell in einer Machbarkeitsstudie des Landkreises München untersucht werden. Landrat Christoph Göbel ist bekennender Seilbahn-Fan als Teillösung der Verkehrsprobleme im dichtbesiedelten Großraum München. Er nahm auch persönlich an einer Besprechung zwischen der Firma Schmidbauer, der Gemeinde Gräfelfing und dem Landkreis teil.

Im Gräfelfinger Bauausschuss stellten etwa die Grünen infrage, ob mit dem Parkhaus dem motorisierten Individualverkehr noch so viel Platz eingeräumt werden solle. Sie sahen es auch kritisch, immer mehr Gewerbe anzusiedeln, weil das Mehrverkehr mit sich bringe. Doch grundsätzlich stand das Gremium dem Vorhaben aufgeschlossen gegenüber. Der Ausschuss beauftragte in seinem Beschluss die Verwaltung, mit den Eigentümern Vorgespräche für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan zu führen. Dieser ist nötig, weil das Projekt sich nicht in die Umgebung einfügt, und wünschenswert, weil er den Bauherren an enge Auflagen bindet, die der Gemeinde wichtig sind.

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