Wolfart-Klinik

Die Fürsprecher der Patienten

Waren Sie zufrieden? Die Wolfart-Klinik in Gräfelfing will wissen, wie es Patienten in ihrem Haus ergangen ist. Sie lässt sie anrufen. Damit ist sie anderen Krankenhäusern eine Nasenlänge voraus.

Gräfelfing – Autohäuser rufen gerne ihre Kunden an, um zu erfahren, ob sie mit dem Werkstattbesuch zufrieden waren. Aber eine Klinik? Warum nicht, findet Florian Wolfart von der Gräfelfinger Wolfart-Klinik. Der Nachbar schnarcht, der Kaffee war kalt, das Essen schmeckt nicht oder der Arzt hat ewig auf sich warten lassen. Vielleicht war auch alles zur vollsten Zufriedenheit. Die Klinik will wissen, was ihre Patienten freut und ärgert. Sozusagen zur eigenen Qualitätssicherung. Und so werden die Patienten der Wolfart-Klinik am Tag nach ihrer Entlassung angerufen und befragt.

Eva Maria und Georg Ring haben diese Aufgabe für die Klinik übernommen. Sie nennen sich Patientenfürsprecher und sie arbeiten ehrenamtlich. Patienten können auch während ihres Klinikaufenthaltes aktiv auf die beiden zugehen. Viele Krankenhäuser hätten solche Patientenfürsprecher, meint Geschäftsführer Tilman Götzner. Diese rufen die Patienten nach dem Krankenhausaufenthalt aber nicht gezielt an. „Ich kenne kein Haus in München, dass das macht“, sagt er. „Da sind wir die Einzigen.“

Erfunden haben es die Gräfelfinger nicht. „Das hat Herr Wolfart aus Amerika mitgebracht“, berichtet Götzner. Dieser sei dort beim Zahnarzt gewesen. Einen Tag später habe ihn die Praxis im Hotel angerufen, um zu hören, ob er zufrieden gewesen sei. Die Klinik hat das Konzept leicht abgewandelt: Eva Maria und Georg Ring rufen Patienten an, die stationär behandelt wurden. Seit fast vier Jahren agieren sie als Vermittler zwischen Klinik und Behandelten. „Wir sehen uns als wichtige Schnittstelle“, sagt Georg Ring. Rückmeldungen der Patienten gebe er als Anregung an die Klinikleitung weiter. Essen und die Freundlichkeit des Personals seien oft ein Thema. „Wir hatten mal ein Gespräch, da beschwerte sich der Mann einer Patientin, dass diese seit ihrem Aufenthalt nicht mehr das von ihm zubereitete Essen haben wollte, weil es ihr in der Klinik so gut geschmeckt hatte“, erzählt Eva Maria Ring lachend.

Früher hatte die Klinik schriftlich Patientenbefragungen durchgeführt. „Da sind wir davon abgekommen“, erklärt Götzner. Die Rücklaufquote sei schlecht gewesen und der Grund für Beschwerden habe oft zu lange zurückgelegen, um dies richtig nachvollziehen zu können. Jetzt sei alles besser. „Wir können schneller handeln.“

Rund 20 Patienten werden täglich entlassen und am nächsten Tag angerufen. „Wir bekommen als Klinikleitung abends eine Liste, dann können wir spätestens am übernächsten Tag nach der Entlassung reagieren.“ Eva Maria Ring war Anästhesiepflegekraft im Klinikum Fürstenfeldbruck. Sie kennt die Bedürfnisse von Patienten. Und als ehemaliges Mitglied des dortigen Betriebsrates kennt sie die Anliegen der Mitarbeiter. Jetzt vermittelt sie zwischen den beiden Parteien. „Ihr liegt das sehr am Herzen“, nennt Götzner den Grund für ihren ehrenamtlichen Einsatz. Georg Ring sei ein Bekannter von Florian Wolfart.

Die Mitarbeiter der Wolfart-Klinik schätzten das schnelle Feedback, meint der Geschäftsführer. „Dramatische Dinge sind es meistens nicht.“ Bislang sei keinem gekündigt worden, weil er in der Hektik des Alltags einmal unfreundlich gewesen sei. 2016 sei die Wolfart-Klinik zum siebten Mal als „Bester Arbeitgeber im Gesundheitswesen“ ausgezeichnet worden und sie zähle auch branchenübergreifend zu den „TOP 100“ unter Deutschlands Arbeitgebern.

Victoria Strachwitz

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Planegg setzt der Linken eine Frist
21 Parteien stehen auf dem Wahlschein für die Bundestagswahl am 24. September. Für alle gelten in Planegg in Sachen Plakatierung dieselben Regeln. Eine Partei schert das …
Planegg setzt der Linken eine Frist
Mittelspannungsleitung durchgeschmort
Der Netzbetreiber Bayernwerk AG hat offenbar die Ursache für den Stromausfall gefunden, von dem am Mittwochabend rund 1000 Haushalte in Planegg und Gräfelfing betroffen …
Mittelspannungsleitung durchgeschmort
1000 Haushalte ohne Strom
Teile der Gemeinden Planegg und Gräfelfing waren am Mittwochabend zeitweise ohne Strom. Betroffen waren rund 1000 Haushalte entlang der Bahnlinie München-Mittenwald.
1000 Haushalte ohne Strom
Positive Bilanz der Dorffest-Veranstalter
Das Martinsrieder Dorffest 2017 war, nach drei Jahren Pause, aus Sicht der Veranstalter ein Erfolg, trotz der etwas widrigen Umstände.
Positive Bilanz der Dorffest-Veranstalter

Kommentare