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Die Drehleiter der Gräfelfinger Feuerwehr ist in die Jahre gekommen. Gerätewart Gerhard Regensburger und seine Kameraden rücken zwei- bis dreimal pro Woche mit ihr aus – zu rund der Hälfte der Feuerwehreinsätze und zu Übungen.  

Bis zu 900000 Euro teuer

Feuerwehr erhält neue Drehleiter

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Die Drehleiter ist das Prunk- und Herzstück im Maschinenpark jeder Feuerwehr. Die Gräfelfinger Drehleiter ist in die Jahre gekommen und wird 2020 durch eine neue ersetzt. Für das aufwendige und teure Verfahren, das zwei Jahre in Anspruch nehmen wird, stellte der Hauptausschuss jetzt die Weichen. Kostenpunkt: bis zu 900 000 Euro.

Gräfelfing– Die Gräfelfinger Feuerwehr nahm ihre aktuelle Drehleiter 1996 in Dienst. Sie löste die erste Drehleiter in der Gemeinde überhaupt ab, die 1970 angeschafft worden war. Wenn alles nach Plan läuft, wird die Neuanschaffung in der zweiten Jahreshälfte 2020 geliefert. Dann wäre die aktuelle Drehleiter gut 24 Jahre alt. Feuerwehrkommandant Markus Fuchs erläuterte den Gemeinderäten im Hauptausschuss am Dienstag den Bedarf und das Vorgehen bei der anstehenden Ersatzbeschaffung – einschließlich eines kleinen Exkurses in Technik und Einsatzgebiete der Drehleiter.

Die aktuelle Drehleiter hat zwar nur rund 23 000 Kilometer auf dem Tacho, jedoch viele Tausend Betriebsstunden. Sie rückt bei rund der Hälfte der 200 bis 250 Einsätze im Jahr mit aus und kommt einschließlich der Übungsstunden auf rund drei Einsätze pro Woche. In letzter Zeit häuften sich die Reparaturen. Eine der vier Stützen musste wegen Korrosion ausgetauscht werden, die anderen drei dürften demnächst fällig sein. Das allein kostet rund 40 000 Euro. Auch der Hydraulikzylinder, der die Leiter hebt, musste bereits repariert werden. „Das wird irgendwann unwirtschaftlich“, sagte Markus Fuchs.

Außerdem ist die Drehleiter verglichen mit heutigen Modellen technisch veraltet. Der Rettungskorb etwa ist nur für 270 Kilogramm Traglast ausgelegt. Bei einer Bergung kranker Personen aus einem oberen Stockwerk ist mit einem Feuerwehrmann, einem Rettungssanitäter und dem Patienten sowie der Ausrüstung diese Grenze manchmal erreicht oder überschritten. Heutige Rettungskörbe sind mit einer Traglast von 450 bis 500 Kilogramm auch für adipöse Patienten und massivere Krankentragen geeignet.

Bei dem neuen Modell würde die Leiter zwar ebenfalls 30 Meter lang sein; doch weist sie im oberen Bereich ein Gelenk auf. Mit diesem Knick lässt sich beispielsweise an Dachgauben besser heranfahren. Auch die maximale Auslage und somit die Reichweite ist bei den neuen Modellen größer und die Sicherheitstechnik verbessert.

Die Bedeutung und Einsatzzahl der Drehleitern hat sich in den letzten Jahren stark erhöht. Bei Brandeinsätzen wird von der Leiter nicht nur gelöscht; sie kann auch den Feuerwehrleuten als zweiter Fluchtweg aus dem Gebäude dienen. Mehr noch: Viele Gebäude im Würmtal sind heute unter der Maßgabe genehmigt und gebaut, dass eine funktionierende Drehleiter am Ort ist. Diese gilt offiziell als zweiter Fluchtweg für diese Häuser. Mit anderen Worten: Ohne Drehleiter hätten diese Immobilien ein erhebliches Problem beim Brandschutz.

Häufig fordern Polizei oder Rettungsdienst die Feuerwehrdrehleiter an, um Wohnungen vom Balkon oder Fenster aus zu öffnen. Manchmal lässt sich auf diesem Weg auch am schnellsten die Gefahrenlage in einer verschlossenen Wohnung einschätzen: Liegt etwa eine Person in einer verrauchten Wohnung am Boden, ist schnellster Zugang erforderlich, ohne zeitaufwendige Rücksichtnahme auf Sachschäden beim Öffnen. Bei immer mehr Einsatzbildern ist eine Drehleiter inzwischen vorgeschrieben.

Für die neue Drehleiter sollen 900 000 Euro bereitstehen, die laut Markus Fuchs jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ganz ausgeschöpft würden. Vom Freistaat Bayern erhofft sich die Gemeinde einen Zuschuss von 225 000 Euro; auch die Feuerwehr will sich aus Spenden an der Finanzierung beteiligen. Nun muss ein Fachbüro die europaweite Ausschreibung vorbereiten. Für das Fahrgestell kommen allerdings nur die drei Hersteller Mercedes, MAN und Iveco/Magirus in Frage, und auch für die Aufbauten, den so genannten Leiterpark, gibt es wenig Hersteller. Dieser wird in viel Handarbeit (Schweißen) auf Bestellung gefertigt.

Die alte Drehleiter darf 2020 wahrscheinlich noch nicht in Rente gehen. Kommunen, die weniger betucht sind, kommen als Käufer in Frage. Man werde natürlich peinlich darauf achten, auch mittels eines Gutachtens sämtliche Mängel am Fahrzeug offenzulegen, um einen fairen Handel abzuschließen und keine Kollegen übers Ohr zu hauen, sagte Markus Fuchs. Erst im Sommer hatte die Gräfelfinger Feuerwehr einen ausgemusterten Rüstwagen nach Chile verkauft.

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