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Der Kraillinger Unternehmer Baldur Trinkl (re.) stand den Bürgern am Montag Rede und Antwort, flankiert von Prokurist Berthold Kibellus (Mi.) und Geologe Wolfgang Alt.

Geothermie im Würmtal

Trinkl will im Herbst mit Bohrung starten

Würmtal - Die Geothermiebohrung zwischen Planegg und Gräfelfing soll im kommenden Oktober starten. Geht es nach Claim-Inhaber Baldur Trinkl, könnte die begehrte Wärme aus der Tiefe bereits im Herbst 2017 sprudeln.

Der Kraillinger Unternehmer informierte am Montagabend im Kupferhaus interessierte Bürger über die weitere Planung, enge Zeitziele und Auswirkungen auf die Öffentlichkeit. Bis Ende März muss der Genehmigungsantrag komplettiert und das Verfahren bis Ende Juni bewilligt sein. Dann könnte im Juli der Bohrplatz errichtet, im September der über 50 Meter hohe Bohrturm aufgestellt und im Oktober die erste Bohrung bis in fast 4000 Meter Tiefe beginnen.

Der straffe Zeitplan kommt nicht von ungefähr; der Druck auf den Kraillinger Investor ist hoch. Seit über zehn Jahren besitzt die Firma Trinkl die Bohrrechte auf einem Areal zwischen Gräfelfing und Martinsried, nördlich des Gräfelfinger Wegs. Nach etlichen Fristverlängerungen laufen die Bohrrechte nun Ende des Jahres aus. Danach stünde der Claim wieder zur Verfügung. Und die Gemeinde Gräfelfing wäre durchaus bereit, sich ihn selbst zu sichern und mit einem anderen Investor das Projekt Fernwärme voranzutreiben (wir berichteten).

Laut Bürgermeisterin Uta Wüst sei jedoch eine gemeinsame Lösung mit der Firma Trinkl weiterhin vorstellbar. „Und wir haben unsere Hausaufgaben jetzt gemacht“, sagte Trinkl. „Neben der geforderten Machbarkeitsstudie, gravimetrischen Untersuchungen und vertiefenden wirtschaftlichen Analysen, die einen großen Wärmebedarf speziell für die Gemeinden Gräfelfing und Planegg ergaben, haben wir einen optimalen Bohrplatz gefunden.“

Aus geologischen und bohrtechnischen Gesichtspunkten sind dort zwei Bohrpfade möglich, so der Geologe Wolfgang Alt, der Baldur Trinkl am Montagabend auf dem Podium unterstützte. Der Standort sei gut gewählt, um das heiße Wasser aus dem so genannten Malm tief unter der Erde zu gewinnen. Alt prognostiziert eine Thermalwassertemperatur bis zu 114 Grad Celsius und eine Förderrate von 110 Litern pro Sekunde. Die beiden geplanten Bohrverläufe erstreckten sich östlich in Richtung Martinsried und südlich zur Kiesgrube Glück. So sei keine Annäherung an die Wohnbebauung gegeben.

Bedenken und Sorgen äußerten die anwesenden Bürger trotzdem. Eine Zuhörerin wollte wissen, ob durch das Bohren ein Erdbeben ausgelöst werden könnte. Das Risiko sei nicht von der Hand zu weisen, gab Experte Alt zwar zu. Jedoch sei eine solche Gefahr hier minimiert, da in natürlichen Zerrüttungszonen gebohrt werde und nicht in künstlich erzeugten.

Ein großes Thema war auch die Schallemission. Hierzu legte Trinkl ein schalltechnisches Gutachten vor, das eine Nachtschallemission zwischen 35 und 45 db in der Zone ausweist, die direkt an die Gemeinden anstößt. „Also im gesetzlich zulässigen Bereich“, erklärte Trinkl. 45 Dezibel entsprechen der Geräuschkulisse eines Wohnviertels ohne Straßenverkehr.

Baldur Trinkl stellte zum Schluss der Veranstaltung noch einmal klar, dass seine Firma die Tiefenwärme fördern und als regenerative Energie bereitstellen möchte, nicht jedoch für den Absatz verantwortlich sein will. Trinkl: „Mein Wunschpartner als Fernwärmenetzbetreiber ist nach wie vor die Gemeinde Gräfelfing.“ Trotz schwieriger Verhandlungen in der jüngsten Vergangenheit sei er zuversichtlich, dass die Kommune und die Firma Trinkl noch zueinander finden würden. Schließlich sei er „ein Würmtaler“ und nicht irgendein Investor aus Hamburg. „Wir stehen voll und ganz hinter diesem Projekt.“ Eine Kampfansage wohl auch in Richtung der anderen möglichen Großinvestoren, die bereits mit den Füßen scharren.

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