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„Erst denken, dann bauen!“: Mit Schildern und Wortmeldungen brachten die Bewohner der Heitmeiersiedlung ihre Empörung zum Ausdruck.

Keine Annäherung auf der Veranstaltung „Wohnen und Verkehr in Gräfelfing“

Heitmeiersiedlung im Protest vereint

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Bürgermeisterin Uta Wüst hat am Mittwochabend die geballte Empörung der Bewohner der Heitmeiersiedlung zu spüren bekommen. Erst als die Wut sich Luft gemacht hatte, kam es zu einem Gespräch – freilich ohne jede Annäherung.

Gräfelfing– Eine gähnend leere Mehrzweckhalle, lediglich in den Ecken je zwei Stellwände mit Plänen – dieses Bild erwartete die Besucher der Veranstaltung „Wohnen und Verkehr in Gräfelfing“ am Mittwochabend. Dahinter steckte ein spezielles „Format“ für die Veranstaltung, wie Bürgermeisterin Uta Wüst erläuterte: Nach einer kurzen Einleitung und einer Präsentation der städtebaulichen Studie zur angedachten Bebauung im Osten der Heitmeiersiedlung sollte man in Grüppchen die Pinnwände aufsuchen und im Kleingespräch Fragen stellen und Antworten bekommen.

Sollte die Bürgermeisterin mit dieser Versuchsanordnung bezweckt haben, eine unangenehme Debatte im Plenum zu vermeiden, ging der Plan schief. Die gut 200 Besucher schleppten nicht nur einige Dutzend Stühle in die Halle und ließen sich gemütlich darauf nieder, sondern forderten lautstark und mit Protestschildern bewehrt eine gemeinsame Diskussion. Die Bürgermeisterin hielt zwar an ihrem „Format“ fest, doch mit dem Ergebnis, dass 90 Prozent der Teilnehmer sich um die Tafeln mit den Heitmeier-Plänen scharten, weil die Bewohner des Ortsteils jenseits der Autobahn das Gros der Veranstaltung bildeten. Somit war das Plenum wieder hergestellt.

Inhaltlich ging es erst recht zur Sache. Anette Lippert, die Sprecherin des Heitmeier-Protestes, zeigte mit ihrem Fragenkatalog, dass die Siedlung sich in großer Geschlossenheit mit mehreren Treffen auf den Abend vorbereitet hatte. Lippert: „Wir sind nicht komplett gegen eine Bebauung. Aber eine Steigerung der Bewohnerzahl um 200 Prozent verändert den Charakter der Heitmeiersiedlung komplett. Das ist indiskutabel.“ Wie berichtet, sieht die Studie des Planungsverbands 250 neue Wohnungen in Mehrfamilienhäusern vom Reihenhaus bis zum vierstöckigen Block vor, in denen 700 neue Bewohner Platz fänden. Heute leben in der Heitmeiersiedlung 417 Menschen. Diese fühlten sich von den Plänen überfahren, so Lippert. Und es habe sie „wahnsinnig aufgeregt“, aus dem Bauausschuss zu erfahren, dass die „Gartenstadt gesichert“ werden solle durch alternative Wohnformen außerhalb. Lippert: „Frau Wüst, gehören wir zur Gartenstadt, oder nicht?“

Die Bürgermeisterin stellte immer wieder klar, dass es nicht ausreichen werde, dem Bedarf an günstigem Wohnraum mit Einfamilienhäusern zu begegnen – zumal bei den Gräfelfinger Grundstückspreisen. Die Fläche an der Heitmeiersiedlung sei der größte zusammenhängende mögliche Baugrund in Gemeindehand. Deshalb sei hier Geschosswohnungsbau sinnvoll. Zentralere Alternativen gebe es auf dem Doemens-Grundstück, an der Steinkirchner Straße und an den Bahnhöfen zwar auch, doch seien sie kleiner und nicht so schnell verfügbar. Zudem sei lediglich eine schrittweise Bebauung gestreckt auf 20 bis 30 Jahre angedacht. Von einer Bebauung auf diesem Areal werde sie bei aller Diskussionsbereitschaft jedenfalls nicht gänzlich abrücken.

Nicht nur die schiere Baumasse, auch die damit einhergehende Verkehrszunahme in der engen Siedlung empört die Bewohner. Sie fürchten einen Verkehrskollaps in der Turmair- und Leharstraße und erst recht an der Einfahrt in die Pasinger Straße. Verkehrsplaner Helmuth Ammerl bestätigte, die Kreuzung sei heute bereits „an der Grenze der Leistungsfähigkeit“ und werde durch das Bauprojekt bis zu fünf Prozent mehr Verkehr bekommen. Darauf müsse man mit längeren Grünphasen für die Turmairstraße reagieren, in der der Verkehr sich von heute 700 Autos auf 1400 Autos pro Tag verdoppeln werde. Uta Wüst verwies auf eine Verkehrsuntersuchung zu dem Thema, deren Ergebnisse ausstünden. Ob und in welcher Weise eine zusätzliche Erschließung geplant werde, sei daher noch offen; sie werde jedoch erst bei Umsetzung der gesamten Planung nötig.

Den Diskussionsprozess mit den Bürgern möchte die Gemeinde fortführen. Die Besucher konnten ihre Kritikpunkte und Vorschläge auf Zettel schreiben und an die Stellwände pinnen.

Zum Abschluss rügte Anette Lippert die Informationspolitik der Gemeinde bei diesem Thema und überreichte Uta Wüst Listen mit Unterschriften von 80 Prozent der Bewohner der Heitmeiersiedlung, die den Überlegungen in der jetzigen Dimension eine Absage erteilten. Außerdem übergab sie eine Präsentation, die die Heitmeier-Bewohner an diesem Abend eigentlich halten wollten – doch dafür bot das Format keinen Raum.

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