Schauspiel

Mit dem Theater sieben Mal um die Welt

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Die Schauspielerin Inge Rassaerts aus Gräfelfing (83) hat jetzt einen Film gedreht über die Zeit, als sie mit einem Theaterensemble sieben Mal um die Welt reiste.

Gräfelfing– Inge Rassaerts baut Brücken. Jetzt, wie vor 50 Jahren. „Wir hatten das Vergnügen, die Juden in der Welt mit Deutschland zu versöhnen.“ Vor allem in New York habe sie mithilfe des Theaters nach dem Krieg dazu beigetragen, Aversionen gegen die deutsche Sprache und Kultur abzubauen. Die Schauspielerin aus Gräfelfing (83) hat jetzt einen Film über ihre Zeit gedreht, in der sie mit einem Theaterensemble sieben Mal um die Welt reiste: „Inge Rassaerts – Mit dem Theater um die Welt“. Und mit diesem Film schlägt sie eine weitere Brücke.

Wenn sie von ihrem Lebenswerk, wie sie es nennt, berichtet, erzählt Inge Rassaertse nachfolgenden Generationen von einer anderen Zeit, einer anderen Welt und von der Schauspielerei, die sie bis heute ausübt. Mit der Theatergruppe „Brücke, Deutsches Ensemble für Übersee“ erreichte Rassaerts zwischen 1960 und 1973 eine Millionen Menschen, wie sie sagt. Sie bereisten damals alle Kontinente. Nur die kommunistischen Regimes hätten sie ausgespart. „In Taiwan wurden wir groß gefeiert“, erinnert sie sich. In Indien, Afghanistan, Südafrika und Hongkong seien sie gewesen. China beispielsweise sei für einen Besuch nicht in Frage gekommen. An der Grenze von Süd- und Nordkorea hat sie die Verhandlungen zwischen Russen und Amerikanern beobachten dürfen. Gefördert wurde die ganze Tournee vom Goethe Institut. „Wir waren Botschafter der deutschen Kultur zu einer Zeit, als Deutschland darniederlag“, sagt sie.

In ihrem Film erzählt sie dem Kabarettisten David Hang, von ihren Reisen und Erlebnissen mit der „Brücke, Deutsches Ensemble für Übersee“ und schwelgt mit ihrer Kollegin Ursula Erber in Erinnerungen. „Die Welt war eine andere“, das wird deutlich. „Diese Höflichkeit damals“, schwärmt sie. Gleichzeitig sei Deutschland angefeindet worden, erinnert sich die Österreicherin mit holländischem Hintergrund. „Wie wir Freunde über die Kultur gefunden haben, das war eine große Tat des Goethe Instituts“, findet sie. Von diesen Anstrengungen wisse heute kaum jemand.

Im Gespräch gelingt es David Hang, so manche Anekdoten zutage zu fördern. Wie es damals war zu reisen? „Wir haben drei Wochen nichts von Zuhause gehört“, in Zeiten, in denen es keine Hotels gab, habe man bei sehr, sehr reichen Leuten gewohnt“ oder in Hütten auf Strohsäcken übernachtet, so Rassaerts. In Zeiten, in denen der Inhalt eines 20 Kilogramm schweren Koffers monatelang reichen und unbedingt ein Abendkleid enthalten musste – selbst in Papa-Neuguinea war dieses abends zum Essen zu tragen. Rassaerts erzählt, wie sie jubelnden Beifall bekamen, wie ein 96-Jähriger Zuschauer ihrem Kollegen erklärte: „Das letzte Mal als ich im Theater war, habe ich Caruso gehört, aber sie waren besser“.

Nach 13 Jahren endete die Reise plötzlich. Es gab einen Politikwechsel. „Da hat es geheißen, der Welt europäische Kultur zu überbringen, ist nicht mehr passend.“ Tragisch war das, findet Rassaerts. Hat sie doch gesehen, „was Kultur möglich machen kann“.

Dank ihrem Film können dies nun auch andere erleben. Zu sehen ist der Film „Inge Rassaerts – Mit dem Theater um die Welt“ im Internet auf YouTube oder am Sonntag, 10. Juni, ab 18 Uhr im Münchner Hofspielhaus, Falkenturmstraße 8. Der Eintritt kostet 10, ermäßigt 5 Euro. Karten gibt es unter Telefon 24 20 93 33.

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