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Udo Wenisch sagt servus: Am Samstag absolvierte er seinen letzten Einsatz als Polizist – bei der Absicherung des jährlichen Gedenkzugs, hier am Gräfelfinger Friedhof.

Polizeioberkommissar Udo Wenisch verabschiedet sich

Das freundliche Gesicht der Polizei

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„Ich gehe mit zwei lachenden Augen“, sagt Udo Wenisch. Der Polizeioberkommissar, den in Gräfelfing viele einfach nur „der Udo“ nennen, tritt mit 60 Jahren seinen Ruhestand an.

Gräfelfing– Die letzten 26 Dienstjahre war Udo Wenisch Kontaktbeamter in der Gemeinde Gräfelfing. Dass die Einrichtung des Kontaktbeamten Sinn hat, dafür war „der Udo“ täglich der lebende Beweis. „Mein Ziel war immer das freundschaftliche Miteinander mit dem Bürger; den Leuten helfen, Schutz und Sicherheit vermitteln, möglichst auf gleicher Augenhöhe“, sagt Udo Wenisch im Rückblick.

Zur Höchstform lief der Beamte auf, wenn es um Kinder ging. Kein Gräfelfinger, der sich nicht an ihn erinnert, wie er Ruhe und Freundlichkeit ausstrahlend und zugleich aufmerksam den Schulweg der Kleinsten überwachte. Er wies nicht nur Schulweghelfer ein und referierte vor Eltern und Schülern, er war auch ganz praktisch über Jahrzehnte der oberste Schutzengel auf dem Schulweg der Gräfelfinger Kinder – ein netter Plausch bevor die Ampel auf Grün sprang inklusive.

Dabei hatte die Polizeilaufbahn, die Udo Wenisch schon in die Wiege gelegt wurde – sein Vater war zuletzt Kontaktbeamter in Pasing – auch weit weniger harmonische Ereignisse aufzuweisen. Als beim Wiesn-Attentat 1980 die Bombe hoch ging, war Udo Wenisch nur 100 Meter entfernt damit befasst, einen gesuchten Straftäter festzunehmen. Das Grauen und Chaos der nächsten Stunden werde ihn sein Leben lang begleiten, sagt der Polizist. Wenig später wechselte er ins Würmtal.

Auch hier blieben Tiefschläge nicht aus. Besonders der Mord an den beiden Mädchen in Krailling nahm Udo Wenisch, der die Familie gut kannte, auch ganz persönlich mit. Er und seine Frau sind selbst Eltern von vier erwachsenen Kindern. Am Ende seiner Laufbahn ist Udo Wenisch ausgesprochen dankbar, dass er von seiner Dienstwaffe nie Gebrauch machen musste. „Ich habe sie höchstens zum Selbstschutz mal zur Hand genommen, aber nie geschossen“, sagt er.

In der Erinnerung überwiegen denn auch die humoristischen, menschlichen Anekdoten und Begebenheiten, die ein glimpfliches Ende nahmen. Wie das Missgeschick einer Autofahrerin, die den im Bau befindlichen Kreisverkehr an der Kreuzung Lochhamer/Friedenstraße übersah und mit ihrem Fahrzeug schaukelnd auf der Hügelkuppe hängen blieb. Oder der Heckenbrand in einer Freinacht in Lochham, den Wenisch mit dem Gartenschlauch des Nachbarn gleich mal löschte und der eintreffenden Feuerwehr „Feuer aus“ meldete.

„Aber am meisten in meiner beruflichen Laufbahn haben mir die Kinder gegeben“, sagt Wenisch. Er erzählt schmunzelnd, dass er sogar schon mal als Hilfslehrer den Sportunterricht übernahm: Auf dem Gräfelfinger Pausenhof hatte er, uniformiert wie er war, mit ein paar Jungs gekickt. Da bat ihn die Lehrerin, sie ein paar Minuten zu vertreten, weil sie im Schulhaus gebraucht wurde. Zu Udo Wenischs Hobbys und ehrenamtlichen Tätigkeiten zählte Fußball ohnhein: Im heimischen Inning am Ammersee war er 18 Jahre lang Jugendfußballtrainer beim SV Inning.

Auf den Ruhestand freut Udo Wenisch sich denn auch wie ein Kind. Er will endlich seine Modelleisenbahn ordentlich aufbauen. Er will mit seiner Frau und den neuen Fahrrädern auf Tour gehen. Er will Motorrad fahren, Städtereisen machen und die wenigen Musicals besuchen, die er in Deutschland noch nicht kennt. Und nicht zuletzt wird er in Inning Schulweghelfer sein, wie er es bisher in Gräfelfing war. Allerdings ehrenamtlich. Und ohne Polizeiuniform.

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