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Mehr als 2000 Sorten Bier müssen (v.l.) Verkostungsleiter Sebastian Unertl, Oliver Dawid von den Privaten Brauereien Bayern und Doemens-Geschäftsführer Wolfgang Stempfl für die Jury vorbereiten.

„European Beer Star“

Die Bierwelt blickt nach Gräfelfing

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Der „European Beer Star“ ist mit über 2000 Bewerbungen einer wichtigsten Brauerpreise der Welt. Am Freitag wird er in der Brauakademie Doemens in Gräfelfing vergeben.

Gräfelfing – Die Firmengeschichte, die Dave Thibeau und Bill Graham aus Durango, Colorado, auf ihrer Internetseite erzählen, veranschaulicht vielleicht, wie sich das Biergeschäft in den letzten Jahren verändert hat – und warum die Bierwelt einmal im Jahr nach Gräfelfing blickt.

Noch als Schüler begann Bill Graham, zu Hause sein eigenes Bier zu brauen – weil er es in den USA erst mit 21 Jahren hätte kaufen dürfen. Nach seinem Wirtschafts- und Journalismus-Studium richtete er dann mit seinem Jugendfreund Dave, ebenfalls ein Bier-Laie, in der Ecke eines Lagerhauses eine erste Brauerei ein. Wer von beiden offiziell Geschäftsführer und wer Firmenpräsident von „Ska Brewing“ sein sollte, klärten sie mit einem Münzwurf. 2016 gewann ihr „Steel Toe Stout“ einen der begehrten „European Beer Star Awards“, die am Freitag wieder in Gräfelfing in der Brauakademie Doemens vergeben werden.

Auch in München und der Region mischen kleine Brauereien, gegründet von jungen Bierliebhabern, die Szene auf. So wie die „Crew Republic“-Brauerei aus Unterschleißheim, deren Gründer 2011 ihre Jobs aufgaben und „Anzug und Krawatte gegen Latzhose und Gummistiefel“ tauschten, um, wie sie sagen, „kreative und spannende Biere“ zu brauen, die nicht weniger als „die langweilige deutsche Bierwelt revolutionieren“ sollten. Fünf Jahre später nahmen sie gleich drei Auszeichnungen aus Gräfelfing mit.

Mit der Veränderung der Brauerszene weltweit hat auch der „European Beer Star“ an Bedeutung gewonnen. Der Bierkonsum insgesamt sinkt, gleichzeitig wächst die Vielfalt auf dem Markt der Qualitätsbiere. Eine anerkannte Auszeichnung kann kleinen Brauereien da enorm weiterhelfen. Aber auch bei großen Brauereien, die sich anzupassen versuchen und ihr Sortiment mittlerweile erweitern, ist der Preis begehrt.

Bei der ersten Auflage 2004 gingen noch 271 Biere ins Rennen um den „European Beer Star“, der längst kein rein europäischer Preis mehr ist. In diesem Jahr sind bereits 2151 verschiedene Biere aus 46 Ländern angemeldet, etwa aus Belize oder Tunesien.

Die Qualitätskriterien für den „European Beer Star“ sind genau festgelegt: Stammwürze, Alkoholgehalt und Farbe etwa. Aber auch wie hopfig, fruchtig, sauer oder bitter ein Bier einer bestimmten Gattung schmecken darf und wie der Schaum beschaffen sein soll, steht in der Ausschreibung.

Ausrichter ist der Verband der Privaten Brauereien Bayern. Die Brauakademie Doemens in der Stefanusstraße in Gräfelfing kümmert sich um die Durchführung. Mehr als 25 000 Flaschen müssen für die Verkostung vorbereitet werden. Die Jury besteht aus 133 Mitgliedern. In 60 Kategorien, allesamt europäische Brauarten, vergibt sie Gold-, Silber- und Bronzemedaillen, heuer erstmals auch für Farmhouse Ales belgischer Art und für alkoholfreies Bier.

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