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Die Autobahn mitten im Ort: Seit Jahrzehnten müht Gräfelfing sich um wirkungsvollen Lärmschutz. Parabolwände können die Hoffnungen wohl auch nicht erfüllen.  

Berechnungen zum Lärmschutz an der A 96

Enttäuschung über Parabolwände

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Die großen Hoffnungen, die Teile des Gräfelfinger Gemeinderats in Parabolwände zum Schallschutz an der A 96 gesetzt hatten, sind zerplatzt. Eine Untersuchung bescheinigte den Wänden jetzt nur geringe Wirksamkeit für die Wohngebiete.

Gräfelfing– „Jetzt sind wir wieder ein ganzes Stück schlauer“, sagte Bürgermeisterin Uta Wüst zum Abschluss der Debatte. Das klang bemerkenswert positiv angesichts des Kerns der neuen Information. Der war nichts weniger als enttäuschend – nicht zuletzt für die Bürgermeisterin und die IGG-Fraktion. Sie hatten zu jener Gruppe im Gemeinderat gehört, die Tunnel- und Galeriebau, wie ihn die Machbarkeitsstudie als wirkungsvoll vorgeschlagen hatte, ablehnte. Zu teuer, zu aufwendig – mindestens eine Nummer zu groß für das kleine Gräfelfing, hieß es.

Als Alternative setzten sie große Hoffnungen in Parabolwände. Die seien deutlich billiger und könnten trotzdem eine hörbare lärmsenkende Wirkung entfalten, so das Kalkül. Im Auftrag des Gemeinderates untersuchte das Ingenieurbüro Möhler und Partner diese Variante. Am Donnerstag stellte Mitarbeiterin Andrea Höcker die Ergebnisse im Umweltausschuss vor.

Die höchste Wirkung, so die wenig überraschende Feststellung, entfalte die mit neun Metern höchste untersuchte Schallschutzwand. Sie würde den Autobahnlärm um bis zu 8 Dezibel (dB) senken, so Höcker – direkt hinter der Wand. Und dort stehen praktisch keine Wohnhäuser. Mit zunehmendem Abstand würde die Wirkung rapide sinken und bald die Schwelle von 3 dB erreichen, unterhalb derer eine Veränderung nicht mehr hörbar ist.

Weitere untersuchte Maßnahmen wie eine Erhöhung der Lärmschutzwände an der Heitmeiersiedlung und westlich des Tunnels, vier Meter hohe Mittelwände auf der Autobahn („ziemlich wirkungslos“) sowie eine lärmabsorbierende Auskleidung der Tunnelportale würden keinen hörbaren Effekt erzielen, so Höcker. Höchstens könne man die Wand an der Heitmeiersiedlung näher an die Fahrbahn rücken.

„Wir würden da helfen, wo niemand wohnt. Wir brauchen mehr“, konstatierte Petra Schmid (CSU). Und Uta Wüst bekannte: „Das ist ernüchternd; es profitieren nur wenige Häuser. Ich hatte mir von den Parabolwänden mehr versprochen.“ Benno Stübner (IGG) kam zu dem Schluss: „Es hilft leider nur ein Tunnel richtig.“

Die Bürgermeisterin wies auch schon darauf hin, dass man im Fall dieser Lärmschutzwände das Kosten-Nutzen-Verhältnis gut werde abwägen müssen. Tatsächlich bekam man in der Sitzung den Eindruck, dass die Parabolwände angesichts ihrer überschaubaren Wirksamkeit gar nicht billig genug sein könnten, um den finanziellen Aufwand und die optische Einschränkung lohnend werden zu lassen. Nun sollen die Fraktionen darüber beraten.

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