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Macht Jagd auf Internet-Kriminelle: Cem Karakaya. Im Gräfelfinger Kurt-Huber-Gymnasium informierte er über Gefahren der neuen Medien.

Internet-Experte der Polizei warnt

Neue Gefahren im Netz

Welche Daten speichern kostenlose Online-Dienste wie Google und Facebook über mich? Wie schütze ich mich gegen diese und andere Gefahren im Internet? Und welche rechtlichen Konsequenzen können etwa bei Cyber-Mobbing drohen?

Gräfelfing – Über „neue Gefahren“ der „neuen Medien“ referierten am Dienstagabend Cem Karakaya, Experte für Internetkriminalität der Münchner Polizei, und Andreas Bayer von der Staatsanwaltschaft München I im Gräfelfinger Kurt-Huber-Gymnasium (KHG). Über 200 Zuhörer lauschten den Ausführungen Karakayas und Bayers, die auf Einladung des Elternbeirats in die Schulaula gekommen waren. „Nicht das Internet ist gefährlich, sondern die Menschen, die es nutzen“, stellte Karakaya klar. Er selbst spiele gerne am Computer, betonte Karakaya, warne aber zugleich vor den Gefahren, die die intensive Nutzung von Smartphones mit sich bringe: „Mit dem Blick auf das Smartphone durch die Straßen zu gehen, ist vergleichbar damit, 0,5 Promille zu haben, da 90 Prozent der Sinneswahrnehmungen durch die Augen stattfinden“, so der Polizist. Bei einer Kopfneigung von nur sechs Grad und einem Kopfgewicht von sechs Kilo habe die Halswirbelsäule bei Smartphone-Nutzung eine Belastung von 12 Kilogramm, was wohl mittelfristig Schäden verursache.

Einige Online-Firmen wüssten „mehr über Sie, als Sie selbst wissen“, führte Karakaya aus. „Glaube Sie wirklich, dass Firmen wie Google, Payback und Facebook Milliarden investieren, um Ihnen etwas kostenlos anzubieten?“ Statt mit Geld würde man die Dienste mit sehr vielen Daten bezahlen, deren Speicherung man über die Allgemeinen Geschäftsbedingungen auch zustimme. Bis vor einigen Jahren sei es noch möglich gewesen, sich seine gespeicherten Daten etwa von Facebook zu schicken zu lassen, erläuterte der Polizist. Ein junger Österreicher habe nach drei Jahren Nutzung Facebooks so erfahren, dass 1200 DIN-A 4-Seiten Daten über ihn gespeichert wurden. Zum Beispiel mit wem er wie viel kommuniziert hat, jedes Wort, das er schrieb, von welchem Ort er sich wie oft wo in das soziale Netzwerk eingeloggt hat, was Rückschlüsse auf Wohnort, Arbeitsplatz und Freizeit-Verhalten zulässt und vieles andere. Auch Google wisse über seine Dienste wie Google Maps – „dem größten Spionage-Programm“ – und Google+ fast alles über die Nutzer. Mit diesem gigantischen Wissen „können in Zukunft im schlimmsten Fall Politiker oder Staatsanwälte erpresst werden“, warnte Karakaya. Im Dritten Reich sei es tödlich gewesen, Jude zu sein. „Wer weiß heute, welche Daten in 20 oder 30 Jahren ähnlich gefährlich sein können?“

Karakaya berichtet von zahlreichen Beispielen. Eine Lebensmittelkette habe etwa dank der genutzten Payback-Karte und der gekauften Waren mit viel Magnesium und Zink rausgefunden, dass eine 16-Jährige schwanger war und ihr entsprechende Coupons geschickt – worauf der Vater ungewollt von der Schwangerschaft erfuhr.

Staatsanwalt Andreas Bayer, selbst Abiturient des KHG, referierte über die strafrechtlichen Hintergründe bei Internet-Mobbing, das inzwischen ein häufiges Problem sei. Unter anderem könnten die Straftatbestände Beleidigung, Nötigung, Bedrohung, Gewaltdarstellung und Körperverletzung bei etwa psychischen Folgen eines Gemobbten erfüllt sein. Auch jeder, der entsprechende Nachrichten bzw. Videos weiterleite oder auch etwa auf Facebook nur like, könne sich strafbar machen. „Entgegen der weitverbreiteten Annahme kann eine entsprechende Anzeige auch nicht wieder zurückgenommen werden, wir müssen das in jeden Fall verfolgen“, erklärte Bayer.

Der Staatsanwalt erinnerte an die kanadische Schülerin Amanda Todd, die sich nach langem Online-Mobbing umgebracht hatte, womit in diesem Fall der Straftatbestand „Beihilfe zum Mord“ erfüllt sein könnte. Bayer riet Betroffenen, zunächst alle Daten wie Videos und andere gepostete Inhalte zu speichern, „und dann zunächst zur Schule, dann zu dem Kontaktbeamten der Polizei oder dem Dezernat für Opferschutz zu gehen, als Letztes zu einem Anwalt“.

Peter Seybold

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