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René Greiner, Gräfelfinger Unternehmer und Hobby-Segler, beteiligte sich als Co-Kapitän der „Seefuchs“ an der Rettung von Flüchtlingen.

Freiwilliger Einsatz eines Gräfelfingers

Zwei Wochen lang Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet

René Greiner aus Gräfelfing rettete als Freiwilliger zwei Wochen lang Flüchtlinge aus dem Mittelmeer. Was er erlebt hat, macht ihn wütend. Aber er denkt schon an den nächsten Einsatz. Für ihn zählt nur, „dass Menschen nicht ertrinken“.

Gräfelfing – „Das ist für mich organisierter Mord“, sagt René Greiner (54) aus Gräfelfing. Wenn er an die Schmuggler denkt, die Flüchtlinge von Libyen übers Meer nach Europa schicken, wird er wütend. Zu viele Menschen lassen auf dieser Reise ihr Leben.

Zwei Wochen lang war der Inhaber einer Werbeagentur als Co-Skipper mit zehn weiteren ehrenamtlichen Helfern auf der „Seefuchs“ vor der Küste Libyens im Einsatz, um Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren. Die Aufgabe der Crew bestand darin, Flüchtlingsboote zu suchen, die Personen zu stabilisieren und sie auf größere Schiffe abzubergen, die die Flüchtlinge an Bord nehmen.

Im Anschluss an Rettungsaktionen werden die Boote der Flüchtlinge nach Möglichkeit versenkt. So soll verhindert werden, dass sie ein weiteres Mal zum Einsatz kommen. „Es ist nicht unser Ziel, dass viele Leute aufs Meer kommen, sondern dass Menschen vor dem Ertrinken gerettet werden“, erklärt Greiner.

Seine ersten Tage auf dem Schiff der Hilfsorganisation Sea-Eye waren ungemütlich. Fast alle Crewmitglieder wurden seekrank. „Wir hatten anfangs relativ viel Wind und hohe Wellen“, sagt er. Doch das hatte etwas für sich: „Den verbrecherischen Menschenschmugglern in Libyen war es da nicht möglich, Boote aufs Meer zu bringen.“ Dann aber flaute der Wind ab.

„Wie erwartet, haben die dann alles rausgeschickt, was ging“, sagt Greiner. Innerhalb von drei Tagen retteten er und seine Crew rund 200 Menschen das Leben. Alleine in einem einzigen Schlauchboot entdeckte die Crew der „Seefuchs“ 146 Menschen. „Wenn die nicht gefunden worden wären, hätten sie den Tag nicht überlebt“, ist er sicher. Die Flüchtlinge seien bereits neun Stunden auf See gewesen. „Ohne Essen, ohne Trinken und der Sonne schutzlos ausgeliefert.“ Dazu wenig Benzin und keine Navigationsmöglichkeit, erinnert sich Greiner. Als die „Seefuchs“ das Schlauchboot erreichte, seien bereits sechs Menschen bewusstlos gewesen, darunter zwei Schwangere und ein Mann mit einer gebrochenen Schulter. Auf der „Seefuchs“ seien sie medizinisch versorgt worden, alle anderen bekamen Schwimmwesten und Trinkwasser. Dann sei die italienische Küstenwache gekommen und habe alle Flüchtlinge an Bord genommen. „Die waren wirklich Klasse“, sagt Greiner.

40 weitere Menschen retteten sie aus einem Holzboot – die meisten hatten keine Schwimmwesten. „Von diesem Holzboot wissen wir, dass mit ihm am gleichen Tag ein weiteres Boot rausgefahren ist. Aber das hat keiner gefunden.“ Die wenigen von den Menschenschmugglern verteilten Schwimmwesten taugten oft nicht dazu, Leben zu retten, und die Boote böten auf dem Mittelmeer wenig Sicherheit, sagt Greiner. Und er hat Menschen beobachtet, die den Flüchtlingsbooten auf offenem Meer auch noch die Motoren klauten, so genannte Engine-Fisher.

Greiner ist nicht blauäugig, was die Situation der Flüchtlinge betrifft. Er geht davon aus, dass viele wieder aus Europa abgeschoben werden. „Und in Italien wird sie nichts Gutes erwarten, weil Italien von den anderen EU-Staaten auch weitgehend alleine gelassen wird“, glaubt er. Aber der Hobbysegler will vermeiden, dass Menschen ertrinken.

René Greiner scheint seine Aufgabe gut gemacht zu haben. Sea-Eye habe bei ihm bereits angefragt, ob er an einer weiteren Mission teilnehmen wolle. „Ich könnte mir vorstellen, das im nächsten Jahr noch einmal zu machen“, sagt er. Die dankbaren Gesichter der Geretteten wird er so schnell nicht vergessen – genauso wie seine Wut über die Menschenschmuggler und Engine-Fisher.

Victoria Strachwitz

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