Diffiziles Baugrundstück in extremer Hanglage: Die Gemeinde Gräfelfing, Eigentümerin der Bahnhofstraße 105, plant hier ein neues Wohn- und Geschäftshaus.
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Diffiziles Baugrundstück in extremer Hanglage: Die Gemeinde Gräfelfing, Eigentümerin der Bahnhofstraße 105, plant hier ein neues Wohn- und Geschäftshaus.

Gemeinde Gräfelfing

Neubau in der Ortsmitte geplant

  • Martin Schullerus
    vonMartin Schullerus
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Das gemeindliche Grundstück Bahnhofstraße 105, in der Gräfelfinger Ortsmitte am Bürgerhaus-Rondell gelegen, harrt einer baulichen Nutzung. Die ist mit Schwierigkeiten verbunden, doch die Gemeinde zeigt sich entschlossen. Jetzt laufen geologische Voruntersuchungen.

Gräfelfing – Es ist eines der diffizilsten Baugrundstücke in Gräfelfing – und das zentral-ste: Bahnhofstraße 105. Und es gehört seit vielen Jahren der Gemeinde. Bereits zur Amtszeit von Bürgermeisterin Uta Wüst nahm die Gemeinde die Herausforderung an, die schmale, in extremer Hanglage befindliche Parzelle, die an das Haus mit der Drogerie dm grenzt, zu überplanen. Unter Wüsts Nachfolger Peter Köstler sind nun die Vorarbeiten in eine praktische Phase getreten.

Das Grundstück ist als zweigeteilt zu betrachten. Im oberen Bereich, mit Zugang von der Prof.-Kurt-Huber-Straße, steht eine alte, sanierungsbedürftige Villa, die schon bessere Tage gesehen hat, ehe sie vom Mietobjekt zur Obdachlosenunterkunft wurde und schließlich in den Leerstand überging. Nach einer Untersuchung von Architekt Klaus Molenaar ist der Wunsch des Gemeinderates umsetzbar, das Haus zu erhalten, zu sanieren und – mit einem Anbau versehen – als gemischte Wohngemeinschaft für Menschen mit und ohne Behinderung zu nutzen.

Als Mieter und Betreiber in diesem Sinn hat sich schon die Lebenshilfe Bayern beworben. Deren Geschäftsführer wird in der nächsten Sitzung des Ausschusses für soziale Angelegenheiten, Schul- Kultur- und Sportfragen anwesend sein und seine Vorstellungen erläutern. Möglicherweise läuft es auf eine ähnliche WG hinaus, wie sie schon seit Jahren erfolgreich im Seidl-Haus an der Irminfriedstraße funktioniert – dort mit einem anderen Betreiber.

Was hingegen den angedachten Neubau in Fortsetzung des dm-Hauses entlang der Bahnhofstraße angeht, spricht Bürgermeister Peter Köstler von einem „nicht trivialen“ Problem: „Das Grundstück ist dort eng, in extremer Hanglage, und oben steht ein Haus, das nicht abrutschen darf.“ Auch wenn die beiden Projekte thematisch unabhängig seien, könne es also von Vorteil sein, die technische Planung und Umsetzung „Hand in Hand“ anzugehen. So könnte die für den oberen Bau nötige Stützwand in den unteren Neubau integriert werden.

Stefan Schädle, der das Projekt im gemeindlichen Bauamt betreut, freut sich schon auf eine Maßnahme aus dem Bereich „Spezialtiefbau“. Denn die Stützwand muss mit Ankern, die unter die alte Villa reichen, zugverankert werden, um dem Druck des Erdreichs nicht nachzugeben. Weil inzwischen aus Gründen der Wirtschaftlichkeit davon ausgegangen wird, dass der Neubau eine Tiefgarage erhält, sind aufwendige Probebohrungen nötig: Ein Bohrer mit Turm wird oben neben die Villa gefahren und rund 15 Meter tief bohren, um das Terrain geologisch zu erkunden. Für das schwere Gerät werden nun die Zufahrten zum oberen Bereich sowie an der Bahnhofstraße verbreitert. Die Bohrungen an sich sollen wohl im April stattfinden.

Bei der Planung des Neubaus stützt sich die Gemeinde grob auf eine städtebauliche Studie von Architekt Molenaar. Sie sieht eine Fortführung der Baureihe auf der Linie und in der Höhe des dm-Hauses bis zur Ecke Prof.-Kurt-Huber-Straße vor. Nach einem Wettbewerb machten sich die Architekten vom Büro WGP Architektur und Stadtplanung in München an die Entwurfsplanung. Dabei sind noch viele Entscheidungen offen, darunter jene, wie der Bau an der Kopfseite zur Prof.-Kurt-Huber-Straße architektonisch gestaltet wird. Das müsse schließlich keine schmucklose Wand sein, findet Bürgermeister Köstler. Die künftige Nutzung des Neubaus lässt eigentlich wenig Spielraum: Im Erdgeschoss wären Ladengeschäfte vorgesehen, in den Obergeschossen Wohnungen.

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