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Täglicher Feierabendstau auf der Pasinger Straße: Eine Entlastungsstraße ist in weite Ferne gerückt. Ob das Verkehrskonzept helfen kann, muss sich zeigen.  

Auftaktveranstaltung des Gemeinderates

Gräfelfing: Verkehrskonzept startet als großer Wurf

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Mit einer Auftaktveranstaltung hat der Gräfelfinger Gemeinderat die Entwicklung eines integrierten Gesamtverkehrskonzeptes gestartet. Die Arbeiten daran werden mindestens ein Jahr dauern und neben Fachleuten, Gemeinderat und Verwaltung auch viele Bürger einbeziehen.

Gräfelfing– Es geht um den ganz großen Wurf, zumindest beim Auftakt. „Ich bin gespannt, wie weit die Gräfelfinger gehen werden, wie viel Mut wir haben, wie viel Konsequenz wir haben“, sagte Bürgermeisterin Uta Wüst in der Sondersitzung des Gemeinderates.

In der Tat hat es in den letzten Jahrzehnten unzählige Verkehrsuntersuchungen, Verkehrszählungen, Umfragen unter der Bevölkerung und Bürgerwerkstätten zum Thema Verkehr gegeben. Immer mit großem Anspruch, stets mit überschaubarem Ergebnis in der Praxis. Doch keine dieser Bemühungen war so groß angelegt wie die aktuelle, die auf einen Antrag von Jörg Scholler (FDP) zurückgeht.

Helmuth Ammerl, Verkehrsplaner des Büros Obermeyer, der in Gräfelfing und dem Würmtal bestens bekannt ist, eröffnete den Abend. Er wies darauf hin, dass sein Haus angesichts der Komplexität des Auftrags eine Kooperation und Arbeitsgemeinschaft mit einem weiteren Expertenbüro einging – „TeamRed“. Dessen Vertreter Tobias Kipp hielt später einen Impuls-Vortrag über die Mobilität von morgen.

Junktim inzwischen Makulatur

Schnell war an diesem Abend klar, dass das einstige Junktim zwischen der Entlastungsstraße und diesem Verkehrskonzept, die parallel entwickelt werden sollten, inzwischen Makulatur ist. Man starte das Verkehrskonzept nun „trotz Junktim“, sagte die Bürgermeisterin mit verbalem Achselzucken. Über die theoretisch weiterhin laufenden Bemühungen für eine Entlastungsstraße verlor weder sie noch sonst jemand ein Wort. Man wolle nun „nicht mehr über die Entlastungsstraße diskutieren“, sekundierte Ammerl, sondern ausschließlich über innerörtliche Verkehrsthemen: „Verkehrsberuhigung, Verkehrsvermeidung, Stärkung des ÖPNV.“

Der Landkreis München erwarte mit prosperierender wirtschaftlicher Entwicklung und Bevölkerungszuzug in den nächsten Jahren zehn Prozent mehr Verkehr, so Ammerl. Auch Elektroautos seien Verkehr, bräuchten Platz und stünden zudem in Konkurrenz zum Umweltverbund. Umso wichtiger sei ein tragfähiges Konzept, das sämtliche Verkehrsarten und die zugehörige Infrastruktur im Blick habe. Helmuth Ammerl: „Das Ziel ist die Verlagerung des Verkehrs vom Auto auf den Umweltverbund.“ Zumindest soweit es den Binnenverkehr und teils den Ziel- und Quellverkehr betreffe. „Beim Durchgangsverkehr haben wir nur bedingte Einflussmöglichkeiten“, bekannte der Experte.

Bürgerbefragungen geplant

Über die Wintermonate soll nun die Erfassung des Ist-Zustands von Verkehrsströmen und -infrastruktur laufen. Geplant sind außerdem unter anderem Bürgerbefragungen online und per Brief, Befragungen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern in Gräfelfing, Interviews mit Verbänden wie dem ADFC, Workshops mit Schulen und Bürgern. Ab Mai 2020 sollen erste Konzeptüberlegungen erfolgen. Die Experten versprechen völlige Transparenz – „alles wird im Internet veröffentlicht“ – und eine enge Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat. Frühestens im November 2020 könnte das integrierte Gesamtverkehrskonzept für Gräfelfing vorliegen.

Das Ergebnis soll betont zukunftsoffen sein, das heißt, zukünftige Entwicklungen im Bereich der Mobilität wenn nicht vorwegnehmen, so zumindest ermöglichen. Welche Mobilitätstrends sich heute bereits abzeichnen und „spannende Entwicklungen“ versprechen, führte Tobias Kipp in einem kurzweiligen Vortrag den Gemeinderäten vor Augen – von alternativen Antriebsarten über gemeinsam genutzte Verkehrsmittel bis hin zu autonomem Fahren. Sein Fazit: „Der Ist-Zustand ist kein Naturgesetz. Wir können beim Verkehr die Dinge beeinflussen.“

So ging es auf einer Sondersitzung zum Thema Verkehr im Mai zu.

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