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Die A 96 bei Gräfelfing ist kein Unfallschwerpunkt, deshalb müsste die Gemeinde die Blitzer selbst bezahlen.

Tempo 80 wird nicht strenger überwacht

Keine Blitzer an der A 96

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Würde die Gemeinde selbst für die nötigen Anlagen bezahlen, könnte künftig entlang der A 96 bei Gräfelfing geblitzt werden. Doch der Gemeinderat findet: zu teuer, zu wenig Nutzen. 

Gräfelfing– Autofahrer, die mit hohem Tempo auf der A 96 die Gemeinde Gräfelfing passieren und dabei das Limit von 80 Stundenkilometern ignorieren, müssen weiterhin kaum damit rechnen, geblitzt zu werden. Nach jahrelangen Bemühungen steht die Initiative der Gemeinde für Radaranlagen vor dem Aus.

Grund ist ein miserables Kosten-Nutzen-Verhältnis. Der Plan war, fünf bis sechs Gehäuse für Radardgeräte zu errichten, diese aber wechselnd mit nur einer Messanlage zu bestücken. So wüssten Autofahrer nie, wo gerade geblitzt werde, und müssten sich also auf dem gesamten Abschnitt ans Tempolimit halten.

Autobahndirektion und Polizei hängten die Hürden für eine Genehmigung allerdings äußerst hoch. Sie forderten für jeden der Standorte eine eigene, baulich zu schaffende Haltebucht für das Personal, das Fotochip und Kamera wechseln würde. Weil dabei im Hangbereich operiert würde, müssten Stützwände, neue Leitplanken und gepflasterte oder asphaltierte Haltebuchten angelegt werden. Die Kosten pro Bucht würden 130 000 Euro betragen. Da eine Bucht bereits existiert, wären vier weitere zu errichten. Zu diesen 520 000 Euro kämen 50 000 Euro einmalig für das Messgerät – und die laufenden Kosten. Von den Bußgeldern hätte Gräfelfing nichts bekommen, die wären an den Staat gegangen. Weil die Stelle kein Unfallschwerpunkt ist, lehnen die Behörden eigene Messstellen dort ab; man hätte lediglich Gräfelfings Wunsch nachgegeben – bei voller Kostenübernahme durch die Gemeinde. Die wäre wohl erfolgt, würde die Maßnahme akustischen Erfolg versprechen. Ein Gutachten kam jedoch zu dem Schluss, dass der Verkehr durch eine Reduzierung der Geschwindigkeit auf 80 km/h lediglich rund zwei Dezibel leiser würde – ein kaum wahrnehmbarer Wert.

Bürgermeisterin Uta Wüst fasste zusammen: „Es wird damit nicht hörbar leiser.“ Aus diesem Grund lehnte eine große Mehrheit des Ausschusses die Maßnahme ab. Mathias Pollok (IGG) nannte die Investition einen „Unfug, wenn man es nicht mal hört“. Katharina Weber (Grüne) sagte, es sei „wahnsinnig viel Geld für wenig Effekt“. Und Jörg Scholler (FDP) sagte, es gehe lediglich um einen „Placebo-Effekt“; da solle man sich nichts schönreden.

Peter Köstler (CSU) gab das „schwierige Kosten-Nutzen-Verhältnis“ zu, plädierte aber trotzdem für die Maßnahme. Er holte zum Rundumschlag aus und kritisiert deutlich, dass die Gemeinde in Sachen Lärmschutz in den letzten Jahren praktisch nichts unternommen habe. Aus der teuren Machbarkeitsstudie sei keine einzige der vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt worden, auch nicht die bezahlbaren Lärmschutzelemente am westlichen Tunnelportal. Köstler: „Wir sollten endlich was tun, nicht immer nur reden und untersuchen.“ Er vermisste im Gemeinderat die Bereitschaft, in dieser Sache Beschlüsse zu fassen. Außerdem kritisierte er die augenscheinliche Unwilligkeit der Behörden bei der Genehmigung der Radaranlage. „Es entsteht der Eindruck, dass man das von Seiten der Polizei nicht will, deshalb fordert man Riesenbaumaßnahmen.“ Das sei sehr bedauerlich. Die Überwachung des Tempolimits könne vor allem nachts sehr wohl etwas bringen.

Am Ende stimmte nur Peter Köstler für die Investition (1:7). Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, die endgültige Entscheidung trifft bei Maßnahmen dieser Größenordnung der Gemeinderat.

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