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Gemeinsam mit der Crew der „Seefuchs“ hat Skipper René Greiner aus Gräfelfing schon vielen Flüchtlingen im Mittelmeer das Leben gerettet.

Seenotretter aus Gräfelfing

Helfer weist Vorwürfe als zynisch zurück

Die Lage für die Flüchtlinge und deren Helfer auf dem Mittelmeer hat sich drastisch verschlechtert. Der Gräfelfinger René Greiner, der heuer zwei Wochen lang mit seiner Crew rund 200 Flüchtlingen vor der Küste Libyens das Leben rettete, betrachtet die Veränderungen mit Sorge.

Gräfelfing – Eigentlich plant Greiner, im kommenden Jahr noch einmal als Skipper der „Seefuchs“ die Organisation Sea-Eye zu unterstützen. Aber er hat Familie und ein Unternehmen. Nur wenn es die Sicherheitslage erlaubt, ist er wieder dabei. Und er stellt fest: „Momentan schaut es nicht so danach aus, als ob das so wäre.“

Die angespannte Lage im Mittelmeer veranlasste die Organisation Sea-Eye zwischenzeitlich gar, einen Monat auszusetzen. Doch aufgrund der großen Not der Flüchtlinge sind ihre beiden Schiffe seit 9. September wieder im Einsatz. Italien verlange, dass „Sea-Eye“ und weitere Organisationen einen Verhaltenskodex unterschreiben, der für die Seenotretter gelten solle, erklärt Greiner. „Manches darin ist selbstverständlich.“ Beispielsweise sei es untersagt, Kontakt zu Schleppern aufzunehmen. „Manches ist fast undurchführbar.“ Beispielsweise, dass die „Seefuchs“ künftig nicht, wie gehabt, Menschen an größere Schiffe übergeben dürfe. Sie solle sie selbst in den nächstgelegenen Hafen bringen. Als Greiner und seine Crew im Juni ein Schlauchboot mit 146 Flüchtlingen an Bord entdeckten, übergaben sie die Menschen der Italienischen Küstenwache. „Ich kann nicht 120 Leute oder mehr aufnehmen ohne Toiletten, Verpflegung und sichere Sitzmöglichkeiten. Wir hatten sechs Verletzte an Bord, das hat völlig ausgereicht“, sagt er. Die Verantwortlichen von „Sea-Eye“ seien bereit gewesen, fast alle Punkte in dem Regelwerk zu unterschreiben, aber ein paar Punkte nicht. Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags sehe die Situation ähnlich. Die Lage der Helfer ist daher noch nicht geklärt.

Derweil habe Libyen kürzlich sein Küstenmeer von zwölf auf rund 70 Seemeilen ausgeweitet. „Die Europäische Union akzeptiert eigentlich diesen erweiterten rechtsfreien Raum“, beklagt er. Denn die EU unternehme nichts dagegen. In diesen Raum trauten sich die Hilfsorganisationen nun kaum mehr hinein. „Auf 70 Seemeilen hat das Retten aber wenig Sinn, weil es da relativ wenig Überlebende geben kann bei der Ausstattung“, meint er.

Was ihn ärgert, ist die Kritik, die den Seenotrettern in ihrer Heimat oft entgegenschlägt, sie lockten die Flüchtlinge erst an. „Das ist zynisch“, sagt Greiner. „Die Organisationen haben sich gegründet, weil laufend Leute ertrunken sind. Jetzt zu sagen, die Organisationen seien Schuld, dass so viele Flüchtlinge kommen – dazu fällt mir nichts ein.“ Man müsse die Ursachen der Flucht bekämpfen, findet er. Greiner zieht folgenden Vergleich: Man könne auch nicht die Feuerwehr abschaffen, weil es Leute gibt, die zündeln.

Da der Winter naht, werden bald weniger Flüchtlinge den Weg über das Mittelmeer nach Europa antreten. Bis zum Frühjahr kann sich die Lage für sie und die Helfer wieder ändern. Vielleicht fährt Greiner dann wieder raus, um Menschenleben zu retten.

Victoria Strachwitz

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