Das Gräfelfinger Rathaus unter blauem Himmel
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Goldene Gesamtsituation: Im Gräfelfinger Rathaus erwartet man in diesem Jahr 169 Millionen Euro aus der Gewerbesteuer.

Rekord-Einnahmen trotz Corona-Pandemie

Gräfelfing rechnet mit 169 Mio. Euro aus Gewerbesteuer

  • Martin Schullerus
    vonMartin Schullerus
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Es ist fast schon ein Stereotyp: Die Gewerbesteuer-Einnahmen der Gemeinde Gräfelfing eilen von Rekord zu Rekord, Jahr um Jahr. Als 2018 die Schallmauer von 100 Millionen Euro durchbrochen wurde, schien eine Stabilisierung auf sehr hohem Niveau erreicht. Weit gefehlt. Aktuell erwartet Gräfelfing für 2020 ganze 169 Millionen Euro.

Gräfelfing – Als Bürgermeister Peter Köstler diese Zahl in der Gemeinderatssitzung am Dienstag bekannt gab, mochte mancher im großen Bürgerhaus-Saal glauben, sich verhört zu haben. Doch es stimmt: Hatte die Gemeinde im Haushalt für 2020 noch bewusst konservativ mit nur 105 Millionen gerechnet, liegt man nun 64 Millionen darüber – und immer noch knapp 44 Millionen über dem bisherigen Rekordjahr 2019.

Anträge auf Stundung in Höhe von 9,5 Mio. Euro

Allerdings sind in diesen 169 Millionen Euro auch die aktuell 9,5 Millionen enthalten, die Unternehmen in Gräfelfing sich vor allem wegen der Corona-Situation stunden ließen. Diesen Anträgen sei man ausnahmslos nachgekommen, sagte Peter Köstler. Dieses Geld dürfte die Gemeinde zum Großteil noch erhalten, jedoch frühestens im kommenden Jahr. Die Belastungen durch Corona blieben jedenfalls überschaubar.

Kämmerin Tanja Dandl geht in ihrer Analyse noch einen Schritt weiter. Im Merkur-Gespräch stellte sie fest, dass so manche Firma aus dem Medizin-Bereich ihre Erträge über die Erwartungen gesteigert und die Steuer nach oben angepasst habe – wahrscheinlich gerade wegen der Corona-Pandemie, die große Investitionen auch der öffentlichen Hand in diesen Sektor fließen ließ – etwa in die Test-Entwicklung.

Medizin-Sparte profitiert von Corona

Eine tiefgreifende Erklärung für diese Zahlen, die sie selbst angenehm überrascht hätten, fand Tanja Dandl nicht, obwohl sie in den Datensätzen auf die Suche ging. Schnell stellte sie zumindest fest, dass sämtliche großen Steuerzahler der Gemeinde es nicht für nötig ansahen, eine Stundung ihrer Steuerschuld zu beantragen.

Dritte Erkenntnis, neben dem Positiv-Effekt von Corona in der Medizin-Sparte: „Die Struktur unserer Unternehmen lässt uns glimpflich davonkommen.“ Besonders hart getroffene Branchen wie Gastronomie und Tourismus gehörten nun mal nicht zu den Säulen des Gräfelfinger Gewerbekonstruktes.

Schließlich bleibt für Tanja Dandl die nüchterne Feststellung: „Mit aktuell 1328 Betrieben, die in Gräfelfing Gewerbesteuer bezahlen, haben wir einfach viel Gewerbe in gesunder Mischung am Ort.“

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