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Gräfelfing macht mit bei Daten-Pilotprojekt

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Von: Nicole Kalenda

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Im zweiten Quartal 2022 soll es losgehen: Dann erfassen sogenannte Surveyors, wie lange sich ein Smartphone vor einem Schaufenster befindet.
Im zweiten Quartal 2022 soll es losgehen: Dann erfassen sogenannte Surveyors, wie lange sich ein Smartphone vor einem Schaufenster befindet. © Michael Schönwälder

Gräfelfing und Bielefeld trennen mehr als 600 Kilometer. Die achtgrößte Stadt Nordrhein-Westfalens zählt 25 Mal so viele Einwohner wie die Würmtalgemeinde. Eine Gemeinsamkeit haben die beiden Kommunen trotzdem: Sie machen beim Pilotprojekt Smart Analytics mit.

Gräfelfing – Die Gemeinde Gräfelfing setzt ihren Weg fort, ihr Ortszentrum zu fördern und drohendem Leerstand entgegenzuwirken. Auf Web-Konferenz und Würmtal-Card folgt nun die Datengewinnung. Gefördert durch das Bundesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte“ werden anonym Bewegungsdaten im öffentlichen Raum gesammelt: Laufwege, aufgesuchte Angebote und Orte sowie die jeweilige Verweildauer. Gearbeitet wird mit der Technik der Münchner Ariadne Maps GmbH, einer Ausgründung der Technischen Universität. Deren Geräte, sogenannte Surveyors, erkennen, datenschutzrechtlich konform, von Smartphones ausgestrahlte Signale. Daraus lässt sich zum Beispiel ablesen, wie viele Menschen sich zu bestimmten Zeiten in der Bahnhofstraße befinden, wie oft und wie lange vor einem Schaufenster gestoppt wird und welche Geschäfte aufgesucht werden. „Es geht darum, belastbare Daten im kommunalen Umfeld zu bekommen“, so Sebastian Deppe von der BBE Handelsberatung, die die Gemeinde schon länger in ihrem Bemühen unterstützt, die Bahnhofstraße lebendig zu gestalten. „Die Daten ermöglichen uns, viele andere Themen unterstützend anzugehen.“ Sie sollen etwa Unternehmen die Entscheidung erleichtern, eine Filiale zu eröffnen. Deppe: „Wir können nicht alle Probleme Gräfelfings lösen, aber mit den Daten verschiedene Dinge angehen.“

Gräfelfing kleinste von fünf Kommunen

Das Projekt ist auf vier Jahre angelegt. Neben Gräfelfing als kleinste und Bielefeld als größte Kommune machen Bernau bei Berlin, Prenzlau und Fellbach in Baden-Württemberg mit. Die Kosten allein für Gräfelfing belaufen sich auf 315 000 Euro, wovon 75 Prozent durch die Bundesförderung abgedeckt werden. Der Anteil der Gemeinde beträgt 78 700 Euro. Der Hauptausschuss des Gemeinderats gab am Dienstag mit 7:3 Stimmen sein Plazet. „Es ist eine gute Chance, mit diesem geförderten Projekt Erkenntnisse zu gewinnen“, sagte Bürgermeister Köstler.

Kritik war unter anderem von Katharina Weber (Grüne) gekommen: Es ist ein wahnsinniges Datenvolumen, das angesammelt wird.“ Anette Kitzmann-Waterloo (SPD) schlug vor, lieber die Leute in der Schlange vor der Post zu ihrem Einkaufsverhalten zu befragen. Und Petra Schmid (CSU) monierte: „Mir fehlt der praktische Nutzen. Nur weil das Innenministerium Gelder verschwendet, kann ich da nicht zustimmen.“ Die Mehrheit schloss sich jedoch ihrem Fraktionskollegen Florian Brenner an, der erklärte: „Ich werbe dafür, es zu probieren. Der finanzielle Einsatz ist überschaubar.“

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