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Haftmittel ermöglicht technisch anspruchsvollen Handball, wie ihn die Damen 1, hier Vera Laipple (l.), und die Herren 1 der HSG Würm-Mitte praktizieren. Es sorgt aber auch für unschöne Flecken auf dem Ball und klebrige Spuren auf dem Hallenboden, an den Wänden, Türklinken und Bänken. In der 3. Liga, wo die Damen 1 hinstreben, und der Jugend-Bundesliga, die die weibliche A-Jugend erreichen will, ist Harz obligatorisch.

Heimspielstätte Kurt-Huber-Gymnasium

HSG Würm-Mitte bangt um ihre Existenz

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Die Handballspielgemeinschaft Würm-Mitte ist so erfolgreich wie nie zuvor. Doch durch eine Entscheidung der Gemeinde Gräfelfing sieht sie sich in ihrer Existenz bedroht. Diese will 30 000 bis 40 000 Euro Reinigungskosten jährlich auf die Handballer abwälzen.

Gräfelfing – 31 Jahre nach Gründung der Spielgemeinschaft von TSV Gräfelfing und TV Planegg-Krailling boomt Handball im Würmtal. An Heimspieltagen strömen teils über 300 Zuschauer in die Halle des Kurt-Huber-Gymnasiums. „Das hat gesellschaftlich eine gewisse Bedeutung“, sagt HSG-Leiter Benedikt Waterloo. Die erste Damenmannschaft ist als Spitzenreiter der Bayernliga auf dem besten Weg, in die 3. Liga aufzusteigen und der HSG-Erfolgsgeschichte ein weiteres Kapitel hinzuzufügen. Die erste Herrenmannschaft hat Aussichten, in die Bayernliga einzuziehen. Die weibliche A-Jugend hat gerade ein Projekt gestartet, das sie in die Jugend-Bundesliga bringen soll. Alle drei Mannschaften verwenden, wie es in ihren Ligen üblich ist, Haftmittel, Harz genannt, um einen besseren Grip zu haben und technisch auf hohem Niveau spielen zu können. Auch die weibliche B-Jugend benutzt Harz. Der Rest spielt so niederklassig, dass er ohne auskommt.

Das Haftmittel, das sich die Handballer vor Training und Partie auf die Finger schmieren, überträgt sich auf den Ball. Wo der Ball aufkommt, bleiben klebrige Flecken. Im Frühjahr 2015 erließ die Gemeinde Planegg in den Hallen des Feodor-Lynen-Gymnasiums, die ebenfalls von der HSG genutzt werden, ein Harzverbot. Gräfelfing, traditionell Würm-Mittes Heimspielstätte, zog wenige Wochen später nach. Auch weil es vermehrt Beschwerden vonseiten des KHG gegeben hatte, der unzureichend gereinigte Boden erhöhe die Verletzungsgefahr im Sportunterricht. Bei einem Gespräch im Rathaus fanden Vereinsvertreter und Gemeindeverwaltung einen Kompromiss. Die Handballer übernahmen es, am Ende eines Trainingsabends oder Heimspieltages das Haftmittel von Wänden, Bänken und Türklinken zu entfernen, die Gemeinde die Kosten für die Bodenreinigung. Laut HSG-Leiter Waterloo kamen in der Folge keine Beschwerden mehr.

Umso überraschter war er, als er via Präsidium des TSV Gräfelfing erfuhr, dass die Handballer die Kosten nun selbst stemmen sollen. Waterloo: „Ich bin mit der Art und Weise, wie das zustande gekommen ist, nicht so glücklich. Da wurde kein Gespräch gesucht, sondern es ist nur die Mitteilung gekommen, dass wir ab sofort die Reinigungskosten übernehmen sollen“, sagt Waterloo. TSV-Präsident Christoph Göbel habe erwirkt, dass die Gemeinde noch bis Ende Juni zahle. Die HSG wurde aufgefordert, sich selbst eine Finanzierung zu überlegen. Größere Sponsoren sind im Handballsport rar gesät, eine Umlegung auf die Mitglieder in der HSG würde eine Erhöhung um 100 Euro jährlich auch für die Handballer bedeuten, die gar nicht in den Genuss des Haftmittels kommen. „Wenn keine Lösung gefunden wird, können wir sportlich zumachen, und die Vereinsstruktur wird zerfallen“, sagt Waterloo.

Gräfelfings Bürgermeisterin Uta Wüst sieht das nicht so dramatisch. „Es steht kein Harzverbot im Raum“, sagt sie. „Wir möchten den Handballern transparent machen, was für Kosten sie verursachen.“ Sie habe gedacht, sie leite einfach die Rechnungen, die monatlich zwischen 3000 und 4000 Euro für die Bodenreinigung betragen, an den Verein weiter. „Das kann ich als normale Verwaltungskosten so nicht stehen lassen“, so Wüst weiter. Dazu bedürfe es eines Gemeinderatsbeschlusses. Dieser war mit der Sache noch gar nicht befasst. Auch Peter Köstler, 2. Bürgermeister und lange Jahre im HSG-Vorstand, erfuhr nur durch die Handballer von der Entwicklung. Er gibt zu, dass die Harznutzung zugenommen habe. Die Bodenreinigung sei unerlässlich. „Mich stört, warum niemand die Höhe der Kosten hinterfragt“, sagt er. Genau das hat Bürgermeisterin Wüst jetzt angekündigt.

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