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Gräfelfinger heiß auf Geothermie

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Von: Martin Schullerus

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Arbeiter an einem Bohrkopf: Gräfelfing prüft den Einstieg in die Geothermie. © dpa

Eine Marktanalyse hat gezeigt: die Gräfelfinger stehen der Geothermie in Form von Fernwärme für Privathaushalte und Unternehmen äußerst aufgeschlossen gegenüber. Das gibt dem Gemeinderat Rückenwind. Das Projekt soll konkretisiert werden.

Gräfelfing – „In Gräfelfing ist uns viel Zustimmung begegnet“, berichtete Frank Pillert vom Büro energie.concept.bayern (ecb) im Gemeinderat. In den letzten Wochen hatten er und seine Kollegen mit 393 Hausherren in Gräfelfing Kontakt aufgenommen und ihre Bereitschaft für einen Vorvertrag zum Bezug von Fernwärme abgefragt. Ergebnis: 69 Prozent zeigten Interesse, 23 Prozent erhielten schon einen Vorvertrag, und dieser Prozess läuft noch.

Die Gründe für diese Aufgeschlossenheit sind vielfältig. Umweltgründe, Kostengründe (erwartete Preissteigerungen bei Öl und Gas), platzsparende, einfache Wärmeübernahme, Vertrauen in die Gemeinde als Lieferanten. Pillert: „Viele Gräfelfinger sehen das äußerst positiv, auch wenn es ein bisschen mehr kosten würde.“ Bisher verfügten 72 Prozent der untersuchten Objekte über Gasheizungen, 18 hätten Öl-Heizkessel.

Ein Anwalt der Kanzlei Rödl und Partner stellte das Preiskonzept und die Wirtschaftlichkeit vor. Der Preis für eine Megawattstunde (MWh) würde 82 Euro betragen und zum Großteil (53 Euro) aus einem fixen Grundpreis bestehen. Die vergleichsweise kleine Variable, die dem Verbrauch zukomme, werde für hohe Preisstabilität sorgen. Öl liege um 20 Prozent darüber, und selbst Gas sei noch geringfügig teurer. Die Gemeinde müsse mit Investitionen von 30 Millionen (Teilausbau) bzw. 36 Millionen Euro (Vollausbau) rechnen. Am wichtigsten für die Wirtschaftlichkeit sei bei hohem Grundpreis eine möglichst große Zahl angeschlossener Nutzer. Bei Vollausbau würden die Investitionen im Jahr 2030 amortisiert sein, bei Teilausbau etwa 2042. Bürgermeisterin Uta Wüst sagte, in Planegg und sogar in Neuried gebe es Interesse.

Bis auf die SPD nahmen die Fraktionen den Bericht positiv auf. Jörg Scholler (FDP) erinnerte an die Henne-Ei-Frage und sagte: „Es braucht eine Vorleistung, sonst wird nie was draus. Dies ist aber das einzige nachhaltige Zukunftsprojekt der Gemeinde im Bereich Energie.“

Bürgermeisterin Uta Wüst sah es ebenfalls als „tolle Cheance“ und betonte, die Gemeinde wolle damit kein Geld verdienen; es solle sich nur tragen. Auch Petra Schmid (CSU) mahnte, nach so vielen Untersuchungen und Expertisen zur Tat zu schreiten. Nur Franz Lang (SPD) bezweifelte die Wirtschaftlichkeit und sprach von einer „Geldvernichtungsmaschine“. Gegen Langs Stimme beschloss der Gemeinderat, das Projekt fortzusetzen. Die Gemeinde, die die Bohrrechte besitzt, muss sich einen Projektpartner suchen. Sodann muss die Planung ausgeschrieben und die Bevölkerung einbezogen werden.

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