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Auf eine faire Kommunalwahl: Jorinde Krejci (87) und Lion Buro (18) kandidieren beide für den Gräfelfinger Gemeinderat und entdecken im Gespräch Gemeinsamkeiten – auch wenn sie auf unterschiedlichen Listen stehen.

Kommunalwahl 2020

Engagement ist keine Altersfrage

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Wann ist der richtige Zeitpunkt, sich als Demokrat für unsere Gesellschaft zu engagieren? Jederzeit, finden Jorinde Krejci und Lion Buro – die Älteste und der Jüngste unter den hunderten Gemeinderatskandidaten des Würmtals. Die Sozialdemokratin ist 87 Jahre alt, der Gymnasiast, der für die IGG antritt, 18. Beide wohnen in Gräfelfing.

Gräfelfing– Jorinde Krejci ist fit, quirlig und klug. Ihr Schwung und Charisma machen es schwer, ihr die 87 Jahre abzunehmen, die im Ausweis stehen. Und sie ist eine Sozialdemokratin alter Prägung. „Wenn man etwas ändern will oder politische Strömungen einem nicht gefallen, muss man sich rechtzeitig engagieren und etwas dagegen tun.“ Jorinde Krejci sagt das mit einem gewichtigen Hintergrund. Ihr Vater war Wilm Hosenfeld, der Wehrmachtsoffizier, der im Zweiten Weltkrieg in Warschau verfolgte Juden und Polen schützte und versteckte. Roman Polanski verfilmte die Geschichte unter dem Titel „Der Pianist“. Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem zeichnete Wilm Hosenfeld als „Gerechten unter den Völkern“ aus, der polnische Staat verlieh ihm einen Orden – posthum. Wilm Hosenfeld starb nach Folter und Schlaganfällen 1952 in russischer Kriegsgefangenschaft.

Jorinde Krejci hat Politik im Blut. Die Ärztin und Medizinjournalistin trat 1971 der der SPD bei. In Planegg war sie 19 Jahre lang Gemeinderätin und wirkte bei Gründung und Bau des Feodor-Lynen-Gymnasiums mit, das sie „gewissermaßen mein Kind“ nennt. Richtige Kinder hat Krejci auch – vier an der Zahl. Die Kommunalpolitik sei das Naheliegendste, wenn man sich möglichst direkt für die Menschen am Ort einbringen wolle, sagt die Rentnerin. Dass sie sich nun nach längerer Abstinenz wieder aufstellen ließ – auf eigenen Wunsch nur auf Platz 20 der Gräfelfinger SPD-Liste – begründet sie mit der „Solidarität zu meiner Partei, die ihr aktuelles Schicksal nicht verdient hat und der ich nun erst recht zur Verfügung stehe“.

„Nicht nur protestieren, sondern sich engagieren“ – dieser Satz könnte von Jorinde Krejci stammen; gesagt hat ihn Lion Buro, knapp 70 Jahre jünger und trotzdem in vielem einer Meinung mit seiner Mitbewerberin. Als die Interessengemeinschaft Gartenstadt Gräfelfing (IGG) Lion Buro im Spätherbst auf ihre Liste setzte, war er noch keine 18. Inzwischen ist er volljährig und damit wählbar.

Der Gymnasiast, der sich zurzeit am Kurt-Huber-Gymnasium aufs Abitur vorbereitet, engagiert sich schon geraume Zeit. An der Schule gehört er dem Technik-Team an, außerdem hat er sich als Fotograf und Veranstaltungstechniker selbstständig gemacht. Der Schritt in die Politik wurde ihm dadurch erleichtert, dass er bei der IGG kein Mitglied sein muss und keiner Parteiorganisation angehört. „Die IGG passt gut zu mir, auch mit dem grünen Touch“, sagt Lion Buro.

Motivation seines Engagements sind die „schlechten Startbedingungen für junge Familien in Gräfelfing“, was bezahlbaren Wohnraum angehe. „Ich möchte gerne in Gräfelfing wohnen bleiben, werde es mir aber schwerlich leisten können“, bekennt der Zwölftklässler. Gräfelfing müsse Wohnraum schaffen, am besten in Form genossenschaftlicher Projekte, um die Mieten garantiert niedrig zu halten. Insgesamt findet er es spannend, Wahlkampf zu betreiben, sich mit Menschen und Themen auseinanderzusetzen, Plakate zu kleben.

Jorinde Krejci und Lion Buro haben realistische Vorstellungen über ihre Chancen, in den Gemeinderat einzuziehen. Lion Buro sagt: „Ich sammele jetzt Erfahrung und starte nächstes Mal vielleicht auf einem besseren Listenplatz.“ Und Jorinde Krejci bekennt: „Darauf verschwende ich gar keinen Gedanken. Es ist insgesamt wichtig, eine gute Liste anzubieten.“

Beide betonen, dass in der Kommunalpolitik der gemeinsame Einsatz für den Ort und seine Menschen vor Parteipolitik stehen muss. Jorinde Krejci: „Ich war schon immer gegen Scharfmacher im Gemeinderat.“ Vor der AfD habe sie keine Angst. Der Grund: „Die heutige Jugend wird es nicht zulassen, dass sich die Geschichte in dieser Weise wiederholt.“ Lion Buro kann da nur nicken.

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