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Sitzkreis mit Küken: Nach 21 Tagen geduldiger Betreuung und aufmerksamer Pflege von 20 Eiern in der Brutmaschine halfen Erzieherin Nadine Nißl und ihre Kinder aus der „Rappelkiste“ den piependen Hühnchen ins Leben. 

Natur-Projekt in der „Rappelkiste“

Die Küken aus dem Kindergarten

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Nadine Nißl, Erzieherin in der Gräfelfinger „Rappelkiste“, hat mit 16 kleinen Helfern 20 Küken ins Leben geleitet.

Gräfelfing – „Die Eier kommen von Rewe!“ Das ist keine plumpe Supermarkt-Werbung, sondern war bis vor Kurzem noch die im Brustton der Überzeugung vorgetragene Meinung vieler Kinder im Gräfelfinger Gemeindekindergarten „Rappelkiste“. Inzwischen wissen die Zwei- bis Sechsjährigen nicht nur, dass Hühner die Eier legen, bevor diese in den Laden gebracht werden, sondern auch, dass aus Eiern Küken schlüpfen können. Denn sie haben es mit eigenen Augen gesehen.

Als Erzieherin Nadine Nißl im Spätsommer einen befreundeten Bauern bei Weilheim besuchte, fiel ihr eine Brutmaschine auf, mit der die Bäuerin immer mal wieder im Hühnerstall für Nachwuchs sorgt. „Ich war so fasziniert, dass ich gleich dachte: Das ist was für meine Kinder“, sagt Nißl. Mit „ihren Kindern“ sind gleich 16 davon gemeint, nämlich die Ganztagsgruppe in der Rappelkiste. Wenige Tage später stand die Brutmaschine, befüllt mit 20 Eiern, in einem stillen Nebenraum des Kindergartens – geschützt vor allzu großem Ansturm.

Doch vom ersten Tag an waren die Kinder völlig fasziniert von den Eiern und ihrem sehnsüchtig erwarteten Inhalt. Nadine Nißl gab ihr neu gewonnenes Wissen gleich an die Kinder weiter, die es mit erwachsenem Ernst übernahmen: Dass die Eier nicht mit Reinigungsmittel gewaschen werden dürfen, damit die Poren nicht verstopfen; dass die Maschine nur mit destilliertem Wasser befüllt werden darf, weil das Leitungswasser Kalk enthält, der die Schale der Eier so dick werden ließe, dass die Küken sie nicht aufpicken könnten. Und dass es lange 21 Tage dauern werde, bis das erste Schnäbelchen sich mit dem Eizahn durcharbeiten würde.

„Sie haben unglaublich viel Geduld bewiesen“, bescheinigt die Erzieherin ihren Schützlingen. Täglich besuchten die Kinder die Eier, begrüßten sie krähend mit „Hallo Ei!“ und verabschiedeten sie mit „Auf Wiedersehen Küken!“.

Es gab allerdings auch bald etwas zu sehen, wenn die Köpfchen sich über die Eier beugten: Mit Hilfe einer speziellen Lampe zeigten sich Blutgefäße im Ei, und nach und nach war das Küken in Umrissen zu erkennen. Mehr noch: Irgendwann bewegten sich die Küken sichtbar und, wie wunderbar, manchmal piepten sie schon ganz leise. Da wurden auch die quirligsten Kinder andächtig still.

Pünktlich nach 21 Tagen fehlte plötzlich bei einem Ei ein Stückchen Schale. Und dann ging es los: Binnen drei Tagen waren alle Küken geschlüpft, unter heftiger Anteilnahme zahlreicher kleiner Hebammen. Nadine Nißl nahm sogar eine Pinzette zur Hand, um besonders hartnäckige Schalen-Stücke vorsichtig wegzuzupfen. Schon am Tag nach dem Schlüpfen waren aus den nassen, unsicheren Wesen quirlig-flauschige schwarze, zweifarbige und goldgelbe Knäuel geworden, die man ganz vorsichtig in die Hände nehmen, bewundern und mit einem Namen versehen durfte – ein Stück Natur-Unterricht, wie ihn kein Lehrbuch vermitteln kann.

Inzwischen sind die Küken glücklich auf ihrem Bauernhof in Weilheim angekommen. Und täglich fragen die Kinder nach ihrem Wohlergehen. Dann holt Nadine Nißl ihr Handy aus der Tasche und zeigt die jüngsten Fotos, die der Bauer ihr fast täglich über WhatsApp sendet; einmal war sogar ein Video dabei. Nach dieser Erfahrung dürfte es nicht zum letzten Mal gewesen sein, dass aus der Rappelkiste Küken schlüpfen.

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