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„Unser Haus ist ein einziges Funkloch“: Lea (li.) und ihre gute Freundin Felicitas können in ihrem Gräfelfinger Viertel westlich der Maria-Eich-Straße mit den Handys wenig anfangen. 

Schlechter Handy-Empfang

Funkstille im Villenviertel

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Wenn Anwohner des Gräfelfinger Viertels westlich der Maria-Eich-Straße vom neuen Mobilfunkstandard 5G hören, müssen sie lachen: Sie haben in ihren Häusern so schlechten Empfang, dass es oft nicht einmal zum Telefonieren reicht. Die Netzbetreiber verweisen auf das Mobilfunkkonzept der Gemeinde Gräfelfing. Das sollte längst funktionieren. Und wird es vielleicht nie.

Gräfelfing – „Unser Haus ist ein einziges Funkloch“, sagt Lea, Schülerin des Kurt-Huber-Gymnasiums und Anwohnerin der Geigerstraße. „In einigen Räumen wie der Küche und an der Treppe haben wir gar kein Handy-Netz“, erzählt die 14-Jährige, deren Eltern beim Anbieter Vodafone sind. Auch bei der Familie von Felicitas, die um die Ecke wohnt, „ist der Handy-Empfang unten gut, oben schlecht“, erzählt die Schülerin.

Für Vodafone-Referenten Christian Schilling kommt das nicht überraschend. Sein Unternehmen weiß um die Defizite in diesem Bereich, die übrigens auch Mitbewerber in unterschiedlichem Maß haben. „Die Situation hat sich zuletzt sogar verschlechtert“, sagt er. Dennals beim TSV der erste Großmast im Rahmen des Gräfelfinger Mobilfunkkonzeptes errichtet wurde und ans Netz ging, lagen die Vodafone-Antennen plötzlich noch weiter weg von den Kunden im Südwesten Gräfelfings. Zuvor waren sie auf einem gemeindlichen Gebäude beim Rathaus gewesen. Diesen Vertrag hat die Gemeinde längst gekündigt. Zwar funktionieren die Antennen in den Wohngebieten meist noch, doch übernimmt der höher liegende Funkturm die Führung – mit zu geringer Kapazität für so viele Nutzer.

Hinzu kommt, dass der im Süden Gräfelfings am Prof. Max-Dieckmann-Platz geplante Turm, der dieses Gebiet mit bedienen sollte, noch gar kein Baurecht hat und lange nicht am Netz ist.

Mobilfunkzellen müssten dichter und kleiner werden nicht größer

Doch selbst wenn das komplette Mobilfunkkonzept am Netz wäre, würde es nach Darstellung der Betreiber heutige Ansprüche nicht annähernd bedienen können. Der Grund: Wegen der erforderlichen Datenmengen weichen die Anbieter auf immer mehr Funkbänder aus, die jedoch kleinere Reichweiten haben. Sprich: Die Mobilfunkzellen müssten dichter und kleiner werden, nicht größer. Markus Jodl von der Telekom sagt: „Das Gräfelfinger Konzept war für uns noch nie umsetzbar und mit Blick auf 5G ist es graue Vorzeit. Wir brauchen immer mehr Antennen näher am Kunden, nicht weniger weiter weg.“

„Die Physik spricht gegen das Gräfelfinger Modell“

Christian Schilling stellt fest: „Die Physik spricht gegen das Gräfelfinger Modell, die Marktentwicklung auch. Auf diese Weise nimmt Gräfelfing nur schleppend am Fortschritt teil.“ Würde die Gemeinde einige zusätzliche Standorte im Wohngebiet anbieten, würde sein Unternehmen Anträge dafür stellen.

Für Bürgermeisterin Uta Wüst kommt das nicht in Frage. Sie sagt, das Gräfelfinger Konzept sei auch für die neue Technik geeignet, und man halte daran fest. Der Abbau der Antennen erfolge erst nach Aufbau der Funktürme. Wann jener im Süden gebaut werde, lasse sich heute allerdings noch nicht sagen.

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