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Der Gräfelfinger CSU-Ortsvorstand mit der Vorsitzenden Petra Schmid, ihren drei neuen Stellvertretern Kai Kocher (li.), Wolfgang Hierl (Mitte) und Hans-Martin Weichbrodt (re.) sowie Kassenwart Peter Köstler (2. v. re.) und Schriftführer und JU-Chef Markus Krahl (2. v. li.). 

Drei neue Vize-Vorsitzende im Ortsvorstand der Christsozialen

Die schwierige Lage der Gräfelfinger CSU

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Die Ortshauptversammlung der Gräfelfinger CSU am Mittwoch hat gezeigt, in welch schwieriger Lage die Christsozialen stecken. Mit personellen Entscheidungen starten sie einen spannenden Neuaufbruch.

Gräfelfing – Peter Köstler ist nicht zu beneiden. Der schmerzhaften Wahlniederlage gegen Uta Wüst (IGG) im Kampf um das Bürgermeisteramt folgten drei Jahre, die ihm erst recht einiges abverlangten. Als Chef der mit acht Sitzen größten Gemeinderatsfraktion will und muss er einerseits konstruktiv mitarbeiten, andererseits einen politischen Gegenpol zur IGG und Uta Wüst setzen. Damit nicht genug, fühlt er sich als 2. Bürgermeister selbstverständlich zur Loyalität im Rathaus verpflichtet. Ein Drahtseilakt, der Kraft kostet. Und von dem Köstlers Bericht aus dem Rathaus geprägt war.

„Gräfelfing und Lochham stehen gut da“, sagte Peter Köstler. Es entstünden Sozialwohnungen, Schulneubauten, eine Sporthalle samt Schwimmbecken, ein für den Standort wichtiges Hotel im Gewerbegebiet. Die Haushaltslage sei „außerordentlich gut“, die Kinderbetreuung aktuell „bestens aufgestellt“. Die Gemeindeverwaltung biete guten Service für wenig Geld.

Allerdings: „Das alles sind CSU-Themen, vorbereitet und beantragt von der CSU, auf den Weg gebracht vom Gemeinderat und der CSU. Hätten wir es nicht gemacht, gäbe es das nicht“, so Köstler. Ohne den Namen der Bürgermeisterin auch nur einmal in den Mund zu nehmen, ging er sie gleichwohl hart an. Die „Hochglanzbroschüren“, die regelmäßig im Ort verteilt würden, seien angefüllt mit dem Ergebnis von CSU-Arbeit. Ob es sich um Unterflurcontainer, neues Carsharing oder den Erwerb des Geothermie-Claims handle – „das steht alles in unserem Wahlprogramm und ist wie versprochen von uns abgearbeitet oder bearbeitet“.

Insgesamt warf Köstler der Gemeindechefin Passivität und Untätigkeit auf wichtigen Themenfeldern vor. Ein Grund sei Überforderung. Köstler: „Die Dinge sind eine Nummer zu groß und haben deshalb keine Priorität.“ Als Beispiele nannte er die komplett entschlafene Sanierung des Jahnplatzes, die seit Jahren aufgeschobene, dringende Sanierung des Neurieder Weges, keinerlei Umsetzung von Empfehlungen aus der Machbarkeitsstudie zum Lärmschutz an der A 96. Die längst beschlossene Geschwindigkeitsmessanlage lasse ebenso auf sich warten wie ein Konzept für das Rudolf- und Maria-Gunst-Haus. Köstler: „Beim Abwarten, beim Darstellen ist man groß, aber das Zupacken und Vorwärtskommen fehlt. Wenn man Dinge nicht selber in die Hand nimmt, passiert halt auch nichts.“

Auch bei Themen wie der Kinderbetreuung und dem Wohnungsbau müsse mehr geschehen. „Wenn wir nicht in die Zukunft denken, müssen wir später Infrastruktur aus dem Boden stampfen.“ Er habe schon vor vielen Jahren ein Einheimischenmodell an der Starnberger Straße (Heitmeiersiedlung) beantragt. Peter Köstlers Resümee: „Wir wollen und werden nicht blockieren, sondern konstruktiv einfordern, was für Gräfelfing wichtig ist.“ Leider stelle man nun mal nicht den „Leiter der Gemeindeverwaltung“ und auch nicht die Mehrheit im Gemeinderat. Somit sei die CSU auf stetiges Drängen und Anschieben aus der zweiten Reihe angewiesen.

Die zweite Reihe im Ortsvorstand jedenfalls ist seit Mittwoch gänzlich neu aufgestellt und wirkt wie ein personelles Versprechen für die nächste Kommunalwahl. Während Vorsitzende Petra Schmid trotz alleiniger Kandidatur ernüchternde 20 Stimmen bei acht Gegenstimmen und zwei Enthaltungen erhielt, bekamen ihre drei neuen Stellvertreter die volle Stimmzahl der Mitglieder. Es sind dies Kai Kocher, Jurist im Bayerischen Kultusministerium, der Rechtsanwalt Wolfgang Hierl, mit langer Erfahrung in einem CSU-Kreisverband in Niederbayern und seit drei Jahren Ehemann von Petra Hierl-Schmitz, Sachgebietsleiterin im Gräfelfinger Rathaus, sowie Hans-Martin Weichbrodt, der im Landratsamt München in der Stabsstelle für Flüchtlingsunterbringung arbeitet. Ihre Vorgänger Wolfgang Ohlert, Markus Stadler und Markus Krahl hatten nicht mehr kandidiert.

JU-Chef Krahl wurde stattdessen zum Schriftführer gewählt. Und Peter Köstler, der mit seinen Ehrenämtern in Gemeinderatsfraktion und dem Vize-Bürgermeisteramt gut beschäftigt ist, blieb auf eigenen Wunsch wie bisher als Kassenwart Mitglied des CSU-Vorstands.

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