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Gegen die Auskiesung im Bereich Dickwiese regt sich Widerstand.

Ausschuss für überörtliche Angelegenheiten

Gräfelfing lehnt Kiesabbau auf Dickwiese ab

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Die Gemeinde Gräfelfing hat in einem ersten Schritt den Plänen der Firma Glück für das neue Abbaugebiet Dickwiese eine glatte Absage erteilt. Entschieden ist damit noch nichts.

Gräfelfing– Die Stellungnahme der Verwaltung, die Bauamtsleiter Markus Ramsauer in der Sitzung des Ausschusses für überörtliche Angelegenheiten und Umweltfragen vortrug, ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Kein einziger Punkt, der für das Vorhaben sprechen würde, tauchte darin auf.

Zunächst lehnt die Gemeinde das Projekt ab, weil es in einem durch Bannwald, Regionalen Grünzug und Landschaftsschutzgebiet dreifach geschützten Bereich liegen würde und einen „eklatanten Verlust“ dieser Funktionen mit sich bringe. Zudem gebe es keinen Bedarf für dieses neue Auskiesungsgebiet: Im südwestlichen Bereich des Regionalplans seien für die verbrauchernahe Versorgung bereits zwei Vorranggebiete und ein Vorbehaltsgebiet eingetragen.

Aus Natur- und Klimaschutzgründen sollten eher Acker- oder Grünflächen für Kiesabbau herangezogen werden. „Auch wenn es Gründe für den regionalen Kiesabbau und für kürzere Transportwege geben mag – mit einer Verbesserung der Waldsituation kann das Vorhaben nicht begründet werden“, so die Verwaltung.

Weiter Zweifel an Autobahn-Route

Die Angaben der Firma Glück über erwartete Lkw-Fahrten seien „viel zu niedrig angesetzt, da schlichtweg die Leerfahrten nicht berücksichtigt worden sind“. Somit sei mit „mindestens 332 Lkw-Fahrten pro Tag“ zu rechnen. Dass diese wie versprochen ausschließlich über die Autobahn abgewickelt würden, könne man nicht durchsetzen und sei angesichts der um 3,1 Kilometer näheren Verbindung über die Germeringer-, Pasinger- und Würmtalstraße anzuzweifeln.

Diese Einschätzung fand im Umweltausschuss breite Unterstützung. Jörg Scholler (FDP) sagte ebenso wie Franz Lang (SPD), dass für eine zügige Wiederverfüllung, wie sie im Antrag versprochen sei, das Material fehle. Joachim Bender (Grüne) sagte: „Dass Kiesunternehmer und Grundeigentümer sich einig sind, kann nicht eine Grundlage für eine raumordnerische Entscheidung sein.“ Mathias Pollok warf dem Unternehmen vor, „sich nicht an Regeln“ halten zu wollen. Die offenkundige „Ferne von natürlichen Prozessen“ sei „hoch irritierend“.

Argumentation als Folge des Zeitgeistes

Die drei Gegenstimmen kamen von CSU und Bürgerverein. Petra Schmid (CSU) kritisierte eine „zu einseitige, zeitgeistige Argumentation“, die den Vorteil der nahen Wege außen vor lasse. Günter Roll (BVGL) erinnerte, dass allerorten gebaut werde und solle, unter anderem Wohnungen, und dass Kies jedenfalls benötigt werde – wenn nicht aus der Nähe, dann aus der Ferne. Thomas Heidenreich (CSU) erinnerte an die Möglichkeit, die Lkw-Fahrten über GPS zu überwachen.

Die endgültige Stellungnahme gibt der Gemeinderat ab. Klar ist jedoch: Das aktuelle Raumordnungsverfahren hat keine bindende Wirkung. Die Entscheidung wird erst im Genehmigungsverfahren getroffen. Dort werden betroffene Gemeinden wieder gehört. Doch herrschte in der Sitzung insgesamt die Einschätzung vor, dass man das Projekt wohl nicht werde verhindern können.

Auch interessant: Warum die Firma Glück sagt, sie sei auf den Kiesabbau im Bereich Dickwiese angewiesen.

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