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Erleichterung und Freude in den Gesichtern bei der offiziellen Bekanntgabe der Übereinkunft (v.li.): Bürgermeisterin Uta Wüst, Doemens-Präsident Georg Schneider und Doemens-Geschäftsführer Werner Gloßner. 

Gemeinderat billigt Kaufverträge einstimmig

Doemens bleibt in Gräfelfing

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Die Zukunft der Doemens-Akademie in Gräfelfing ist gesichert. Nur einen Tag nach der Zustimmung durch den Gemeinderat präsentierte die Brauereifachschule voll Stolz und Vorfreude ihre Umzugs- und Neubaupläne. Sie sind in einem komplexen Konstrukt verschränkt mit weiteren Partnern und ermöglichen unter anderem Wohnungsbau am bisherigen Standort.

Gräfelfing– Die Stimmung in dem Raum mit den vier Edelstahl-Braukesseln war überschäumend – und das lag nicht allein an dem Bier in den Großbehältern und auf den Tischen. Auf Grundlage eines Tauschgeschäftes, abgesichert durch vier Verträge, gelang es mehreren beteiligten Parteien, ihre jeweiligen Ziele zu erreichen.

Doemens-Präsident Georg Schneider („Schneider Weisse“) schilderte bei einer Zusammenkunft am Mittwoch lebhaft das Zustandekommen der Übereinkunft. Während Doemens mit mäßigem Erfolg ein neues Grundstück in Gräfelfing oder Umgebung suchte, habe die Gemeinde der Braufachschule von sich aus ein Filet-Grundstück angeboten: Die Kommune machte beim geplanten Verkauf der großen Wiese an der Lohen-/Ecke Pasinger Straße an die Stauch Wohnbau GmbH von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch und trat das Grundstück an Doemens ab. Auf über 5000 m2 Fläche will die Akademie ihre dringend benötigte Erweiterung in einem neuen Gebäude umsetzen. Allein das Grundstück kostete rund 3,3 Millionen Euro, das Gesamtprojekt bezifferte Schneider auf etwa 20 Millionen Euro samt teurer technischer Ausstattung.

Doch auch die Stauch-Gruppe geht bei dem Handel nicht leer aus; im östlichen Bereich des großen Grundstücks an der Lohenstraße wird der Bauträger ein Hotel- und Bürogebäude errichten. Zudem erhalten Stauch und die Gemeinde im Gegenzug das bisherige Doemens-Grundstück, auf dem geförderte- sowie Eigentumswohnungen entstehen sollen.

Georg Schneider schilderte, wie alle Beteiligten sich „bei einem Bier“ zusammengesetzt und dieses „gute Ergebnis für alle“ erzielt hätten, ermöglicht „von vielen Menschen guten Willens“.

Guten Willen legten am Dienstag in nichtöffentlicher Sitzung auch die Gemeinderäte an den Tag, die das finale Vertragskonstrukt einstimmig billigten. Bürgermeisterin Uta Wüst wies am Mittwoch darauf hin, wie dringend der nun mögliche Wohnungsbau in der Stefanusstraße für Gräfelfing sei. Und sie äußerte ihre Genugtuung über die Grundstückslösung für Doemens. Wüst: „Es war für uns keine Frage, dass Doemens am Ort bleiben soll.“

Georg Schneider machte deutlich, dass die Brauereifachschule ihrerseits eine Erweiterung und Modernisierung dringend benötige. In den letzten zehn Jahren verdoppelte sich die Zahl der Lehrkräfte nahezu, und die Schüler aus aller Welt stehen auf Wartelisten, um von den Könnern aus Bayern das Bierbrauen zu lernen. Die Nachfrage wird von außen durch den Boom der Craft- und Micro Breweries etwa in den USA befeuert. Und von innen erweitert Doemens seinen Angebotskatalog stets, sei es um die Ausbildung zum Biersommelier oder die Ausweitung auf Lebensmittelindustrie in Theorie und Praxis.

Der weitere Zeitplan sieht nun vor, dass Doemens die Architektenleistung ausschreibt. Bis zum Herbst soll die Vorplanung stehen, auf deren Basis die Gemeinde den Bebauungsplan erstellen soll. Mit Baubeginn 2019 könne bei planmäßigem Verlauf der Einzug in das neue Gebäude 2021 erfolgen.

Erst ab diesem Zeitpunkt wird die Folgenutzung auf dem Doemens-Grundstück konkret, die manchen schon Sorge bereitet. Denn während Doemens, Gemeinde und Stauch eine Win-Win-Win-Situation bejubeln, gibt es auch eine Gruppe, die sich als Verlierer fühlt: Die heutigen Doemens-Nachbarn fürchten eine massive Bauverdichtung mit Zunahme des Verkehrs und Parkdrucks in den engen Wohnstraßen ihres Viertels. Auf Nachfrage sagte Bürgermeisterin Wüst diesen Bürgern erneut zu, noch vor Aufstellen des Bebauungsplans mit ihren Belangen gehört und „nicht vor vollendete Tasachen“ gestellt zu werden.

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