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Ein leuchtender Glasturm könnte dem Gräfelfinger Bürgerhaus ein unverwechselbares Aussehen geben.

Sanierung und Erweiterung des Bürgerhauses

Kosten gehen durch die Decke

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Mit dem Bau der neuen Schwimm- und Dreifeldsporthalle ist noch nicht begonnen, da wartet auf die Gemeinde Gräfelfing bereits das nächste Großprojekt – die Sanierung und Erweiterung des Bürgerhauses. Auch hier gehen die Kosten durch die Decke.

Gräfelfing– Das rund 30 Jahre alte Gräfelfinger Bürgerhaus krankt an allen Ecken und Enden. Fast zehn Minuten lang trug Architekt Klaus Molenaar im Bauausschuss jetzt die Defizite vor. Sie reichen von veralteter, kaputter Technik über energetische Probleme bis hin zu funktionalen Schwächen wie dem Seiteneingang für Kino und Bücherei ohne Foyer sowie viel zu kleiner Bühne und Bücherei.

Kosten schnellen auf 11,8 Millionen Euro hoch

Bereits 2016 hatte der Gräfelfinger Molenaar, der das Bürgerhaus einst entwarf, eine Machbarkeitsstudie für die Überführung des Hauses in eine neue Zeit vorgelegt. Darauf aufbauend präsentierte er nun den aktuellen Stand eines Vorentwurfs. Die gute Nachricht: Das Bürgerhaus kann fast sämtliche Defizite abwerfen, wenn sie mutig angegangen werden. Die schlechte Nachricht: Mutig heißt in diesem Fall auch sehr teuer. Hatten die Kosten bei der Grobschätzung vor fünf Jahren noch bei 5,8 Millionen Euro gelegen, schnellten sie auf heute 11,8 Millionen Euro hoch. Einen Großteil der Preissteigerung macht der Befund aus, dass wegen maroder Fußbodenheizung sämtliche Fußböden des Hauses aufgerissen und samt Heizung erneuert werden müssen. Außerdem ist die Elektrik fast in Gänze zu ersetzen. Allein die Vergrößerung der Bühne durch ein nach Norden verlängertes Bühnenhaus würde samt Technik 1,2 Millionen Euro kosten. Hinzu kommen die rasant steigenden allgemeinen Baukosten.

Klaus Molenaars Entwurf sieht vor, den heutigen Turm durch ein größeres und zugleich luftiger wirkendes Bauwerk an gleicher Stelle zu ersetzen. Der neue Turm würde vor allem aus Glas bestehen, wie ein „Lampion“ (Molenaar) leuchten und dem Bürgerhaus Unverwechselbarkeit verleihen.

Im Erdgeschoss des Turms würde auch der neue, erstmals zusammengelegte Haupteingang zu Bürgerhaus, Bücherei und Kino liegen – in Form eines 60 m2 großen Foyers. Dieses ließe sich zum Bürgerhaus-Foyer hin öffnen und so noch mehr Veranstaltunsgfläche gewinnen.

Das Foyer des Bürgerhauses soll vor allem Platz gewinnen, indem die aktuell massive Treppe zu Galerie und Kellergeschoss abgerissen wird. Lediglich eine schlanke Spindeltreppe in der Raummitte soll die nötigen Fluchtwege aus dem Obergeschoss erhalten. Ansonsten würde ein Aufzug im Turm sämtliche Ebenen barrierefrei erschließen.

Die Bücherei bekäme mehr Fläche, indem die Fassade zu Lasten des heute kaum genutzten Balkons im Obergeschoss nach außen verschoben wird. So soll Platz für ein Lesecafé entstehen. Außerdem ist eine neue Möblierung der Bücherei überfällig und fest eingeplant.

Bürgermeisterin stelle Infoveranstaltung in Aussicht

Der Bauausschuss fasste noch keinen Beschluss, doch ließen die Gemeinderäte sich von den „vielen guten Ideen“ überzeugen, auch wenn sie ins Geld gingen, wie Joachim Bender (Grüne) feststellte. Ihm war wichtig, die Bürger bei der Konzeption mitzunehmen. Bürgermeisterin Uta Wüst stellte eine Infoveranstaltung in Aussicht.

Florian Ernstberger (BVGL) begrüßte das Vorhaben vorbehaltlos. Das Bürgerhaus sei schon lange auf der Warteliste und seine Instandsetzung eine wichtige Aufgabe.

Hans-Joachim Kramer (parteifrei) vermisste in dem Konzept gesonderte Räume für die Jugend. Kino, Bücherei und Bürgerhaus würden von allen Generationen genutzt, widersprach Bürgermeisterin Wüst. Auch der beratende Architekt Bertold Ziersch fand den Entwurf gelungen. Lediglich hinter die in der Raummitte angeordnete Spindeltreppe setzte er ein Fragezeichen.

Der neue Gemeinderat wird entscheiden

Nun sollen zunächst die Fraktionen intern über den Entwurf beraten; eine eingehende Diskussion und Entscheidung obliegt dann dem neuen Gemeinderat nach den Wahlen am 15. März. Sollte das Gremium sich rasch für die Sanierung entscheiden, könnte laut Klaus Molenaar frühestens in zwei Jahren mit dem Bau begonnen werden. Fertigstellung wäre etwa im Mai 2023.

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