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Die von Gräfelfing geplante Entlastungsstraße entlang des Gewerbegebietes soll die Autobahn A 96 (rechts) mit der Großhaderner Straße und in Fortführung über den Neurieder Weg (ganz links) mit der Würmtalstraße verbinden. Nach einem aktuellen Vorschlag soll die gesamte Trasse als Kreisstraße definiert werden – ebenso wie die bisherige Staatsstraße 2343 (Würmtalstraße, nicht auf dem Plan).

Umwidmung geplant

Entlastungsstraße soll Kreisstraße werden

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Das Netz der Kreisstraßen im Würmtal könnte demnächst durch Umwidmung und Neubau wachsen. Auslöser ist die bisher als „kommunale Entlastungsstraße“ in Gräfelfing geplante Trasse zwischen Autobahn und Würmtalstraße. Die Gemeinde hat beim Landkreis beantragt, sie als Kreisstraße zu widmen und zu übernehmen, und Landrat Christoph Göbel zeigt sich offen dafür.

Gräfelfing– Nachdem die Gemeinde Gräfelfing 2018 beschloss, bei der Regierung von Oberbayern ein Planfeststellungsverfahren für die als „kommunale Entlastungsstraße“ gehandelte Trasse im Osten des Gewerbegebietes zu beantragen, zeigte sich bald, dass diese Vorstellung der Systematik der Straßenklassifizierung widersprach. Denn eine Straße, die ans Bundesverkehrswegenetz (Autobahn) angebunden wird, kann in der Regel keine Gemeindestraße sein, sondern muss eine überörtliche Funktion haben.

Tatsächlich würde die Gräfelfinger Straße, indem sie eine Autobahn mit einer Staatsstraße beziehungsweise zwei Orte miteinander verbindet und dabei überörtlichen Verkehr aufnimmt, der Systematik nach am ehesten dem Typus einer Kreisstraße entsprechen.

Mit dieser Auskunft der Regierung trafen sich Bürgermeisterin Uta Wüst und Landrat Christoph Göbel mit Fachleuten ihrer Verwaltungen und erörterten den Fall. In der Folge stellte die Gemeinde Gräfelfing beim Landkreis offiziell den Antrag, für die neue Trasse das Baurecht herzustellen und die Straßenbaulast zu übernehmen, das heißt, sie als Kreisstraße zu widmen.

Für Landrat Christoph Göbel ist der Straßenbau für Gräfelfing im Moment geradezu „alternativlos“. Göbel: „Ohne eine solche Verkehrserschließung wäre beispielsweise eine rechtsfehlerfreie Erweiterung des Gewerbegebietes am Lochhamer Schlag nicht möglich.“ Mehr noch: Der Landrat möchte den Gräfelfinger Antrag zum Anlass nehmen, auch die gesamte bisherige Staatsstraße 2343 (Würmtalstraße) zwischen Gräfelfing und der Landeshauptstadt zur Kreisstraße zu widmen und entsprechend rückzubauen. So entstünde eine neue Kreisstraße (oder deren zwei) in Form eines T.

Zur Begründung sagte Landrat Göbel auf Merkur-Anfrage, die Staatsstraße sei heute nur noch „ein Rumpf ihrer selbst“ und sei zudem mit vier Fahrspuren deutlich überdimensioniert. Die Straße stammt aus Planungen der 1960er Jahre, als noch eine Würmparallele vorgesehen war. Diese wurde mit Bau der A 96 vor den Olympischen Spielen obsolet; die sie kreuzende St. 2343 entstand jedoch in angedachtem Umfang – ein Straßen-Dino also. Göbel: „In dieser Breite wird die Straße nicht gebraucht, und auch nicht als Staatsstraße.“ Sie verbinde schließlich nur eine kommunale Straße der Landeshauptstadt mit der Gemeinde Gräfelfing und sei daher ebenfalls als Kreisstraße besser eingeordnet.

Nun unterbreitet die Verwaltung dem Bauausschuss des Kreistags in der Sitzung am 5. Februar folgenden Vorschlag: Der Landkreis soll als Straßenbaulastträger der neuen Entlastungsstraße in Gräfelfing zwischen Autobahn und Großhaderner Straße auftreten, sie planen und bauen. Auch der von der Gemeinde dann neu gebaute Neurieder Weg soll in die Straßenbaulast des Kreises übergehen, ebenso die bisherige Staatsstraße 2343 zwischen St. 2063 und Stadtgrenze München. Ebenfalls Teil des Vorschlags ist eine bauliche Verbesserung der gefährlichen Kreuzung Würmtalstraße / NeuriederWeg /  Lochhamer Straße, für die der Landrat sich einen großen Kreisverkehr als Lösung vorstellen kann – mit Schwerpunkt auf sicherer Wegeführung für Radfahrer.

Diese Neuordnung des Straßensystems will Göbel auch als Signal der Beruhigung an Planegg verstanden wissen. Göbel: „Es geht eben deutlich nicht um einen ,kleinen Autobahnring’ Richtung Neuried, sondern im Gegenteil um ein Herunterzoomen der Staatsstraße auf eine verschmälerte Kreisstraße, die dem System nach ja auch eine kommunale Straße ist und die eine Verbindung schlägt zwischen Gräfelfing/Autobahn und der Landeshauptstadt München – mit Erhöhung der Verkehrssicherheit an dem großen Kreuzungspunkt.“

Bürgermeisterin Uta Wüst sagte im Merkur-Gespräch, die Gemeinde Gräfelfing könne mit dieser Lösung „sehr gut leben“. Auch an der Kostenfrage werde das Projekt nicht scheitern, betonten Wüst und Göbel. Der Landkreis ist für die Finanzierung von Kreisstraßen zuständig, bezieht seine Mittel jedoch über die Kreisumlage von den Kommunen – in wesentlicher Höhe auch von Gräfelfing. Denkbar sei auch eine Errichtung in kommunaler Sonderbaulast, indem die Gemeinde in Vorleistung gehe und der Kreis die Straße später zu einem definierten Preis ablöse und übernehme. Auch dazu signalisierte Uta Wüst bereits Zustimmung, wenn das eine Bedingung werden sollte. Uta Wüst: „Wir haben mit den Kosten für diese Straße ja ohnehin gerechnet.“

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