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Die Gewerbesteuer sprudelt.

Reiches Gräfelfing

Gewerbesteuer auf 120 Millionen verdoppelt

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Die schon bisher finanziell auf Rosen gebettete Gemeinde Gräfelfing hat ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk bekommen, das gewohnte Dimensionen sprengt. Die Gewerbesteuereinnahmen verdoppeln sich 2018 auf 120 Millionen Euro. 

Gräfelfing– Der Preis für die Untertreibung des Abends ging an Kämmerin Tanja Dandl, die in ihrem Bericht schrieb: „Das Haushaltsjahr verlief aufgrund weiterhin hoher Gewerbesteuereinnahmen sehr positiv.“ Tatsächlich schnellten die Gewerbesteuereinnahmen im Oktober praktisch über Nacht auf rund 120 Millionen Euro hoch und verdoppelten sich so im Vergleich zum Rechnungsergebnis von 2017.

Die Gründe für diesen Geldsegen unterliegen im Detail dem Steuergeheimnis, doch ist davon auszugehen, dass eine schon bisher in Gräfelfing ansässige, lukrative Firma ihre deutschlandweiten Geschäftsbereiche nun in der Gartenstadt konzentriert hat und für alle Sparten hier steuerpflichtig geworden ist.

Im Haushalt 2019 und der Finanzplanung bis 2022 führt dies zu nie da gewesenen Volumina und durchfinanzierten Projekten (Bericht folgt). So beläuft sich der Gesamthaushalt auf 198,5 Millionen Euro. Die Rücklage der Gemeinde liegt Ende 2018 bei 112 Mio. Euro und steigt bis Ende 2022 auf 142 Mio. Euro – das unter Voraussetzung gleichbleibend hoher Einnahmen von 120 Mio. Euro aus der Gewerbesteuer, Finanzierung der geplanten Vorhaben und Abführung der sprunghaft wachsenden Kreisumlage ab 2020 von rund 64,5 Mio. Euro jährlich.

Die ernsthafte Debatte in der vorberatenden Sitzung des Hauptausschusses am Dienstag zeigte, dass die Gemeinderäte sich des Glücksfalls ebenso bewusst sind wie der gestiegenen Verantwortung. Bürgermeisterin Uta Wüst gestand, der Umgang mit solchen Summen sei „noch ungewohnt“ und löse „eine Mischung aus Schauer und Freude“ aus.

Die Reaktionen der Gemeinderäte waren ebenfalls von Freude und dem Aufruf zur Besonnenheit geprägt. Frauke Schwaiblmair (Grüne) sprach das Risiko der höheren Kreisumlage an, die mit zwei Jahren Verzögerung zu leisten ist – zu einem Zeitpunkt, da die Einnahmen vielleicht schon wieder geringer ausfallen könnten. Auch Michael Langer (SPD) und Hans-Joachim Kramer (parteifrei) war die Erwartung konstanter Einnahmen auf diesem Niveau nicht geheuer.

Kämmerin Tanja Dandl wies auf die hohe Rücklage hin, die viel abfedern könne, auf belastbare Einnahmeerwartungen für 2019 und die Möglichkeit, auf Veränderungen rasch zu reagieren. Die Bürgermeisterin sagte, die Gefahr, nun zu viele Projekte anzustoßen, werde allein schon durch den gleichbleibenden Personalstand im Rathaus und die Auslastung der Baufirmen entschärft.

Gleichwohl wurden auch erste Wünsche laut. So brachte Langer den teuren Lärmschutz (Tunnel) an der A 96 ins Spiel, und Petra Schaber (IGG) und Peter Köstler (CSU) konnten dem etwas abgewinnen. Köstler erinnerte daran, dass man heute die Früchte einer weitsichtigen Wirtschaftspolitik von vor Jahren ernte. Er rief dazu auf, die neue Situation als große Chance wahrzunehmen und als Arbeitsauftrag für die Verwaltung – „darum möchte ich bitten, auch von oben her“. Bürgermeisterin Uta Wüst nahm den Ball auf und schloss sich Köstlers Appell an.

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