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Eine Ausstellung informiert bis 27. Oktober über die Geschichte, Architektur und Entwicklung des Gräfelfinger Rathauses. Evelyn von La Roche (r.) sowie Lebrecht und Christine von Necker betrachten am Abend des Jubiläumsfests mit Interesse die historischen Aufnahmen.

Jubiläum

Gräfelfinger feiern ihr Rathaus

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Das Gräfelfinger Rathaus rollte am Freitag den roten Teppich aus. Der Gemeindebau, ein kantiges Kind seiner Zeit, wird heuer 50. Das feierte die gleichaltrige Bürgermeisterin Uta Wüst mit knapp 200 Gästen auf drei Etagen.

Gräfelfing – Grauer Betonbunker von außen, funktionaler Verwaltungsbau und mit der Zeit gar anheimelnder Arbeitsplatz von innen: kann das gehen? Es kann. Sämtliche ehemaligen und aktuellen Gräfelfinger Bürgermeister, die an diesem Abend das Wort ergriffen, bescheinigten dem Rathaus in der Ruffiniallee 2, weit mehr zu sein als eine Adresse. Ehrenbürger Eberhard Reichert, mit gut 30 Jahren Dienstzeit der Bürgermeister-Champion, bekannte in seinem Grußwort: „Es ist ein außergewöhnliches Bauwerk, unverwechselbar, selbstbewusst, mutig und fast schon ein Denkmal für eine differenzierte, qualitativ hochwertige Betonbauweise. Es repräsentiert Gräfelfing hervorragend – schließlich ist es überwiegend aus heimischem Rohstoff gebaut: aus Kies.“ Dieses „großartig geglückte, stark strukturierte Äußere in Sichtbeton“ sei ein Charakterbau, mit vielen ästhetischen Details und hoher Funktionalität.

Bürgermeisterin Uta Wüst, die an diesem Abend ihren eigenen runden Geburtstag nur als Nebensatz verstanden wissen wollte, kokettierte: „Das Rathaus wirkt selbstbewusst, ohne arrogant zu sein. Es ist sich seiner Qualitäten sicher – ein bisschen wie die Gräfelfinger selbst.“ Dabei verhehlte sie nicht nachteilige Schrullen der kantigen alten Dame aus Beton: Eine katastrophale Energiebilanz, geschuldet dem sorglosen Geist der 60er, macht das Rathaus zum kapriziösen Sanierungsfall. Kosten und Ende offen.

Eine gewagte Parallele zwischen den Jubilaren des Abends, der Bürgermeisterin und „ihrem“ Rathaus, zog Ex-Bürgermeister und Gemeinderat Florian Ernstberger. Indem er den Begriff „Altes Haus“ etwas länger als gemütlich in der Schwebe hielt, versetzte Ernstberger, der ehemalige Würmtal-Derblecker, diesem Abend einen kabarettistischen Tusch.

Auf den sachlichen, beton-trockenen Boden der Tatsachen holte Landeskonservator a.D. Bernd Vollmar die Rathaus-Enthusiasten zurück. Ein waschechtes Vorbild dieser Architektur-Sprache der Gräfelfinger Wettbewerbssieger Böninger & Biedermann habe schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts auf einer skandinavischen Insel existiert, ergänzt durch den Architekten Le Corbusier, der bereits im Frankreich der 30er Jahre ein Sichtbeton-Denkmal wie die Kirche Notre-Dame-du-Haut in Ronchamp errichtet habe. Vollmars Instant-Seminar über Sichtbeton zeigte die Gestaltungsformen vom Schalungsbrett in Fichte-Sägerau über Beton-Glattschalung bis hin zum Rauhputz, mit Betonung der markanten Fugen auf. Vollmars Fazit: „Die Betonkisten der Nachkriegszeit verdienen eine Nachbewertung.“ Dem mochte grundsätzlich niemand widersprechen.

Nachdem 2. Bürgermeister Peter Köstler schon mit seiner Gratulation an Uta Wüst die protokollarische Rednerliste handstreichartig gesprengt hatte, fiel es den vielen hungrigen und durstigen Gästen umso leichter, dem Appetit folgend den oberen Stockwerken mit ihren Kaltbuffets, der unwiderstehlich herzlich betriebenen Kaffee-Bar der Traumwerker und der Bier- und Weinbar am Zugang zur Dachterrasse zu frönen. An diesem Abend wurde mithin offenbar: Sichtbeton ist mit etwas Glück eine graue, raue, coole Hülle für viel buntes Leben.

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