Fester Bestandteil des Unterrichts

Grundschule Lochham: Hündin Lilly hilft beim Lernen

Ein Schulhund im Klassenzimmer – was von vielen Eltern anfangs misstrauisch beäugt wurde, wird seit zwei Jahren in der Lochhamer Grundschule erfolgreich umgesetzt.

Lochham– Seit zwei Jahren bringt Lehrerin Ramona Beiling ihre Hündin Lilly mit in in ihre Klasse. Alle Zweitklässler der Lochhamer Grundschule haben die Ausbildung des Projekts „Beißt der?“ absolviert, um ebenfalls die Möglichkeit zu haben, Zeit mit Lilly zu verbringen.

Das Projekt wurde vor vier Jahren von Hildegard Jung nach häuslichen Angriffen von Hunden auf Kinder modifiziert und ergänzt und bringt den Zweitklässlern den richtigen Umgang mit Hunden bei. In einer Theoriestunde lernen die Kinder, wie Hunde reagieren und wie die Kinder sich gegenüber bekannten und unbekannten Hunden richtig verhalten. Beispielsweise, wie man dem Hund die kalte Schulter zeigt und damit Desinteresse vermittelt. In einer zweiten Trainingsstunde von typischen Alltagssituationen wird das Ganze mit ausgewählten Schulhunden interaktiv vertieft. Das Ziel des Trainings ist es, den Kindern Sicherheit im Umgang mit Hunden zu vermitteln.

Jährliche Spezialprüfung

Lilly hat eine intensive Ausbildung hinter sich, denn nicht jeder Hund eignet sich als Schulhund. Die Ausbildung unterteilt sich in Theorie und Praxis. Ramona Beiling und ihre Hündin waren zu diesem Zweck an Wochenenden verteilt über ein halbes Jahr unterwegs. „Die Hunde müssen charakterfest und ruhig sein, außerdem erfolgt jährlich eine Spezialprüfung“, erklärt die Lehrerin.

Viele Eltern hatten anfangs Misstrauen, dass ein Schulhund die Kinder vom Lernen abhielte. Das war nicht der Fall, bestätigt Beiling, „nur ganz am Anfang war Lilly eine spannende Ablenkung“. Schon kurz danach festigte sich eine Routine im Schulalltag mit Hund: Während der Arbeitszeit der Kinder liegt die Hündin im Korb vor dem Pult, wo sie auch von niemandem gestört werden darf. Lilly beeinflusst den Schulalltag und die Schüler positiv. Die Kinder sind ruhiger und empathischer, sie lernen Verantwortung zu übernehmen und sich um den Hund zu kümmern. Viele Kinder haben kein Haustier, für sie ist es der erste nähere Kontakt mit einem Tier. „Wenn es zu laut wird, geht die Hündin raus, dann merken die Kinder, dass sie zu laut waren“, erzählt Ramona Beiling. Die Einführung einer Lärmampel war zuvor gescheitert; in der Anwesenheit von Lilly klappt es aber mit der Regulierung der Lautstärke. Die Kinder lesen der Hündin oft vor oder dürfen ihr, nachdem sie beispielsweise alle Lernwörter aufgeschrieben haben, ein Leckerli geben und mit ihr an die frische Luft gehen. „Das ist sowohl für Schüler als auch für den Hund eine Belohnung“, sagt Beiling. Darüber hinaus werden Hunde auch oft als Ersatz für eine Bezugsperson angesehen. In der Lochhamer Grundschule gibt es extra einen Raum, in den die Kinder sich mit dem Hund alleine zurückziehen können. Lilly ist mittlerweile nur noch zwei- bis dreimal pro Woche im Unterricht dabei, denn das ist mit Arbeit und Stress für den Hund selbst verbunden.

Kollegin lässt ihren Hund ebenfalls ausbilden

Im Rahmen des Projekts „Beißt der?“ waren Ramona Beiling und Lilly schon in über 20 Schulen unterwegs, sie wurden von verschiedenen Schulen im Würmtal, München und Umgebung angefragt. Die Idee, den eigenen Hund zum Schulhund ausbilden zu lassen, zieht Kreise. Nachdem das Projekt bei Ramona Beiling und ihrer Klasse so gut funktioniert hat, lässt eine weitere Kollegin der Grundschule Lochham ihren Hund ausbilden; auch in Planegg soll bald ein Vierbeiner den Unterricht begleiten.

Die Schülerzahlen im Würmtal sind übrigens rückläufig.

Jana Zwerger

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Coronavirus erreicht das Würmtal
Das Würmtal ist unversehens zum Schauplatz der ersten Coronavirus-Infektion in Deutschland geworden. Beim Stockdorfer Automobilzulieferer Webasto steckte eine …
Coronavirus erreicht das Würmtal
Gemeinde forciert LED-Umrüstung der Straßenbeleuchtung
Die Gemeinde Gräfelfing gibt Gas: Bis 2024 sollen sämtliche Straßenleuchten auf LED umgerüstet sein. 
Gemeinde forciert LED-Umrüstung der Straßenbeleuchtung
Ausbau zum Symbol der Verbindung von Planegg und Martinsried 
Der Gräfelfinger Weg zwischen Martinsried und Planegg wird zum „Weg der Begegnung und Erholung“ ausgebaut. Für SPD-Fraktionssprecher Felix Kempf ist er „ein wunderbares …
Ausbau zum Symbol der Verbindung von Planegg und Martinsried 
Die Schwester grün, der Bruder rot
Korbinian Rüger (31) ist seit acht Jahren Parteimitglied, seine Schwester Alexandra (33) seit einem. Beide kandidieren bei der Kommunalwahl am 15. März für den Planegger …
Die Schwester grün, der Bruder rot

Kommentare