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Kommandant Markus Fuchs (li.) ehrte Kameraden: Für langen aktiven Dienst (v.li.) Kassier Andreas Fuchs (40 Jahre), Gerätewart Gerhard Regensburger (40 Jahre), Florian Meilinger (25 Jahre), Markus Feuerer (oben, 25 Jahre), Christian Köhler (oben, 60 Jahre). Für langjährige Vereinsmitgliedschaft (unten v.li.) Ulrich Wagner (60 Jahre), Günther Irmscher (60 Jahre), Helmut Eder (50 Jahre), Johann Voggenreiter (60 Jahre). Ganz rechts 1. Vorsitzender Gerhard Fuchs.

Sorge wegen Wohnungsnot

Gräfelfinger Feuerwehr gehen die Helfer aus

Die Gräfelfinger Feuerwehr bangt um ihre Einsatzkräfte. 13 weniger als im Vorjahr sind es. Jugendwart Thomas Hickel richtet sich nun an die Gemeinde.

Gräfelfing – Als „Insel der Glückseligen“ habe der zuständige Kreisbrandrat die Jugendgruppe der Gräfelfinger Feuerwehr bezeichnet, berichtete Jugendwart Thomas Hickel erfreut bei der Jahreshauptversammlung. 30 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren lassen sich derzeit in der örtlichen Wehr ausbilden. Trotzdem schlug Kommandant Markus Fuchs im überfüllten Schulungsraum Alarm: „Unsere Tagesstärke ist nicht optimal.“

Die Zahl der aktiven Feuerwehrleute in Gräfelfing sank in einem Jahr von 92 auf 79. Zwölf der Freiwilligen sind Frauen. „Wir bilden viele Kameradinnen und Kameraden teuer aus“, appellierte der Kommandant an die anwesende Bürgermeisterin Uta Wüst und den Gemeinderat, aber: „Weil sich viele junge Feuerwehrleute hier keine teure Wohnung leisten können, ziehen sie weg.“ Deshalb „müssen wir am Ball bleiben“ – mit bezahlbarem Wohnraum, so der Kommandant.

Auch Beispiele wie das von Nadine Nißl müssten mehr Schule machen. Die Seiteneinsteigerin aus dem öffentlichen Dienst kam 2016 zur Gräfelfinger Wehr. Im Hauptberuf ist die 23-Jährige Erzieherin im Gemeinde-Kindergarten Rappelkiste. Jörg Regensburger, der Sohn des Gräfelfinger Gerätewarts, habe ihr für die Baum-Rettungsaktion einer Katze entscheidende Tipps gegeben und sie dann zur Gräfelfinger Wehr eingeladen, erzählte Nadine Nißl dem Merkur. Heute ist die Erzieherin eine der Aktiven.

Die Jahresbilanz 2016 ist trotzdem stattlich: Von 18 auf 23 stieg die Zahl der klassischen Brandeinsätze. Nach dem Orkan Niklas sanken die Sturmeinsätze vom Rekord 201 zwar auf nur noch 18 im Vorjahr. Doch weil auch die Gräfelfinger Bevölkerung immer älter wird, gab es mehr Wohnungsöffnungen „bei akuter Gefahr“, nämlich 19.

Insgesamt 15 204 ehrenamtliche Stunden leisteten die Freiwilligen 2016. Dies entspreche 300 000 Euro Lohnkosten, betonte Markus Fuchs. Spektakulär und zugleich tragisch war der Großbrand in einer Autowerkstatt in der Kraillinger KIM. Am Nachmittag des 8. Januar 2016 waren dort alle Würmtaler Wehren unter schwerem Atemschutz im Einsatz. Ein Wasserrohrbruch im neu eröffneten Würmtal-Center Planegg, aber auch ein Zimmerbrand mit einer zu rettenden Person an der Tassilostraße setzten die Freiwilligen unter anderem in Marsch. Auch beim Amoklauf im Münchner Olympia-Einkaufszentrum am 22. Juli waren die Gräfelfinger bei der Sicherung des Hubschrauberlandeplatzes Oberschleißheim dabei – im Rahmen des Sonderalarmplans für die Fußball-WM 2006. Unwetter-Einsätze an der überfluteten Würm hielten die Freiwilligen im vergangenen Sommer in Atem. Dramatisch war der Einsatz der Gräfelfinger beim Verkehrsunfall auf der A 99 vor der Ausfahrt Freiham Ende August: Drei Lastwagen und zwei Pkw waren kollidiert, drei Personen mittelschwer bis schwer verletzt.

„Wir sind top ausgerüstet“, freute sich der Kommandant über den einstimmigen Ratsbeschluss zur Anschaffung des neuen Ersatz-Rüstwagens. Aber Zu- und Abfahrt am Gräfelfinger Gerätehaus mit parkenden Autos und Bushaltestelle seien „suboptimal“. Und bei der mangelhaften Beleuchtung des Gerätehauses gelte leider: „Dunkel war’s, der Mond schien helle“, bemerkte Markus Fuchs.

Christine Cless-Wesle

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