Michaelskirche Lochham
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Erzengel Michael ist der Schutzpatron der Kirche und ziert diese auch als Kunstwerk an der Fassade.

70. Jubiläum der Michaelskirche wird am Sonntag mit festlichem Gottesdienst im Freien gefeiert

„Geschichte von Geduld, Fleiß und Demut“

Die Michaelskirche in Lochham feiert heuer ihr 70-jähriges Jubiläum. Am 1. Adventssonntag ist es so weit: Mit einem festlichen Gottesdienst wird der Jahrestag auf der Wiese vor der Kirche gewürdigt. Beginn ist um 10 Uhr (Lochhamer Straße 67). Auf einen Empfang und eine Feier muss coronabedingt verzichtet werden.

Gräfelfing - Mit dem Jubiläumsgottesdienst möchte die Kirchengemeinde Zuversicht ausstrahlen. „Ich bewundere die Lochhamer des Jahres 1950 für ihren Mut und ihre Tatkraft. Fünf Jahre nach dem Krieg galten immer noch Lebensmittelkarten, und dann bauen die Leute eine Kirche“, sagt Pfarrer Bernd Reichert. „Gerade jetzt können wir uns daran ein Beispiel nehmen.“ Auch Landrat Christoph Göbel erinnert daran, wie mühevoll es damals gewesen sein muss, als die Menschen ab 1928 Geld für ihren Bau sammelten: „Es ist eine beeindruckende Geschichte von Geduld, Fleiß und Demut, die uns die Anfänge der Michaelskirche erzählt.“

Zum 70. Jubiläum wurde die Kirche mit Unterstützung der Gemeinde Gräfelfing innen und außen neu gestrichen, und die Jugendlichen der Kirchengemeinde bekommen einen eigenen neuen Raum. Zudem ist in den nächsten Jahren geplant, das alte Pfarrhaus durch einen Neubau zu ersetzen und diesen sozialen Zwecken zu widmen.

Um 1900 wurden die damals wenigen und weit verstreut wohnenden evangelischen Familien noch durch Reiseprediger von Pasing aus versorgt. Erst in den 1920er Jahren entstanden am Rande der Großstadt München zahlreiche evangelische Kirchengemeinden. Durch die bevorzugte Wohnlage hatte das Würmtal einen besonderen Anteil an dieser Entwicklung. Nach dem 1. Weltkrieg gründete Kirchenrat Theobald Trenkle in Gräfelfing den Evangelischen Verein Planegg-Gräfelfing. Als erster evangelischer Pfarrer wirkte in diesem Gebiet ab 1924 Vikar Ludwig Bullemer. 1926 wurde die Waldkirche in Planegg nach Plänen des Architekten Theodor Fischer gebaut. Die 1929 neu gegründete eigene Kirchengemeinde Planegg mit Krailling und Gräfelfing-Lochham übernahm Pfarrer Karl Helmes. Er prägte sie über Jahrzehnte.

Kirchenbau-Verein 1927 gegründet

Im Jahre 1921 erhielt die katholische Pfarrei von der politischen Gemeinde ein Grundstück zum Zwecke eines Kirchenbaus geschenkt. Darauf taten sich evangelische Gemeindeglieder von Lochham und Gräfelfing zusammen, gründeten 1927 einen Kirchenbau-Verein und bekamen 1928 ebenfalls ein Grundstück zum Neubau eines Gotteshauses. In über 20 Jahren stiller Kleinarbeit des Vereins sammelten Gemeindeglieder und Konfirmanden monatlich kleinste Beträge. Durch den großen Zustrom von Ausgebombten und Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg ergab sich die Notwendigkeit einer zweiten Pfarrstelle. Diese wurde in Lochham errichtet und 1948 Pfarrer Oskar Anton übertragen.

Innerhalb eines Jahres, von März bis Dezember 1950, wurde das Gotteshaus der Michaelskirche nach den Entwürfen von Konrad Stierhof errichtet. Zunächst als Behelfskirche erbaut, wurde sie am 10. Dezember 1950 unter dem Namen Evangelisch-Lutherische Kirche Lochham eingeweiht. Die Zahl der evangelischen Christen war nach dem Zweiten Weltkrieg durch Vertriebene aus den Ostgebieten stark angewachsen. Infolgedessen wurde 1962 für Gräfelfing, Planegg-Ost und Martinsried eine dritte Pfarrstelle geschaffen. Ab 1970 bildete der Pfarrsprengel Gräfelfing eine eigene Kirchengemeinde Gräfelfing mit Planegg-Ost und Martinsried. Der Gemeindeteil Lochham blieb zunächst als zweiter Sprengel bei der Waldkirche Planegg.

1976 wurde der schwerkranke Pfarrer Anton pensioniert. Pfarrer Wolfgang Hofmann übernahm die vakante Pfarrstelle und kümmerte sich um die Erweiterung des ursprünglich als Notkirche entstandenen Kirchenbaus. Die Kirchenachse wurde um 90 Grad gedreht, und im Untergeschoss konnten größere Gemeinderäume gewonnen werden. Architekt war Theodor Steinhauser. Bis 1978 gehörte die Kirche zum Sprengel der Waldkirche. Erst 1979 wurde der Gemeindeteil Lochham von der Kirchengemeinde der Waldkirche abgetrennt und als zweiter Sprengel der Kirchengemeinde Gräfelfing angeschlossen.

Ihren heutigen Namen bekam die Kirche 1982

Mit dem Namen des Erzengels Michael wurde die Lochhamer Kirche 1982, während des Umbaus, versehen. Die Altarwand der Kirche gestaltete der Künstler Helmut Ammann: In Mosaiktechnik ist der Kampf des Erzengels Michael mit dem Drachen dargestellt. Passend zu dem Bildnis wurden Altar, Kanzel, Taufstein und der Osterleuchter gestaltet. Heute leuchtet der Erzengel Michael auch als Kunstwerk an der Fassade. Die konzerttaugliche Orgel wurde 1989 von dem deutschen Orgelbauer Dieter Schingnitz eingebaut, nachdem im Oktober desselben Jahres genügend Spenden gesammelt worden waren.

Nach fast 25-jähriger Tätigkeit im Lochhamer Gemeindeteil wurde Pfarrer Hofmann Ende Juli 2003 in den Ruhestand verabschiedet. Nach einjähriger Vakanz begann am 1. August 2004 mit der Einführung von Pfarrerin Elke Eilert die dritte Pfarrersära in der Michaelskirche. Ende Oktober 2014 verließ Eilert die evangelische Kirchengemeinde. Im Juni 2015 übernahm Pfarrer Bernd Reichert die Lochhamer Pfarrstelle. Er sagt: „Ich wünsche mir, dass die Kirche an diesem Ort mit der wunderbaren Kombination aus Dorfkern, Wirtshaus und Gotteshaus auch in Zukunft den Lochhamern, gleich welchen Glaubens, welcher Konfession, einen Raum für Trost und Hoffnung gibt.“ (Lara Listl)

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