Gräfelfing startet Verkehrskonzept und Planfeststellung gleichzeitig

Kompromiss führt zur Entlastungsstraße

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Gräfelfing soll seine Entlastungsstraße bekommen. Der Gemeinderat beschloss am Dienstag mit großer Mehrheit, das Planfeststellungsverfahren zu starten. Parallel wird ein Fachbüro an einem Mobilitätskonzept zur innerörtlichen Verkehrsberuhigung arbeiten – ein Kompromiss.

Gräfelfing– Der Doppelbeschluss vom Dienstag markiert das vorläufige Ende einer über Jahre gehenden Debatte in Gräfelfing, die über weite Strecken dem Motto „zwei Schritte vor, einer zurück“ folgte. Erst eine Verkehrsklausur des Gemeinderates Anfang 2018 brachte so etwas wie einen Durchbruch, indem das gleichzeitige Vorgehen skizziert wurde, wie es nun auch beschlossen ist.

Während auf der Klausurtagung noch alle Fraktionen bis auf die SPD dafür gestimmt hatten, gingen mittlerweile die Grünen, deren Basis den Kompromiss nicht mittragen mochte, und die FDP wieder von der Fahne. Frauke Schwaiblmair (Grüne/Unabhängige) begründete die Ablehnung des Panfeststellungsverfahrens durch ihre Fraktion am Dienstag mit dem Argument, die nun zur Abstimmung stehende größere von zwei Varianten bedeute eine zu große Bodenversiegelung. Die kleine Variante mit Einmündung in die Seeholzenstraße hatten Straßenbauamt und Autobahndirektion wegen zu geringer (regionaler) Wirkung abgelehnt. Die große Variante soll die A 96 mit der Würmtalstraße verbinden, großteils auf einer neuen zweispurigen Trasse (eine Fahrbahn pro Richtung) im Osten des Gewerbegebietes.

Jörg Scholler (FDP) nannte das Projekt eine „Belastungsstraße“, mit der die Gemeinde „auf eigene Kosten Fremdverkehr anziehen“ werde, der über Neuried zur Garmischer Autobahn und über die Würmtalstraße durch Gräfelfing und Planegg fließen werde. Und Franz Lang (SPD) sah seine „schlimmsten Befürchtungen eines Südrings Light“ bestätigt.

Die Befürworter des Kompromisses, Verkehrskonzept und Feststellungsbeschluss gleichzeitig zu starten, verwiesen auf den engen Zusammenhang der beiden Projekte. Bürgermeisterin Uta Wüst: „Die Entlastungsstraße ist nach fachlicher Einschätzung die Voraussetzung für eine verkehrliche Entlastung und Beruhigung im Ort.“ Im übrigen widersprach sie Schollers Behauptung, in den Verkehrsmodellen der Gutachter seien neuere bauliche Entwicklungen wie jene in Freiham oder Martinsried noch gar nicht einberechnet gewesen.

Mathias Pollok (IGG) sprach sich vehement gegen einen Antrag der Grünen auf getrennte Abstimmung der beiden Maßnahmen aus. Pollok: „Die beiden Dinge hängen nun mal eng zusammen. Da sollten wir uns auf die Fachleute und ihre Zahlen verlassen.“ Ein Aufschnüren des Paketes hätte den mühsam gefundenen Kompromiss gefährdet. Auch Günter Roll (BVGL), dessen Fraktion ähnlich wie die CSU seit Jahrzehnten für eine Umgehungsstraße eintritt, sah „ohne Entlastungsstraße keine Verkehrsberuhigung“ möglich.

Am Ende votierten nur sechs Gemeinderäte von Grünen/Unabhängigen (3), SPD (2) und FDP (1) gegen die Beschlussempfehlung, die bereits der überörtliche Ausschuss vor der Sommerpause ausgesprochen hatte.

Auch bei gleichzeitigem Start dürfte das Verkehrskonzept lange vor dem Planfeststellungsbeschluss vorliegen. Dieser Gedanke bewog auch die Grünen, vorerst auf einen von ihrem Sprecher Raymund Messmer ins Spiel gebrachten Bürgerentscheid zu verzichten. Messmer sagte am Mittwoch auf Merkur-Anfrage: „Wir planen immer noch einen Bürgerentscheid, allerdings wollen wir die konkrete Straßenplanung abwarten. Wir haben auch noch die leise Hoffnung, dass das Verkehrskonzept die Entlastungsstraße überflüssig macht.“

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