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Brutalismus in Reinkultur: Das Gräfelfinger Rathaus (eingeweiht 1968) steht nun unter Denkmalschutz. Eine Erweiterung ist damit stark erschwert worden. 

Architektur des „Brutalismus“

Gräfelfinger Rathaus unter Denkmalschutz

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„Brutalismus“ ist kein Schimpfwort, sondern ein Architekturstil. Und weil das Gräfelfinger Rathaus Brutalismus in Reinkultur verkörpert, steht es jetzt unter Denkmalschutz. Darüber ist nicht jeder in Gräfelfing glücklich.

Gräfelfing– Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat das Gräfelfinger Rathaus in seine Liste der Einzeldenkmäler aufgenommen, vulgo: unter Denkmalschutz gestellt. Das Rathaus ist auch für Laien unverkennbar ein Kind seiner Zeit. Von den Architekten Werner Böninger und Peter Biedermann 1966/67 geplant und gebaut, ging der Verwaltungsbau mit der Einweihung 1968 in Betrieb. Typisch sind eine konsequente, transparente Material- und Formensprache sowie auf Funktionalität ausgerichtete Konzeption. Vor allem der Sichtbeton bestimmt das äußere und innere Erscheinungsbild. Selbst gestalterische Elemente wie die Lamellen an der Südseite im zweiten Stock sind nackter Beton.

Das Gräfelfinger Rathaus, das schon Generationen von Architekturstudenten als Anschauungsobjekt diente, stand bereits länger auf der Vormerkliste der Denkmalschützer. Bürgermeisterin Uta Wüst, die Mitglied im Landesdenkmalrat und bekennender Fan alter Gebäude und ihres Erhalts ist, beteuerte am Montag auf Merkur-Anfrage, in dieser Sache „nichts aktiv betrieben oder beantragt“ zu haben. Dazu hatte sie auch keinen Auftrag des Gemeinderates. Allerdings wäre der für die Klassifizierung als Denkmal keine Voraussetzung und eine Ablehnung kein Hinderungsgrund.

Durch  50-Jahr-Feier auf Gebäude aufmerksam geworden

Nach Auskunft von Uta Wüst wurde das Landesamt, das in seiner Entscheidung völlig frei ist, wohl durch die 50-Jahr-Feier des Rathauses 2018 erneut auf das Gebäude und seinen Wert aufmerksam. Im Herbst 2019 fand eine Begehung durch Denkmalschützer statt, die sich über ein in weiten Teilen original erhaltenes Inneres und Äußeres freuten. Bei dieser Gelegenheit, so Uta Wüst, habe sie schon darauf hingewiesen, dass die Gemeinde das Rathaus unter Umständen erweitern möchte. Mündlich habe es geheißen, dass ein Anbau, wie er in den Ursprungsplänen der Architekten für den westlichen Bereich (Parkplatz) vorgesehen war und nie umgesetzt wurde, wohl möglich bliebe. Eine Aufstockung hingegen nicht. Jedenfalls freue sie sich über den Denkmalschutz fürs Rathaus, auch wenn er eine „Herausforderung“ werde, sagte die Bürgermeisterin.

Rathaus-Erweiterung dürfte hinfällig sein

Diese Freude kann Vizebürgermeister Peter Köstler (CSU) nicht teilen. Wie der Zufall es will, steht just am Donnerstag dieser Woche ein Antrag Köstlers im Bauausschuss auf der Tagesordnung, der eine zeitnahe Prüfung von „Varianten einer räumlichen / baulichen Erweiterung des Rathauses“ zum Inhalt hat – ein Plan, der nun weitgehend hinfällig sein dürfte. Peter Köstler: „Ein solches Zweckgebäude unter Denkmalschutz ist eine Katastrophe. Es ist ein tiefer Einschnitt, der uns in unserer Selbstverwaltung und Handlungsfreiheit auf ewig bindet und einschränkt. Wir benötigen dringend mehr Platz für eine moderne Verwaltung.“

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